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Turnier für historischen Fahrsport in der Herzostadt

Arabisch geprägte Reitponys vor Landauer Schiffchen waren Publikumsliebling

28.08.2017 - 16:22 Uhr     CelleHEUTE    0
Fotos: Marianne Schwöbel

CELLE. Am vergangenen Wochenende wurde das Zeitalter der Pferdefuhrwerke mit traumhaften Euipagen in der malerischen Heidestadt Celle wiederbelebt, als zum siebten Mal der „ Concours International d’Attelage de Tradition“(CIAT), ein Fahrturnier für historische Anspannungen, im niedersächsischen Landgestüt stattfand.
Dr. Günzel, Graf von der Schulenburg, das niedersächsische Landgestüt und die Reit-u. Voltigiergemeinschaft Westercelle zeichneten als Veranstalter verantwortlich.

Begeisterte Fahrer haben sich in der internationalen Gesellschaft für traditionelle Anspannungen( AIAT) zusammengefunden und sich zum Ziel gesetzt, das Kulturerbe der historischen Anspannungen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Als einer der Richter war Baron Christian de Langlade, der Präsident der AIAT anwesend, der mit Stolz feststellen konnte, dass diese Form des Fahrsports in der Zwischenzeit als Weltkulturerbe anerkannt wurde.

Obersattelmeister Ulrich Müller und sein Team sorgten auch in diesem Jahr für 38 Gespanne mit gut 80 Pferden. Mit viel Herzlichkeit und Engagement gelang es den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern entspannt und fröhlich den Fahrern aus vier Nationen alle Wünsche zu erfüllen. So fühlten diese sich gut aufgehoben, ja fast schon, wie in einer großen Familie. Zum stimmungsvollen Abend der Nationen brachte jeder eine kulinarische Köstlickeit seiner Region mit, die mit Interesse gewürdigt wurde.

Bei strahlendem Sonnenschein boten die sehenswerte Altstadt Celles und das prächtige Celler Schloss am Samstag im ersten Teil des Wettbewerbs eine eindrucksvolle Kulisse, zu der sich zahlreiche Zuschauer eingefunden hatten. Hier kommentierte Landstallmeister Dr. Axel Brockmann, unterstützt von Hans Heinrich Hansmeier, Wagen und Pferde bei der Gespannkontrolle, bei der die Richter Wagen, Pferde, Geschirre und Kleidung beurteilten und dafür Punkte vergaben.

Im 5-Minutentakt fuhren die Wagen vor dem Schloss vor- ob Phaeton, Tandem Cart, Jagdwagen, Mail Coach, Spider, oder ein imposanter Gig – die Zuschauer mochten sich gar nicht satt sehen an all dieser Pracht. Stilvoll gekleidete Fahrer mit ihren eleganten Begleitungen zogen die Blicke auf sich. Zudem konnte man Einblicke in die hippologische Vielfalt gewinnen — vom Deutschen Reitpony über den Hannoveraner war mit Friesen, Schlesiern, Altoldenburgern, schweren Warmblütern, holländischen Tuigparden, Haflingern, Huzulen, einem Schleswiger Fuchs und eleganten Lipizzanern eine große Bandbreite zu bestaunen.

Anschließend wurden die Gespanne im Landgestüt ein weiteres Mal benotet und von Hauptsattelmeister Fred Müller kommentiert. Publikumsliebling bei der Präsentation am Samstag war der 85-jährige Harry Melzer aus Wennigsen am Deister. Seine wunderschönen, arabisch geprägten Reitponyschimmel hatte er in diesem Jahr vor ein Landauer Schiffchen von 1906 gespannt und zur Begeisterung der Zuschauer hatte er wieder seinen Freund Roger Meads, einen auf Blechblasinstrumente spezialisierten englischen Musiker dabei, der mit Jagd- und Flügelhorntönen für Stimmung sorgte. Abends traf man sich im Reithaus des Landgestüts zu einem festlichen Abendessen, zu dem als Ehrengast auch Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge anwesend war.

