CELLE. Eine außergewöhnliche Band präsentiert Dima Mondello bei der kommenden Jazz-Session in Kunst & Bühne, Nordwall 46, in Celle. Am Freitag, 26. April, ab 19 Uhr, werden die fünf Musiker von Alloy b.c. zu Gast sein. Sie bieten ein eigenes Repertoire an eingängigen Titeln aus dem Bereich des Funk, Souls und R’n’B.

„Irgendwann setzt sich mir eine Melodie oder eine Akkordfolge in den Kopf. Egal, ob Tag oder Nacht – ich setze mich an den Flügel und spiele diesen Akkord. Wenn ich es fühle, dann kommt die Komposition ganz von allein.“ Janine Schouten, genannt „Jay“, ist die Keyboarderin der Band Alloy b.c. aus Hildesheim. Eine Pianistin am Keyboard, sagt man von Jay, die bereits mit vier Jahren vom niederländischen Vater am Klavier unterrichtet wurde, mit elf Jahren ihren ersten Musikpreis als Solopianistin gewann und in den 80er Jahren einen Klassikpreis nach dem anderen abräumte.

Das Bandprojekt Alloy startete im Jahr 2014, um als Supportband für die berühmte Jazzsaxophonistin Candy Dulfer bei einem Festival im Rheinland zu spielen. Jörg Heidemann, Ufuk Kazdagi ,Janine Shouten, Marion Feist und Guido Bock verschmolzen damals zur ersten „Legierung“, was Alloy deutsch übersetzt ja bedeutet. Das war der Auftakt – zwischenzeitlich gab es Wechsel von einigen Musikern. Jan Wedemann (Drummer) kam dazu. Von Beginn an verstand man sich gut, war in der Lage musikalisch aufeinander einzugehen. Doch der echte „Vibe“ stellte sich erst 2017 ein, als Pia Geiger und Godehard Nave zur Band stießen. Die Chemie stimmte. Aus reinem Zufall, so die Empfindung der Band, die sich selbst ein „b.c.“ (by chance) verpasste. Aus Alloy war Alloy b.c. geworden – mit einer Musik, die ihre Wurzeln im Soul, Funk und R’n‘B fand.

„Die Songs entstehen, indem irgendeiner etwas anspielt, was einen nächsten darauf einsteigen lässt“ beschreibt Gitarrist Jörg Heidemann, die kreativen Stunden im Studio. Meist ist die Melodie die  Grundidee, an der sich alle Instrumente ausrichten. Mit „So easy“ brachte Alloy b.c. im März 2018 ihre erste CD heraus, die musikalisch alle Erwartungen übertraf. Aus den acht großartigen Titeln der CD stechen zwei besonders heraus: „Explosion“ und „London“. Sie zeigen das große Potential dieser Band, das bis heute noch lange nicht ausgeschöpft ist.

Mit echten Vorbildern hat sich Alloy b.c. nie wirklich auseinandergesetzt. Zwar gab es Anleihen bei Toto-Gitarrist Steve Lukather oder Bassist Mark King (Level 42), aber die Hildesheimer Band suchte von Beginn an nach eigenen Wegen. Der freundschaftliche und respektvolle Umgang prägte die Band, deren Mitglieder allesamt eine hohe musikalische Qualität mitbrachten, ohne das durch irgendwelche Allüren auszuleben. Gerade die Vielseitigkeit der Musiker trägt zur Reife ihrer Musik bei. Sie kommen aus dem New Wave, Funk, Rock, Reggae, Soul, Pop, aus dem Schlager und der Klassik.

Eine Hierarchie gibt es nicht. Die Texte sind oft persönliche Statements zu verschiedenen Lebenslagen …. haben keine bedeutsame Message sondern entstammen der Betrachtung des Alltags. „Wir sind alle im Alter für eine Midlife-Crisis“, lacht Heidemann und stellt fest: „Meine Selbsthilfegruppe ist die Band. Denn wir verstehen uns nicht nur, wir hören uns auch zu.“

Für Sängerin Pia Geiger ist genau das das Erfolgsrezept der Band: „Unsere Freundschaft und unsere leidenschaftliche Art Musik zu machen.“ Die gebürtige Würzburgerin lebt seit 1996 in Hildesheim und hat bereits zahlreiche Bands durchlaufen und im Chor gesungen. Ihre stimmlichen Vorbilder sind  Kate Bush, Janis Joplin, Joni Mitchell, Maria Gien oder auch Joss Stone … „Es gibt ja so viele Wahnsinns-Sängerinnen und Sänger“, sagt Geiger und gibt zu, „dass ich schon immer gerne meine Stimme erhoben habe.“

In den knapp zwei Jahren als Alloy b.c. hat die Band insgesamt 19 Songs im Studio aufgenommen. „Und der Ideenpool ist noch lange nicht erschöpft“, weiß Godehard Nave: „Wir müssen uns jede Probe dazu zwingen,  an schon fertigem Material zu arbeiten. Sonst verfallen wir in Jamsessions mit ungeahntem Ausmaß und Ausgang.“ Godehard spielt Bass seit 1980 „in allen möglichen und unmöglichen Projekten und Bands.“ Irgendwann hat er mal Gitarre gelernt, gelernt, wurde aber durch Gitarristen Überschuss „zum Bassisten umgebaut“. Er hat dann den Bass als Solo-Instrument für sich entdeckt: „Scheiß auf Gitarre, Bass ist viel geiler. Yeahh.“

Mit Alloy b.c. sammelte der Bassist ganz neue Erfahrungen: „Irgendwas war früher immer da, was gebremst oder die Laune in den Untergrund befördert hat. Das gibt es bei Alloy nicht. Da ist jede Probe mit einem kleinen Urlaub gleich zu setzen. Das macht jedes Mal wieder Bock auf mehr.“ Genau dieses „Mehr“ möchte Alloy b.c. jetzt vom Studio auf die Bühne bringen. Im Grunde passt bei der Hildesheimer Band alles: viel Erfahrung, hohe musikalische Qualität, ausgeprägte Kreativität und ehrgeizige Ziele. Denn irgendwann bald wollen Alloy b.c. auf der großen Bühne in Kanada stehen: beim Montreal Jazz Festival.





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