Log empty
Familienanzeigen Stellenmarkt

Kultur

Aufführungen des Literarischen Cafés in Kunst&Bühne

07.03.2018 - 10:10 Uhr     CELLEHEUTE    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. Freitag Abend ist es nochmals zu erleben: Das Literarische Café des KAV-Gymnasiums, bei dem diesmal die „Blaue Stunde“, das Dämmerlicht zwischen Tag und Nacht im Mittelpunkt steht. Schülerinnen und Schüler der interdisziplinären AG des KAV-Gymnasiums haben sich in Texten, Schauspiel und Musik mit diesem Thema kreativ auseinander gesetzt und präsentieren ein unterhaltsames Programm.



„Zwielicht“ lautete der Titel, den die AG-Lehrer Matthias Lennartz und Rudolf Markfort dem Literarischen Café dieses Jahres gegeben hatten. Mit diesem Begriff war Vielseitigkeit nahezu programmiert, zumindest nahegelegt worden – und tatsächlich wurde sie von den Schülern geboten.

Der Titelbedeutung folgend – etwa: Dämmerlicht, das zuvor klare Konturen, exakte Umrisse diffus werden, Grenzen verschwimmen lässt –, hatte man in diesem Jahr angekündigt, sich mit eben diesem Halbdunkel der blauen Stunde zwischen Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, Wirklichkeit und Traum beschäftigen zu wollen – um einen Balanceakt zwischen nocturnen Abgründen und hoffnungsvollem Schimmer zu präsentieren.

Tatsächlich charakterisiert diese Tatsache das Literarische Café dieses Jahres am Treffendsten: dass es innerhalb eines Koordinatensystems aus verschiedensten Genres und unterschiedlichen Epochen ein stetes Oszillieren zwischen entgegengesetzten Polen bot, zwischen Komik und Ernst, Gott und Teufel, Jekyll und Hyde, Leben und Tod, zwischen Wahrheit und Trug, Klassik und Pop, E und U.

Dass einige Schülerstimmen dabei ebenfalls willkürlich wechselhaft zwischen Polen zu schwingen schienen, war jedoch nicht dem Motto, sondern dem entwicklungsbedingten Stimmwechsel mehrerer männlicher Heranwachsender zuzurechnen – der der Sache aber an keiner Stelle Abbruch tat. Grund ist letztlich die sehr deutliche Verjüngung des AG-Ensembles, das ursprünglich ausschließlich aus Oberstufenschülern bestanden hatte. Aktuell dominieren Acht- und Neuntklässler. Desto erstaunlicher ist, dass die traditionell hohe Qualität nahezu durchgehend gehalten werden konnte.

Carmen Auhuber und Mila Bachor bildeten nicht allein dadurch, dass sie souverän moderierend durch den Abend führten, ein gutes Team, sondern zeigten, wie bereits im letzten Jahr, reichlich darstellerisches Talent. Besonders hervorzuheben sind auch die Neuzugänge und Zwillinge Anne und Nele Witte, die sich gerade angesichts ihrer Zierlichkeit mit erstaunlich profunder Stimmpräsenz hervortaten sowie mit sehr überzeugender schauspielerischer Kraft, insbesondere in ihrer Verkörperung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde in spannungsgeladener Konfrontation. Durch Vorerfahrungen aus dem letzten Jahr konnten Gereon Gerdes und Matteo Stechert als eingespieltes Team gelten, und als solches traten sie auch in diesem Jahr auf: Ihr differenzierter Vortrag des „Schlaflieds“ der Band Die Ärzte bildete ein Glanzlicht zum Ende der ersten Programmhälfte – und zeigte, dass die Macher des Literarischen Cafés zum Glück nach wie vor das Makabre nicht scheuen.

Mit bisweilen expressiver Körpersprache ließ Christoph Steindamm seine Finger flink-versiert über die Klaviertasten fliegen. Leander Knoop erntete mit seiner Rezitation von Loriots „Adventsgedicht“ zu Recht reichlich Applaus – wie auch Bennet Bode, der zum Beispiel Wilhelm Buschs „Zu guter Letzt“ geradezu professionell nuancierend vortrug. Keinen Deut geringer war der Eindruck, den Pascal Ottenbreit – auch er hatte schon im Vorjahr geglänzt – mehrfach zeitigte, ob mit Goethes „Erlkönig“ oder indem er „Roads untraveled“ von Linkin‘ Park sang. Als einen weiteren Star und Hauptgewinn muss man Neuzugang Alex Cappelluzzo ansehen: noch so jung und doch schon derart selbstbewusst und talentiert, Klavier spielend, singend, Heinz Pionteks „Stillen Mann“ einfühlsam vortragend. Hut ab!

Die Zukunft des Literarischen Cafés sei noch einigermaßen ungewiss, sagten die Lehrer Lennartz und Markfort abschließend, als sie gemeinsam mit allen Teilnehmern auf der Bühne standen. Im gemütlichen, warmen Schummerlicht von Kunst & Bühne, bei Spitzenwirt Bernd Martin werde man im Jahr 2019 nicht mehr auftreten können, da diese Institution von Kulturstätte – leider – schließen müsse. Dennoch: Angesichts der beteiligten Schüler müsse man sich keine Sorgen machen. Es werde schon gut weitergehen. Der lang anhaltende Applaus des Publikums bestätigt: Man glaubt es uneingeschränkt.

Text: Dennis Karrasch

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.