FASSBERG. Anlässlich der 10 Tagung der Kuratioriums “Faßberg – Militärluftfahrt, Weltraum und Heide” skizzierte Bürgermeister Frank Bröhl den aktuellen Stand des Entwicklungsprozesses: „Das Faßberger Kuratorium hat sich als einzigartiges Format partei- und unternehmensübergreifender Standortpolitik bewährt. Wichtige Projekte wurden heute auf den Weg gebracht. Wir Faßberger sind Dienstleister für die Landesverteidigung, die Forschung, die Ausbildung in Flugtechnik und vielen anderen Berufen. Wir sind Dienstleister für den Tourismus, die Landwirtschaft, den Einzelhandel, das Handwerk, für soziale und kulturelle Berufe. Wir sind erste Ansprechpartner für Immobilieneigentümer, die Wohn- und Gewerbeflächen für die Gemeinschaft modernisieren und optimieren wollen. Wir haben unsere Gemeinde als lebenswerten Bundeswehrstandort, als besonderen Arbeitsplatz und attraktives Urlaubsziel schon ein Stück weit ins Gespräch gebracht und uns damit einen Platz im Wettbewerb der Gemeinden gesichert. Wir wollen aber als Ausbildungsstandort, beim Wohnen und als Ferienziel noch besser werden. Das spiegelt sich auch durch Neumitglieder und ein breiteres Themenfeld in der Jubiläumstagung des Kuratoriums wieder.

2016 hatte das Kuratorium auf das Thema Ausbildung gedrängt. „Wir sehen Ausbildungspartnerschaf-ten am Standort als Chance für einzigartige Karrieren in der Region”, berichtete der Bürgermeister. Ende 2016 saßen sie zum ersten Mal zusammen: Ausbilder der Gemeinde, von Bundeswehr, DLR (Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt), Airbus Safran Launchers, der Rheinmetall AG sowie kleinen und mittleren zivilen Unternehmen. Dazu die Leitungen von Oberschule und Christian Gymnasium Hermannsburg und der Aus- und Weiterbildung bzw. Nachwuchswerbung und Ausbildungsberatung der IHK Lüneburg-Wolfsburg und Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Es wurde über mögliche gemeinsame Angebote an die nächste Generation von Lehrlingen, Auszubildenden und Absolventen von Universitäten und Hochschulen beraten.

Am 23. Februar 2017 werden in einem zweiten Workshop sechs Auszubildende sowie acht Schülerinnen und Schüler mit acht Ausbildern und zwei Schulvertretern diskutieren. IHK und Handwerkskammer wollen das Pilotverfahren weiter unterstützen. Die Bundeswehr will sich werbend für den gesamten Ausbildungsstandort Faßberg stärker profilieren. Und auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will einen Beitrag für die Gemeinde und die Unternehmen in Faßberg sowie deren interkommunale Bildungs- und Geschäftspartner in Schulen und Unternehmen der Region leisten. Der Standortleiter für Braunschweig, Göttingen und Trauen, Prof. Dr. Joachim Block, kündigte die Mög-lichkeit von betriebsfremden Praktika in Trauen sowie die Einbeziehung dritter Nutzer in den virtuellen Internet-Ausbildungsbetrieb an: „Abhängig von den Ausbildungsschwerpunkten und -zeiten werden diese nach Absprache auch auf dem Versuchsgelände willkommen sein.”

Des Weiteren soll online und offline über die Ausbildungsmöglichkeiten und -partnerschaften in Faßberg mit Ansprechpartnern, über Schnupper- und längere Betriebspraktika informiert werden. Vorgesehen sind realitätsnahe Betriebsbesichtigungen und Vorträge von Ausbildern im Unterrichtsfach Berufsorientierung der Schulen.

Über die Entwicklung der Schwagenscheidt-Siedlung informierte Marc Sesterhenn, Geschäftsführer der Portfolio Faßberg I GmbH, eine der Tochterfirmen der Schweizer Peach Property Group. Er ist als neuer Eigentümervertreter der Schwagenscheidt-Siedlung Mitglied im Kuratorium. Die Gruppe hatte die 287 Wohnungen der ensemblegeschützten Siedlung aus den 1960er Jahren Mitte 2016 erworben. Zu der Zeit betrug der Leerstand 50 Prozent, manche Gebäude waren ungenutzt. Inzwischen gibt es eine Musterwohnung, es wurden 19 Wohnungen saniert, vier Heizungsanlagen erneuert, erste Eingänge und Fenster modernisiert sowie die Außenanlagen „Im Kreise” verschönert und ein Spielplatz gebaut. 22 Neumietverträge wurden abgeschlossen.

