Zwischen Schnelltest und Schutzbrille - Alltag im Seniorenheim unter Quarantäne

Gesellschaft Von Susanne Zaulick | am Mi., 20.01.2021 - 15:16

CELLE. Mails ans Gesundheitsamt schreiben, Bewohner und Beschäftigte testen, Nachschub an Schnelltests organisieren, MitarbeiterInnen bei Laune halten und riesige Berge an Müll entsorgen – das alles prägt derzeit den Alltag von Nicole Wischhöfer, Leiterin des Alten- und Pflegeheims Wohnpark Rolandstraße. Das Haus ist seit 7. Januar unter Quarantäne, nachdem zuerst eine Mitarbeiterin, in den folgenden Tagen auch mehrere Bewohner positiv getestet worden waren.

„Es geht den Bewohnern den Umständen entsprechend“, sagt die Heimleiterin. Die ersten zwei positiv Getesteten hätten die Infektion mit Erkältungssymptomen überstanden. Bei zwei weiteren Fällen sei aber doch höheres Fieber aufgetreten, so dass man einen der Betroffenen vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht habe. Derzeit seien alle auf dem Weg der Besserung.

Aber nicht nur die Sorge um die BewohnerInnen und MitarbeiterInnen treibt Nicole Wischhöfer um. Der Alltag in einem Pflegeheim unter Quarantäne bringt für alle Beteiligten Einschränkungen mit sich. „Da braucht man viel menschliches Feingefühl“, weiß die Leiterin des Hauses mit 51 Bewohnern, in dem auch etliche demente Menschen leben. Ihnen zu vermitteln, dass sie in ihren Zimmern bleiben müssen, ist ebenso eine Herausforderung, wie die zusätzliche Betreuung der allein in ihren Zimmern isolierten Bewohner. Persönliche Besuche, Physiotherapie, Ergotherapie, Fußpflege oder auch der Friseur – alles, was sonst Abwechslung ins tägliche Dasein gebracht hat, entfällt. Und wird von den Beschäftigten des Hauses soweit wie möglich kompensiert. „Es gibt mehr Einzelaktivierung durch die Pflegekräfte“, erläutert Nicole Wischhöfer. Das könne zum Beispiel Vorlesen, Sprichwörter erraten oder einfach ein etwas längeres Gespräch sein. 

Auch das gemeinsame Mittagessen im Speisesaal fällt weg. Die Pflegekräfte bringen die Mahlzeiten auf die Zimmer, was ebenfalls den zeitlichen Aufwand erhöht. All das erfolgt jeweils in voller „Schutzmontur“: Maske, Handschuhe, Schutzbrille und Kittel werden für jedes Zimmer gewechselt und am Abend entsorgt. 270 Einmalkittel und Masken fallen dabei täglich an. Die Heimleiterin sieht sich auch in der Verantwortung, ihr Personal daran zu erinnern, regelmäßig kurz im Pausenraum die Masken abzunehmen und zu trinken. Denn die Schleimhäute trocknen unter den Masken stärker aus. 

Zwischendurch gehen die Berichte über die aktuelle Situation ans Gesundheitsamt. „Ich fühle mich nicht allein gelassen“, sagt Nicole Wischhöfer über ihre Kontakte zur Behörde. Auch die Heimaufsicht sei mit im Boot. Gemeinsam mit der Qualitätsbeauftragten des Hauses, wird das Hygienekonzept regelmäßig überarbeitet. Bis zum ersten Coronafall im Haus, wurden MitarbeiterInnen und BewohnerInnen alle drei Tage getestet. Jetzt erfolgen die Schnelltests im Abstand von zwei Tagen. 

Zwei Wochen dauert die Quarantäne im Normalfall und wird nach jedem weiteren Positivtest erneut verlängert. Für das Alten- und Pflegeheim Wohnpark Rolandstraße gibt es einen Lichtblick: Ab morgen soll zumindest in den beiden coronafreien Etagen wieder weitestgehend Normalität einkehren.