Am nächsten Morgen ging es früh auf die Geländestrecke, bei der der wunderschöne französische Garten Anlaufpunkt für viele Fahrsportinteressierte war. Auf der Strecke galt es, diverse, den historischen Gespannen angepasste Gehorsamsübungen zu absolvieren. Am Sonntagnachmittag wurde das Grün des Paradeplatzes im Landgestüt ein weiteres Mal Treffpunkt des Geschehens, denn nun mussten die Gespanne im Kegelfahren gegeneinander antreten.

Die Abteilung der Zweispänner entschied Tanja Böhlmann mit ihrem eleganten Lipizzanergespann für sich. Die sympathische Schwäbin, die heute in Otter bei Buchholz in der Nordheide beheimatet ist, berichtete, dass sie Fahrprobleme über das Reiten korrigiert. Durchlässigkeit und Losgelassenheit demonstrierten die beiden aus Silvaszvarad in Ungarn stammende Wallache Igor und Ötzchi ( was so viel wie „ Kleiner Freund“ bedeutet) auf das Feinste. Durchaus wach und voller Temperament gaben sie stets ein harmonisches Bild ab. Der bei Neuss in Berlin um 1900 gebaute Phaeton rundete dieses positive Bild ab. Auf Platz zwei kam Matthias Pfeifer mit seinen Sachsen-Anhaltiner Warmblütern hannoverscher Abstammung mit einem Dog Cart.

Schwere Warmblüter fährt der drittplatzierte Dietrich Riebesell aus Salzhausen vor einem Stanhope Phaeton.
Aus dem Oldenburger Land stammt Günter Stolle, der bei den Pferdeeinspännern siegte. Ihm folgten Andrzej Szewczyk mit dem Gespann des Grafen Schulenburg, und Rolf Bette auf den Plätzen zwei und drei. Die Belgierin Consuela de Grunne entschied die Ponyabteilung für sich.Vor ihrem Siamesen Phaeton von 1890 hatte sie ein Reitpony belgischer Abstammung und eine Freiberger Stute gespannt.Eva Maria Dimmling stellte auf Platz zwei eine besondere Pferderasse vor — Huzulen, die sich durch nichts erschüttern ließen. Platz drei belegte Gerhard Schickert mit einem eleganten Haflingergespann.

Sieben Vierspänner, einer schöner als der andere, konnte man an den zwei Tagen bestaunen. Bernd Schnur stellte seine Schimmel und Braunen vor einer Break de Chasse, gebaut zwischen 1880 -1890 sehr gekonnt vor. Platz 1 war der Lohn. Ihm folgte der Däne Thomas Barslund mit einer Park Drag von 1884, vor der sich seine Friesen prächtig in Szene setzen konnten. Platz drei ging an einen weiteren Dänen. Henri Hage, schon viele Jahre in Celle dabei, bestach einmal mehr durch die schlichte Eleganz seines Gentleman Phaeton von 1907.
Der Gesamtsieg mit der besten Endpunktzahl ging in diesem Jahr zusätzlich an den Sieger der Sonderklasse: Jacek Janton aus Polen stellte seine Pferde vor einer Charrette von 1900 im Tandem vor. Diese Anspannung setzt sehr viel fahrerisches Können voraus, werden doch zwei Pferde nicht nebeneinander, sondern voreinander gefahren.

Während der Siegerehrung bedankte sich Graf von der Schulenburg im Namen des AIAT Deutschland für die „umwerfende Gastfreundschaft und Unterstützung des Landgestüts“ und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Traditionsturnier noch viele Jahre im Landgestüt Celle seine Heimat finden möge. Als dann bei der abschließenden Ehrenrunde alle Gespanne noch einmal den Paradeplatz auf der Aschenbahn umrundeten, da war klar, nach drei Tagen Fahrvergnügen bei großem Zuschauerinteresse – das CIAT ist in Celle angekommen!

Text: Marianne Schwöbel

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