2017 soll die Sanierung „Im Winkel”, inklusive aller Außenanlagen, beginnen. „Die weiteren Wohnungen werden wir nach den Mieterwünschen schrittweise sanieren”, so Sesterhenn, „Soldaten wollen moderne Einbauküchen. Für Wohngemeinschaften haben wir flexible Mietmodelle. Senioren suchen barrierearme Wohnungen. Einen ganzen Block können wir seniorengerecht gestalten”, wenn die Nachfrage bestehe. Gesucht werde der Dialog auch mit den Bestandsmietern. Man sei dankbar für alle Anregungen zu Wohnanforderungen von Bundeswehrangehörigen, Lehrgangsteilnehmern, Azubis, Wissenschaftlern, Singles oder Familien. Diskutiert wurde auch darüber, wie der kulturhistorische Wert der Siedlung mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden könne.

Eine Straße oder ein Platz sollte nach Walter Schwagenscheidt (1886 – 1968) benannt werden, lautete eine der Ideen. Eine kleine Schwagenscheidt-Ausstellung könnte im EDEKA-Markt und später in einer modernisierten Gästewohnung im bauzeitlichen Stil informieren. So soll „die Siedlung mit ihrem verschütteten, offenen und demokratischen Wohnkonzept in der Gartenstadttradition den ihr gebührenden Platz als Merkpunkt in Faßbergs Mitte wieder einnehmen”, sagte Sesterhenn.

Aus den Niederlanden wurde Klaas-Jan Nekeman als Neumitglied im Kuratorium begrüßt. Der General Manager der Ferienpark Heidesee GmbH erläuterte das Projekt mit einem Investitionsumfang im mittleren zweistelligen Millionenbereich. 382 neue Ferienwohnungen sollen in Faßberg-Oberohe ent-stehen. Das Planungsverfahren wurde im Januar 2017 durch die Gemeinde Faßberg abgeschlossen. „Vorerst bleiben die Campingplätze für Touristik und Wohnmobile erhalten. Ein Stellplatz für Wohn-mobile wird noch eingerichtet. Hinzu kommen schrittweise die neuen Ferienwohnungen in orts- und regionaltypischer Bauweise, davon 100 bis 150 im ersten Bauabschnitt mit Ko-Investoren aus dem In- und Ausland. Wir stellen den institutionellen Partnern eine Rendite von 3,5 bis 5,5 Prozent pro Jahr in Aussicht. Die Vermietung an Urlauber geschieht durch uns, gemeinsam mit einem der größten spezia-lisierten Reiseveranstalter für Ferienwohnungen in Europa. Vor Ort sollen 25 neue Arbeitsplätze ent-stehen”, so Nekeman.

Erste Erträge sollen in die Neugestaltung des Hauptgebäudes und den Bau eines Hallenbades für den Ganzjahresbetrieb fließen. Auch für private Anleger, die ihre Ferienhäuser 20 bis 30 Tage pro Jahr selbst nutzen, übernimmt der Projektsteuerer die Vermietung an Feriengäste. Schließlich sei es auch möglich, ein Haus als Zweitwohnsitz zu erwerben. Die Ferienhäuser  mit Wohnflächen von 135  bis ca. 380 Quadratmetern für verschieden große Geldbeutel, für kinderreiche Familien bis zur Luxus- und Wellness-Ausstattung, kosten zwischen 160.000 Euro und 350.000 Euro.

„Lila Projektauftakt” soll die Heideblüte im Herbst 2017 sein. „Bauanträge, zeitgemäße Energiekonzepte und spezielle Wochenendangebote für Bundeswehrangehörige und deren Familien sind in Vorbereitung”, ergänzte Rob van de Steege, einer der Eigentümer. “Die Entwicklung des Ferienparks soll weitere wirtschaftliche Effekte auslösen, den Stolz der Bewohnerinnen und Bewohner von Faßberg auf ihre Heimat und die gute Reputation der Urlaubsregion stärken”, so die Investoren.

