HANNOVER. Die Sommerboten befinden sich aktuell auf ihrem Weg in den Süden in ihr afrikanisches Winterquartier. Von dort kehren sie im April und Mai nach Deutschland zurück. Doch die von vielen Menschen gern gesehenen Sommergäste werden laut NABU hierzulande immer weniger. „Grund hierfür ist ein Mangel ihrer Nahrungsgrundlage, den Fluginsekten. Außerdem fehlen zunehmend geeignete Nistplätze an Häusern“, so der NABU Niedersachsen. Hausbesitzer, die Schwalben an ihren Gebäuden dulden und dadurch das Brutgeschehen der kleinen Sommerboten unterstützen, werden vom NABU mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Mittlerweile wurden über 4.000 Plaketten in Niedersachsen verliehen. „Allein in diesem Jahr haben wir bislang 275 Plaketten an schwalbenfreundliche Häuser vergeben“, freut sich Philip Foth vom NABU Niedersachsen. „Diese Tradition wollen wir gerne im nächsten Jahr fortsetzen, wenn ab April die Schwalben wieder zu ihren Brutgebieten hier im Norden zurückkehren.“

Nicht nur auf dem Vogelzug lauern viele Gefahren, auch in den hiesigen Brutgebieten hätten es Schwalben immer schwerer. Die Rauchschwalbe gilt in Niedersachsen als gefährdet und die Mehlschwalbe steht auf Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel Niedersachsens. Schwalben haben laut NABU gleich mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig zu kämpfen: Zum einen fehlt es ihnen an Insekten als Nahrung und an Lehmpfützen als Material zum Nestbau. „Beides ist vor allem der intensiven Landbewirtschaftung sowie der zunehmenden Versiegelung von Flächen geschuldet“, sagt Philip Foth.

Aber auch mit der oft fehlenden Toleranz gegenüber ihren Nistplätzen an Gebäuden hätten Schwalben zu kämpfen. „Vor allem Mehlschwalbennester werden oft von den Fassaden abgeschlagen, weil eine Verschmutzung oder Beschädigung der Fassade befürchtet wird“, so Foth weiter. Der NABU weist jedoch darauf hin, dass Schwalbennester ganzjährig durch das Bundenaturschutzgesetz besonders geschützt sind und auch nach Abreise der Schwalben nicht entfernt oder zerstört werden dürfen. Müssen wegen Baumaßnahmen Nester entfernt werden, muss vorab eine Genehmigung der Naturschutzbehörde vorliegen. Als Auflage wird meist Ersatz in Form von Kunstnestern gefordert.

Es gibt viele Möglichkeiten, Verschmutzungen zu vermeiden, ohne gegen das Gesetz verstoßen zu müssen, informiert der NABU. Wenn jetzt im Herbst die Glücksbringer in den Süden ziehen, können Hausbesitzer die Fassade und vorhandene Kotbretter reinigen oder neue anbringen. Auch Kunstnester können nun gezielt an solchen Stellen angebracht werden, wo die Verschmutzung von der Fassade abgelenkt werden kann, z. B. an überhängenden Dachsparren.

Die Unterstützung der Schwalben an Gebäudefassaden verdiene Anerkennung. Mit einem solchen wertvollen und wichtigen Artenschutzbeitrag werden schwalbenfreundliche Häuser ausgezeichnet. Per E-Mail oder Post kann man sich mit einem ausgefüllten Antrag für die beliebte Plakette bewerben. Diesen kann man entweder im Internet unter www.nabu-niedersachsen.de/ schwalben herunterladen oder beim NABU Niedersachen per Mail unter info@nabu-niedersachsen.de oder per Brief an Alleestraße 36, 30167 Hannover anfordern.

Ein Leitfaden zum Schwalbenschutz ‚Schwalben willkommen‘ konnte mit Unterstützung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung erstellt werden und ist kostenlos gegen vier Briefmarken zu 70 Cent für die Versandkostenpauschale erhältlich beim NABU Niedersachsen, Alleestraße 36, 30167 Hannover.Die wichtigsten Fakten zu Schwalben sowie der gesetzlichen Situation hat der NABU im Schnellüberblick unter www.nabu-niedersachsen.de/ schwalben zusammengefasst.

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