„Alltagsmenschen“ erobern Celle – Ausstellung offiziell eröffnet

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Di., 06.07.2021 - 15:57

CELLE. Oft haftet dem, was bei Ausstellungseröffnungen gesagt wird, etwas Elitäres an - ganz anders bei der heutigen Vernissage in Celles Wohnzimmer am Großen Plan, unter freiem Himmel. Es waren zwar geladene Gäste vor Ort, aber Passanten und Touristen, die neugierig geworden waren, was es wohl auf sich hat mit diesen freundlichen Menschen aus bunt bemaltem Beton, die derzeit überall in der City zu sehen sind, konnte sich ohne Weiteres dazustellen und hören, was eine Galeristin mit 50-jähriger Erfahrung zu sagen hat.

„Gelebtes Leben ist die menschlichste Form der Schönheit.“ Mit diesem prägnanten Zitat der Künstlerin Christel Lechner, die zusammen mit ihrer Tochter Laura der kreative Kopf hinter dieser Kunst im öffentlichen Raum ist, begann Ute Halbach ihre kurze Ansprache. Gemeinsam mit Axel und Karin Lohöfener sowie unter tatkräftiger Mithilfe der Stadtverwaltung holte die Inhaberin der Galerie Halbach die „Alltagsmenschen“ für mehrere Monate nach Celle. Bis Ende Oktober werden 41 Figuren in der Altstadt, im Französischen Garten, im Stadtpark, vor dem Schloss und am Neumarkt/Ecke Nordwall zu betrachten sein. Ebenfalls selten, dass das, was zur Umschreibung der künstlerischen Sujets dient, zeitgleich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Eröffnungsevent stattfindet. „Diese Figuren zaubern ein Lächeln auf die Lippen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge in seiner Rede. Wer sich einmal umwendet, kann beobachten, wie Touristen und Celler Bürger stehen bleiben vor einem „Alltagsmensch“, ihn betrachten, ihr Handy zücken, lächelnd auf den Auslöser drücken, mit anderen ins Gespräch kommen und sich austauschen über diese liebenswerten Menschen jenseits von Idealmaßen. Sie haben so gar nichts Abgehobenes, kommen in Adiletten zu weißem ärmellosen Unterhemd und legerer Sporthose daher. „Die Figuren zeichnet eine bemerkenswerte Lebendigkeit aus, sie verbinden das Grobe mit dem Feinen, Leichtigkeit und Schwere“, erläutert Ute Halbach. Die Künstlerin Christel Lechner ist Bildhauerin, Keramikerin und Intallationskünstlerin, persönlich anwesend war sie am Dienstagmittag nicht.

Ute Halbach hat sich mit dem Projekt einen lange gehegten Wunsch erfüllt, bereits im Jahr 2012 wurde sie in ihrer Heimatstadt Hamm auf Christel Lechners Kunst aufmerksam. Der damalige Celler Oberbürgermeister konnte sich jedoch nicht dafür erwärmen. Sein Nachfolger im Amt, Dr. Jörg Nigge, zeigte sich offener, zumal die Exponate aus einer Spezialbetonmischung nun von zwei Seiten an ihn herangetragen wurden. Axel und Karin Lohöfener von der BürgerStiftung waren im Urlaub ebenfalls auf sie gestoßen. Keinesfalls sollten jedoch Gelder der karitativen Einrichtung verwendet werden. Problemlos fanden sich Sponsoren, zu Dreiviertel finanzierten die Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg und der Lüneburgische Landschaftsverband. Die übrigen Kosten trugen Celler Firmen und Geschäfte, Vereine und Verbände.

Die Investition könnte sich auszahlen. Axel Lohöfener berichtet von Erfahrungen aus anderen Städten, wo mehr als 100.000 Euro an zusätzlicher Kaufkraft verzeichnet wurde. Wer diese „Alltagsmenschen“ und ihre Wirkung auf Vorübergehende einmal beobachtet hat, wundert sich nicht darüber. Sie ziehen magisch an und erfüllen voll und ganz die Aussage, mit der die Galeristin Ute Halbach ihre Ansprache schließt: „Kunst im öffentlichen Raum ist Kunst für alle! Was kann es Schöneres geben!“