Bürgermeister Frank Bröhl freut sich auf die weitere Kuratoriumsarbeit: „Faßberg wurde wiederent-deckt und nimmt zunehmend neue Gestalt an! Wenn große Unternehmen auf Luftfahrtmessen, Inves-toren aus der Schweiz und den Niederlanden sich für uns interessieren, dann ist Faßberg attraktiv. Es ist im Aufschwung für eine sehr differenzierte gute Entwicklung. Das Ausbildungsthema ist dabei entscheidend, es wirkt in viele Bereiche des Daseins von Faßberg hinein. Wir werden ihm hohe Priorität beimessen.”

Hintergrund: Am 25. August 2011 hatten der Bürgermeister, die Kommandeure des Fliegerhorsts, die Standortleiter von DLR und Airbus, die Spitzen touristischer u. a. Wirtschaftsunternehmen sowie zahlreiche weitere Netzwerkpartner die Erklärung „Faßberg – Militärluftfahrt, Weltraum und Heide” unterzeichnet und ihre Zusammenarbeit in der Standortpolitik und im Standortmarketing für Faßberg gestartet. Zweimal im Jahr werden seitdem mögliche „Win-Win”-Situationen besprochen, vorangetrieben und realisiert. Externe Partner, Honoratioren und Schirmherren unterstützen die Strategie. Seit 2011 gibt es moderierte touristische „Blicke hinter die Kulissen” von Fliegerhorst und Forschungszentrum Trauen. 2012 wurde der Ausbau von Trauen beschlossen. 2013 präsentierte sich Faßberg auf der großen Bühne der Niedersachsen-Halle zur Grünen Woche in Berlin. 25.000 Gäste kamen zum AeroSpaceDay auf den Fliegerhorst. 2014 fand der Tag der niedersächsischen Denkmalpflege erstmalig im ländlichen Raum und mit der Bundeswehr als Partner in Faßberg statt und war Faßberg bei der ILA Berlin Air Show zu Gast. 2015 begann die Partnerschaft mit Spandau anlässlich des Luftbrückenjubiläums, gab es die Berlin-Ausstellung „Friends Always” in Faßberg. Seitdem ist die Gemeinde jährlich Aussteller auf der Berliner Reise-messe. 2016 hatte Faßberg einen exklusiven Auftritt mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister und der Niedersachsen Aviation zur ILA Berlin Air Show.

Mitglieder des Kuratoriums (in alphabetischer Reihenfolge) sind: Ernst-Ingolf Angermann/ MdL (CDU), Kerstin Barsch (Gemeinde Faßberg), Elmar Best (Lüneburger Heide GmbH), Frank Bielfeldt (Gemeinde Faßberg), Prof. Dr.-Ing. Joachim Block (DLR), Frank Bröhl (Bürgermeister der Gemeinde Faßberg), Wilfried Eilmes (Gemeinde Faßberg), Stephan Fähndrich (Gemeinde Faßberg), Dr. Gernot Fischer (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege), Tobias Hannemann (IHK), Oberst Georg A. v. Harling (Bundeswehr), Jana Heins (Gemeinde Faßberg), Oberstabsfeldwebel Paul Hicks (Bundeswehr), Winfried Hoff (Ge-meinde Faßberg), Karl-Michael Hoffmann (Verkehrsverein Müden e. V.), Oberstleutnant Ralf Kaumanns, Torsten Ladwig (GewerbePartner Faßberg e.V.), Dr. Thomas Langer (Airbus Safran Launchers), Oliver Ludwig (Airbus Safran Launchers), Kirsten Lühmann/ MdB (SPD), Oberstleutnant Bernd Müller-Keil (Bundeswehr), Volker Nickel (Gemeinde Faßberg), Klaas Jan Nek-eman (Ferienpark Heidesee GmbH), Henning Otte/ MdB (CDU), Andreas Poyda (Peach Property Group), Oberst Christian Rüther (Bundeswehr), Maximilian Schmidt/ MdL (SPD), Marc Sesterhenn (Peach Property Group), Rob van de Steege (Ferien-park Heidesee GmbH), Jürgen Veth (DLR), Ulrich von dem Bruch (Lüneburger Heide GmbH); Kuratoriums-Moderator: Dr. Ott-fried Franke (urbanPR GmbH, Berlin)

 

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