Log empty
Familienanzeigen Stellenmarkt

Kunst - Ausstellung - Kurt Brüsehoff - Deutsche Bank

Bilder von Kurt Brüsehoff in der Deutschen Bank

08.02.2019 - 16:16 Uhr     CELLEHEUTE    0
Fotos: Peter Müller


CELLE. „Kunstwerke, die der Betrachtung und dem Gedanken ohne Rest aufgehen, sind keine”, sagte Theodor W. Adorno. René Magritte formulierte es so: “Für mich sind oft solche Bilder am interessantesten, die sich jeder Erklärung widersetzen, aber trotzdem nicht gleichgültig lassen”. In diesem Sinne will auch der Fallingsbosteler Künstler Kurt Brüsehoff seine Werke, von denen eine Auswahl seit gestern in der Deutschen Bank in Celle zu sehen ist, verstanden bzw. betrachtet wissen: „Ein Großteil meiner Bilder ist ohne Titel. Ich glaube, es ist manchmal eine Bevormundung des Betrachters, dass man das sehen soll was angeblich der Maler eines Bildes gemeint hat. Doch der weiß es oft selber nicht.“



Gefragt nach der Bedeutung eines seiner Bilder habe der wortkarge Gerhard Richter einmal gesagt: ”Das ist mir auch ein Rätsel”. „Es kann etwas anstrengend sein, wenn man auch noch den Titel eines Bildes selber erfinden soll – besonders bei abstrakten Bildern. Die heutige Medienwelt liefert uns alles frei Haus und vorgekaut – wir brauchen es nur noch schlucken. Ein von mir geschaffenes Bild erklärt sich mir manchmal auch erst später oder von Zeit zu Zeit wieder ganz neu. Solange ein Bild in meinem Besitz ist, kann es sein, dass ich nicht nur den Titel ändere sondern auch das Bild selbst. Ein Freund sagte einmal, dass ich der größte Feind meiner Bilder sei“, beschreibt Brüsehoff das Verhältnis zu seinen Werken. Und weiter:

„Eine Entscheidung kann auch eine Scheidung bedeuten. Es sind manchmal sehr harte Momente. Viele Bilder kann man erst begreifen, wenn man sie in einen Kontext stellt. Dieser kann historische, gefühlte oder erlebte Bezüge haben. Oder auch einfach nur ästhetische und formale Kriterien. Für mich ist die Bezeichnung Formalismus nicht immer eine harsche Kritik. Manches spielt sich im Unterbewusstsein ab. Ausstellungsbesucher lehnen etwas kategorisch ab oder sie finden etwas gut und wissen nicht warum. Dann kann ein Interpretationsversuch beginnen.

Der Mensch neigt dazu, in einem gegenstandslosen Bild Gegenständliches zu sehen. Denken wir nur an den Blick in den Himmel – ganze Gebirgspanoramen tun sich auf. Es ist sehr schwer, sich von dieser Betrachtungsweise zu lösen. Besonders für einen Künstler, der immer gegenständlich arbeitet. Wenn man sich davon befreit hat, kann man losgelöst von allen Konventionen arbeiten. Ein exemplarisches Beispiel für Abstraktion finden wir in der japanischen Kunst, nämlich der fließende Übergang von Schrift (Zeichen mit Bedeutung), bis zur freien Kalligraphie (also Abstraktion).

Durch das Betrachten japanischer Kunst fand ich später Spuren in meinen Bildern. Am Anfang war es unbewusst. Solche Einflüsse gab es zu allen Zeiten in der Kunstgeschichte. In diesen Fall nennt man es Japonismus. Der Jugendstil und das Bauhaus wäre ohne Japan so nicht enstanden. Ein anderes Beispiel solch einer Rezeption ist die Entdeckung der schwarzafrikanischen Kunst. Sie hatte einen großen Einfluss auf den Expressionismus. Die Antike führte zur Renaissance und dann später zum Klassizismus. In unserer globalisierten Welt hat alles einen Einfluss auf alles. Die Japaner wussten, warum sie sich von ca. 1630 bis zur erzwungenen Öffnung 1853 von der übrigen Welt isolierten.

Eine ganz andere Kulturtechnik ist für mich auch wichtig – die Musik. Insbesondere die Instrumentalmusik. Sie wiedersetzt sich oft jeder Erklärung. Bei bestimmten Musikstücken sehe ich meine Bilder ganz neu. Oft höre ich Neue Musik (z.B. Ligeti, Boulez usw.) oder auch freie improvisierte Musik. Aus manchen Musikstücken können auch Bildtitel entstehen. Auch die Reisen in den Orient haben Spuren in meinen Bildern hinterlassen. Die weiten Landschaften, die wüstenhaften Hochplateaus reflektieren den Menschen in seiner wahren Größe.“

Biographische Daten:

1944 geboren.
1965 – 69 Studium an der Werkkunstschule Hannover (heute Hochschule für Kommunikation und Design).
1969 – 73 Tätigkeit als Grafikdesigner in einer Werbeagentur
Seit 1973 selbstständiger Grafikdesigner.
Diverse Studienreisen in den Orient.
1976 Bildband über die Seldschuken im Iran.
Unrealisierte Bildbände über die anatolischen Seldschuken, die frühen Osmanen und türkische Holzhäuser.
Austellungen und Austellungsbeteiligungen mit Kunstfotografien in Hannover.
Austellungen mit Malerei und Kunstfotografie in der Galerie Hohmann, Walsrode.

Die Ausstellung kann noch bis 31. Mai in der Filiale der Deutschen Bank, Kanzleistraße 9, besichtigt werden.



Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.