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Kultusminister wünscht sich „Lehren für die Gegenwart“

Ausstellung über Slowakischen Nationalaufstand in der Gedenkstätte Bergen-Belsen

17.10.2018 - 17:15 Uhr     Susanne Zaulick    0
Fotos: Susanne Zaulick

BERGEN-BELSEN. Was hat Bergen-Belsen mit der Slowakei zu tun? Das erfuhren die Besucher der gestrigen Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers. „Es lebe unsere gerechte Sache – der Slowakische Nationalaufstand 1944“ lautet der Titel, unter dem rund 30 Banner zusammengestellt wurden, auf denen Ursachen, Verlauf und Folgen des Aufstands gegen die Deutsche Besatzungsmacht und das Kollaborationsregime dargestellt werden. Unter deren Regierung wurden Juden auch nach Bergen-Belsen deportiert. Mehrere Dutzend slowakische Staatsbürger kamen hier ums Leben.



„Der Aufstand in der Slowakei war die umfangreichste Erhebung im nationalsozialistischen Europa und sie kann nicht hoch genug gewürdigt werden“, erklärte der Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen und Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Dr. Jens-Christian Wagner. Zwei Monate kämpften große Teile der slowakischen Armee und Zivilisten gegen die nationalsozialistische Diktatur, nachdem diese bereits etabliert schien. Ende Oktober wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen.

Das slowakische Kollaborationsregime unter Josef Tiso hatte bereits 1940 antijüdische Gesetze erlassen und rund 58.000 Juden deportiert. Zwischen 60.000 und 70.000 slowakische Juden kamen in Lagern und aufgrund der antisemitischen Maßnahmen ums Leben, wie Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in seiner Ansprache schilderte. Mit Yvonne Koch und Pavel Kucera konnte er an diesem Abend zwei Gäste begrüßen, die aus der Slowakei stammen und als Kinder das KZ Bergen-Belsen überlebten. „Das Geschehene nicht als Geschichte weglegen, sondern Lehren daraus zu ziehen für die Gegenwart“, das wünschte Niedersachsens oberster Bildungspolitiker allen Ausstellungsbesuchern.

Grußworte gab es auch von Michael Fürst, dem Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und dem Botschafter der Slowakischen Republik, Dr. Peter Lizák. Letzter hob die Bedeutung des Aufstandes für sein Land bis heute hervor: Am 29. August, dem Tag des Beginns der Erhebung, wird jedes Jahr der Nationalfeiertag begangen. Er sei stolz darauf, dass die Menschen damals den Mut gehabt hätten, zu zeigen „Mit uns nicht – wir werden das nicht mittragen“. Bis heute könne er aber nicht verstehen, wie es überhaupt zur Herrschaft der Nationalsozialisten habe kommen können.

Daran, dass die Ausstellungen der Gedenkstätte mit einem Auftrag für die Gegenwart verknüpft sind, hatte Jens-Christian Wagner eingangs erinnert. „Nicht nur bestimmte Parteien und deren Anhänger sind eine Gefahr für den Frieden in Europa, sondern auch diejenigen, die ein einiges und demokratisches Europa für selbstverständlich halten“, ist er überzeugt.

Die Ausstellung wird gezeigt bis 16. Dezember 2018 im Forum der Gedenkstätte Bergen-Belsen und kann täglich zwischen 10 Uhr und 17 Uhr besucht werden.

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