HANNOVER. Auch Legehennenbetriebe in Niedersachsen sind von der illegalen Mixtur des Milbenbekämpfungsmittels „Dega16“ mit dem Insektizid Fipronil betroffen: Ein Betrieb in der Grafschaft Bentheim hatte nach Kenntnis der Vorgänge in Belgien und den Niederlanden sich bei Behörden gemeldet. Daraufhin wurde eine Untersuchung von Eiern veranlasst. Der Befund ist positiv. Die Printnummer der Eier lautet 1-DE-0357731 und ist auch auf dem Portal www.lebensmittelwarnung.de veröffentlicht. Das niedersächsische Agrarministerium empfiehlt – wie zuvor bei anderen belasteten Eiern aus den Niederlanden – die Rückgabe der Eier und rät vom Verzehr ab.

„Das Verhalten des Legehennenhalters ist vorbildlich“, sagte Verbraucherschutzminister Christian Meyer. „Die Landwirte und die Verbraucher sind die Leidtragenden dieses Eier-Skandals. Nach aktueller Erkenntnis befinden sich die Verursacher dieser verantwortungslosen Panscherei in Belgien oder den Niederlanden“, so der Minister weiter. „Wer auch immer bewusst oder fahrlässig Mittel zur Schädlingsbekämpfung bei der Lebensmittelherstellung von Eiern und Fleisch verwendet hat, muss unnachgiebig zur Rechenschaft gezogen werden. Mit den belasteten Eiern wird eine Gesundheitsgefährdung insbesondere von Kindern billigend in Kauf genommen.“

Meyer kritisierte überdies das Bundeslandwirtschaftsministeri um und dazugehörige Behörden „wegen irreführender Behauptungen zu Gesundheitsgefahren“. Die Argumentation, für Kinder gehe – bei einem Durchschnittskonsum in Deutschland – selbst bei den in Belgien festgestellten Höchstwerten von mit Fipronil belasteten Eiern keine Gesundheitsgefahr aus, „verharmlost das Problem“. Wenn etwa ein Kind in Niedersachsen mehr Eier esse als die durchschnittlich in Deutschland verzehrten 0,6 Eier pro Tag, „dann ist die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten“. Daher bleibt es dabei: „Bei diesem toxischen Stoff gilt die Nulltoleranz. Er hat in Lebensmitteln nichts zu suchen.“

Derzeit sind – wie das niedersächsische Agrarministerium bereits am Montag dieser Woche gemeldet hat – etwa 1, 3 Millionen potenziell mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier von den Niederlanden über eine Packstelle in Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen gelangt, bereits im Handel und verkauft. Die entsprechenden Chargen der Eier tragen die Stempelaufdrucke 1-NL 4128604 oder  1-NL 4286001. Des Weiteren wurde das Ministerium von einem großen Vermarkter im Landkreis Vechta über weitere im Handel in Deutschland befindliche belastete Eier informiert. Der Vermarkter hatte auf Eigeninitiative Eier testen lassen, die aus den Niederlanden stammten. Das Ergebnis: Es wurden in acht von neun Fällen mit Fipronil belastete Eier entdeckt.

Daher werden auch diese zurückgerufen. Sie tragen folgende Stempelnummern: 0-NL-4310001, 1-NL-4167902, 1-NL-4385701, 1-NL-4339301, 1-NL-4339912, 2-NL-4385702, 1-NL-4331901, 2-NL-4332601, 2-NL-4332602, 1-NL-4359801. Agrarminister Meyer sagte, „dass für Niedersachsen von Anfang an klar war, dass wir die Verbraucherinnen und Verbraucher transparent über möglicherweise belastete Eier informieren“. Neben den Warnungen aus den Niederlanden, seien daher Erkenntnisse auf dem Portal www.lebensmittelwarnung.de abzurufen. Eine Übersicht über alle Stempelnummern belasteter niederländischer Eier ist zu finden unter: https://www.nvwa.nl/ onderwerpen/biociden/fipronil- in-eieren/lijst-met-eicodes- waarvan-de-nvwa-adviseert-ze- niet-te-eten.

Zudem gibt es nach aktuellem Stand in Niedersachsen neben dem bereits per Selbstanzeige festgestellten Betrieb in der Grafschaft Bentheim weitere vier Betriebe, in denen das mit Fipronil gemixte Mittel „Dega16“ eventuell benutzt wurde. Meyer: „Die Bauern haben mit dem niederländischen Dienstleister im Vertrauen darauf zusammengearbeitet, dass alles korrekt und dem Gesetz entsprechend geschieht. Sie sind nach derzeitigem Kenntnisstand völlig unverschuldet in diese Lage geraten.“ Alle fünf Betriebe sind gesperrt worden. Weitere Untersuchungen finden statt.

Eigentlich ist das auf Basis ätherischer Öle hergestellte Dega16 ein zugelassenes Naturprodukt zur Bekämpfung von Läusen und Milben. Verboten ist jedoch die Vermischung mit Fipronil zur Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren. Dieses Insektizid wird in der Veterinärmedizin zur Bekämpfung etwa von Flöhen und Zecken bei Hunden und Katzen verwendet. Es ist jedoch als Arzneimittel für die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren verboten. Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen Haut und Augen reizen sowie zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. In der Langzeitwirkung besteht der Verdacht auf Schädigung von Organen.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer machte deutlich, dass auch von verarbeiteten Eiern grundsätzlich eine gesundheitliche Gefahr ausgehe, da sie die tägliche Aufnahmedosis des Insektengiftes im Körper erhöhen können. Hersteller dürfen daher keine belasteten Eiprodukte herstellen oder in Verkehr bringen. „Auch hier gilt die Nulltoleranz“, sagte Meyer. „Mangels Kennzeichnungspflicht bei verarbeiteten Eiern, die das niedersächsische Agrarministerium ja seit Langem vom Bund fordert, ist jedoch die Herkunft der Eier nicht ersichtlich“, kritisierte er. Deshalb bestehe „leider keine Möglichkeit für den Verbraucher“, entsprechende Eier aus den belasteten Chargen in Eiprodukten zu identifizieren.

Niedersachsens Agrarminister hat bereits den Bund aufgefordert, Stoff Fipronil in den nationalen Rückstandskontrollplan des Bundes aufzunehmen, damit dieser routinemäßig untersucht wird. Niedersachsens Verbraucherschutzministerium hat schon am vergangenen Wochenende umfangreiche zusätzliche Untersuchungen von Eiern und Legehennenbetrieben auf Fipronil veranlasst. In diesem Zusammenhang lobte Meyer die gute Zusammenarbeit mit Kommunen, Handel und Eiererzeugern in Niedersachsen. „Verbraucherschutz hat in Niedersachsen höchste Priorität. Das ist bei allen Beteiligten angekommen“, so der Minister.

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