Auf dem Weg zur Normalität in DRK-Seniorenresidenz

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mo., 03.05.2021 - 20:38

HERMANNSBURG. „Die Angst kann ich ihnen nicht nehmen“, antwortet Jutta Hiestermann auf die Frage, ob nun alles wieder normal werde, nachdem die 20 Bewohner der DRK-Seniorenresidenz in Hermannsburg gegen das Corona-Virus geimpft worden sind. „Sie sehnen sich nach Normalität“, sagt die Pflegefachkraft, „aber es gibt Menschen, bei denen sitzt die Angst so tief, dass sie immer noch nicht hinausgehen.“

Die seit dem Jahr 2018 vom DRK-Kreisverband Celle getragene Einrichtung bietet die Gelegenheit des Betreuten Wohnens in 60 Appartements, die auf Wunsch vom ambulanten Pflegedienst des DRK, der seinen Standort auf dem Gelände hat, betreut werden können. Darüber hinaus gibt es den stationären Pflegebereich. „Wir haben es bis heute geschafft, keinen Fall von Corona zu haben“, berichtet die Leiterin der Residenz, Anke Brockmann. Lediglich eine Person in der Tagespflegeeinrichtung, die das dritte Element des Versorgungsangebotes bildet, war positiv ohne Symptome.

„Die Mehrzahl der Bewohner ist sehr stolz auf die Pflegekräfte“, berichtet Anke Brockmann. Sie führt wie Jutta Hiestermann die gute Bilanz nach mehr als einem Jahr mit dem Virus auf das vorbildliche Verhalten der Mitarbeiter zurück. Von Beginn an wurde ein striktes Hygienekonzept angewandt und Besucher hatten keinen Zutritt. Beides zeigte Wirkung, hatte jedoch auch seine Schattenseiten. „Die Sorge unter unseren Bewohnern, angesteckt zu werden, hat dazu geführt, dass einige von ihnen so gut wie gar nicht mehr ihre Wohnungen verlassen haben“, blickt Jutta Hiestermann zurück auf das Jahr 2020, das sie auf eine harte Probe stellte. „Es wird mir persönlich als eine der größten Herausforderungen innerhalb meines gesamten Arbeitslebens in Erinnerung bleiben. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einem an Demenz erkrankten Menschen erklären, warum dessen Angehörige von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu Besuch kommen dürfen.“ Die Auswirkungen der Pandemie sitzen noch tief bei Jutta Hiestermann. Erst langsam findet sie wie die Senioren zurück zu einem weniger herausfordernden Alltag. 

Alle stationär untergebrachten Senioren wurden von den mobilen Teams des Celler Impfzentrums immunisiert. Die Häuser sind mittlerweile wieder offen. Seit Februar dieses Jahres werden auch Antigen-Schnelltests im Interesse der Sicherheit genutzt. „Es geht nichts mehr ohne Test“, erläutert die Heimleiterin, tägliche Abstriche der Mitarbeiter sind Standard. Die aktuelle Besuchsregelung sieht vor, dass vier Leute zeitgleich im Haus sein dürfen, allerdings nicht, ohne vorher in einem extra eingerichteten Bereich außerhalb des Gebäudes beprobt worden zu sein. Auch die Senioren, die das Angebot des Betreuten Wohnens nutzen, können sich einmal in der Woche einem Schnelltest unterziehen. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, berichtet Anke Brockmann.
Vom gewohnten Leben aus Vor-Corona-Zeiten kann noch keine Rede sein, aber im Vergleich zum vergangenen Jahr sind die Impfung und das Schnelltesten Schritte auf dem Weg zur Normalität.
 

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