Philologenverband kritisiert "Augenwischerei" bei Stellenplanung für Schulen

Gesellschaft Von Extern | am Fr., 15.10.2021 - 18:07

HANNOVER. Der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Horst Audritz, erklärt zu den aktuellen Einlassungen des Kultusministers zur Unterrichtsversorgung:

„Die wiederholte Feststellung durch Minister Tonne, dass eine Unterrichtsversorgung von 99 Prozent eine solide, ausreichende Basis zur Beschulung unserer Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen sei, zeugt von mittlerweile institutionalisierter gefährlicher Augenwischerei und bleibt falsch. Eine nur 100prozentige Unterrichtsversorgung spielt mit dem Risiko von erheblichem Unterrichtsausfall, zumal die Pandemie mit Home- und Wechselunterricht und Abstandsgeboten die Notwendigkeit von Personalaufstockungen sehr deutlich in den Fokus gerückt hat.

Bemerkenswert ist an dieser Stelle, wie allein die Stellenplanung für das Gymnasium laut Haushaltsentwurf für die Jahre 2022/23 aussieht: Von einer Aufstockung des Personals keine Spur, im Gegenteil, die Zahl der Stellen sinkt sogar. Das spricht nicht für einen Kurswechsel in der Bildungspolitik, der den Erfordernissen und Herausforderungen der Zukunft gerecht wird. Das widerspricht zudem den Vereinbarungen der großen Koalition, eine Versorgung von deutlich über 100 Prozent zu gewährleisten. Minister Tonne ist damit gescheitert.

Wir erwarten, dass das Land erheblich mehr in das Personal der Schulen investiert und der Bedeutung des Gymnasiums gerecht wird. Deshalb fordern wir:

- eine Unterrichtsversorgung von 110 Prozent, um zusätzliche Bedarfe abfedern zu können,
- kleinere Klassen und Kurse, die erst persönliche Zuwendung bei ausreichendem Gesundheitsschutz ermöglichen,
- eine zeitnahe Anpassung der Unterrichtsverpflichtung an die anerkannten Ergebnisse der Arbeitszeituntersuchungen,
- keine neuen Aufgaben ohne Kompensation 
und Teilhabe/Anerkennung der pädagogischen Leistung durch Sicherung des Besoldungsgefüges: Beseitigung des Besoldungsrückstandes und Weihnachts- und Urlaubsgeld für alle.

Das ist dann der richtige Anreiz für Studentinnen und Studenten, den Lehrerberuf zu ergreifen und, besonders in den Mangelfächern, gegenüber dem Stellenangebot in der freien Wirtschaft konkurrenzfähig zu sein bzw. zu werden.“