*Aktualisiert* Atomendlager Lutterloh für Celler Grüne "nicht hinnehmbar"

Politik Von Redaktion | am Mo., 07.09.2020 - 16:19

LUTTERLOH/HANNOVER. Ende September will die Bundesgesellschaft für Endlagerung eine Deutschland-Karte mit vermutlich mehr als 50 möglichen Standorten vorlegen, darunter nach unbestätigten Medienberichten auch Lutterloh. Dieser Standort sei für die Celler Grünen nicht hinnehmbar. „Bereits vor 40 Jahren war Lutterloh nicht erste Wahl und erwies sich als ungeeignet“, heißt es in einer Stellungnahme der beiden Kreisvorsitzenden Marlies Petersen und Bernd Zobel.

„Die Grünen sind damals gegen die Atomkraft angetreten, weil u.a. auch die Endlagerung nicht geregelt war. Um Schaden von uns allen abzuwenden, ist eine sichere Endlagerung sicher notwendig. Bisher ist aber Niedersachsen zum 'Atomklo' der Nation geworden. Salzstöcke haben sich als nicht sicher erwiesen. Das zeigen die Beispiele Asse und Gorleben“, so Petersen und Zobel.

Christian Brandes, grünes Kreisvorstandsmitglied, betonte, dass die Grünen zwar die Standortsuche aus Verantwortung mit initiiert hätten, hob aber hervor: "Falls Lutterloh wieder auf der weißen Karte der Endlagersuche steht, ist das ein Zeichen dafür, dass im Süden der Republik wieder geblockt wird.“ Die Grünen sind überzeugt, dass sich wie bereits vor 40 Jahren ein großer Protest in der Südheide entwickeln werde: "An dieser Seite werden wir wie seit den 70er Jahren stehen", so Petersen.

Über die infrage kommenden Standorte soll allerdings erst am 28.9 entschieden werden. Als erste Schritte nach Bekanntgabe fordern die Grünen Transparenz und eine "partizipative Gestaltung". So müssten zunächst alle für die Standortwahl herangezogenen Geodaten veröffentlicht werden. Auch müsse für die Öffentlichkeitsbeteiligung genug Zeit eingeräumt werden. „Leider hat die Große Koalition in dem im Juni 2020 verabschiedeten Geologiedatengesetz die Daten privater Firmen der Öffentlichkeit für 30 Jahre entzogen“, so Petersen abschließend. 

Für Anfang Oktober kündigen die Grünen auf ihrer angesetzten Mitgliederversammlung gegebenenfalls weitere Schritte an. 

Auch die Bürgerinitiative Südheide hat gegenüber CELLEHEUTE zum aktuellen Stand ein Statement abgegeben:

"Probebohrungen für ein mögliches Endlager in Lutterloh führten 1976 zur Gründung der Bürgerinitiative Südheide. Seither wehrt sie sich gegen die Nutzung atomenergetischer Anlagen. Die Endlagerfrage für hochradioaktiven Müll aus dem Betrieb von Atomkraftwerken ist seit Beginn ungeklärt. Dennoch werden in Deutschland Atomkraftwerke in grob fahrlässiger Weise seit Generationen bis voraussichtlich 2022 betrieben. Die Lösung des Entsorgungsproblems wurde immer wieder verschoben. Ein faires, wissenschaftliches und transparentes Verfahren wäre unerlässlich bei der Wahl eines Standortes und ist noch nicht gegeben. 

Für die Lagerung hochradioaktiver Stoffe über Hunderttausende von Jahren scheinen Salzstöcke ungeeignet zu sein. Dies zeigen die Erfahrungen im Bergwerk Asse sowie die Bohrungen in Gorleben, wo Laugennester entdeckt wurden und ein Deckgebirge fehlt. So ist zu erwarten, dass über geologische Zeiträume hinaus Wasser eindringen kann und das Salz mit seiner radioaktiven Fracht zu fließen beginnt. Somit würde sie wieder in die Biosphäre gelangen. Daher erscheint uns auch der Salzstock Lutterloh ungeeignet."