CELLE. Sie sind fünf  alte Freunde. Sie leben als Ruheständler an der Schlei in Schleswig-Holstein, am Thunersee in der Schweiz, in Südhannover und in der Südheide. Zwei wohnen seit Jahren in Hannover. Jetzt wollen sie nach Celle kommen, um ihr „Goldenes Ordinationsjubiläum“ zu feiern.

Im Herbst 1961 hatten sie einst nach beruflichen Bewährungen auf weltlichen Arbeitsfeldern als sogenannte „Spätberufene“ gemeinsam mit einem theologischen Grundkurs im damaligen Pfarrvikarseminar Hermannsburg begonnen. Zwei Jahre später – nach bestandener Zwischenprüfung – wechselten sie nach Celle-Klein Hehlen in das Institut, das als TAK (Theologische Akademie Celle) später manchmal in die Schlagzeilen geriet. Dort fanden sie hervorragende Voraussetzungen für ein umfassendes Theologiestudium: akademische Lehrer, Göttinger Gastprofessoren und eine reich ausgestattete Bibliothek. Im Herbst 1968 bestanden von einst 18 Studienanfängern nun zwölf Freunde ihr zweites theologisches Examen und erfüllten damit die Voraussetzungen für den pfarramtlichen Dienst. In unterschiedlichen Gemeinden und Kirchenkreisen im Bereich der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers waren sie danach als Pastoren tätig. Vorher wurden sie für das geistliche Amt ordiniert. Inzwischen sind sie alle pensioniert. Sie haben sich aber nicht aus den Augen verloren: Alle zwei Jahre hielten sie eine Einkehrtagung im Ludwig-Harms-Haus Hermannsburg. Dort beschäftigten sie sich mit aktuellen theologischen Themen und hätten mit besonderem Interesse den Wandel in dem alten „Missionsdorf“ Hermannsburg verfolgt.

Jetzt kamen sie zurück zu den Wurzeln: Zum Auftakt hatte einer von ihnen, Friedhelm Klein aus Celle, eine Tonband-Dokumentation des Deutschlandfunks vom 13. Juni 1968 mitgebracht. Sie weckte alte Erinnerungen: Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg, der Bruder eines Celler Mitstudenten, in Berlin erschossen. Die Zeitzeugen von damals – am 1. April 1968 war Martin Luther King in den USA erschossen und am 11. April 1968 ein Attentat auf Rudi Dutschke in Berlin verübt worden – hätten die jungen Pastoren in ihren Gemeinden sehr beschäftigt. Besonders die Gespräche mit Junglehrern damals seien wieder gegenwärtig geworden.

In der jetzigen Runde war als Ehrengast und ältester Gesprächspartner der inzwischen 89jährige Günther Eisenhauer aus Hannover dabei. Als ehemaliger Studiendirektor der TAK in Klein Hehlen habe er aus seiner Sicht differenzierte Anmerkungen zu den damaligen Studentenunruhen machen können. Ein weiterer Schwerpunkt des Ehemaligentreffens war der Besuch der Celler Schlosskapelle. Dieses Kleinod norddeutscher Renaissancekunst wurde den „alten Herren“ vom Kulturbeauftragten des Kirchenkreises Celle, Michael Stier, vorgestellt: zunächst für 30 Minuten hinter dem bekannten Schutzglas und danach im Residenzmuseum Celle mit einer hervorragenden Präsentation in Bild und Ton. Die Schlosskapelle interessiere die pensionierten Pastoren deshalb besonders, weil sie von 1963 bis 1968 regelmäßig Besucher der Wochenschlussandachten waren, in denen ihre Dozenten predigten. Höhepunkt des Treffens aber sei der festliche Gottesdienst in der Celler Stadtkirche St. Marien gewesen. Der Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Arend de Vries, hielt die Festpredigt und stellte dabei heraus, dass nach lutherischem Verständnis das „Priestertum aller Getauften“ als unverrückbar gilt: Alle Getauften hätten ihren Glauben zu bezeugen. Die Ordinierten würden mit der öffentlichen Verkündigung der frohen Botschaft von der Freundlichkeit Gottes beauftragt: „Gott loben, das ist unser Amt“.



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