CELLE. Ernst Schulze steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Stadtarchiv. Der vor 200 Jahren im Alter von nur 28 Jahren gestorbene Dichter aus Celle gilt als einer der größten Söhne dieser Stadt. Das Archiv besitzt eine umfangreiche Materialsammlung zu Schulze und konnte für die Ausstellung aus dem Vollen schöpfen. Bei der sehr gut besuchten Eröffnung hob Sabine Maehnert, Archivleiterin, voll Freude hervor, dass die präsentierten Objekte inhaltlich wie zeitlich breitgefächerte Informationen böten.

Bücher stehen, wie bei einem Dichter nicht anders zu erwarten, im Vordergrund: angefangen bei dem noch zu Schulzes Lebzeiten erschienenen Gedichtband von 1813 über die erste Gesamtausgabe der Werke im Verlag Brockhaus bis zu kunstvollen Ausgaben des bekanntesten Werks „Die bezauberte Rose“ aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Zahl der Bücher mit Texten Schulzes reicht aber weiter, von dem von Paul Alpers 1927 besorgten Bändchen „Rosen“ über das von Ernst Müller 1995 herausgebrachte Buch mit einer Biografie und ausgewählten Texten bis zu dem von Oskar Ansull und Joachim Kersten 2017 veröffentlichten Band „Der junge Wohlklang“ mit Briefen und Eintragungen aus Tagebüchern.

An Geschriebenem gibt es in der Ausstellung aber noch weit mehr zu erkunden, so Handschriftliches von Ernst Schulze, darunter Gedichte und Briefe. Und es sind Zeitungsseiten ausgestellt, z.B. Artikel aus der Celleschen Zeitung zum 150. Geburtstag im Jahr 1939. Zu nennen ist auch ein reich gefüllter Zettelkasten aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg mit Material für eine Biografie, die aber nicht mehr erschienen ist.

Bilder bietet die Ausstellung in nicht geringer Zahl, Kupferstiche etwa, wie sie in Buchveröffentlichungen in der einen oder anderen Form immer wieder benutzt worden sind. Aber es gibt auch neue Entdeckungen zu machen. Ein Porträt von Ernst Schulze, gezeichnet von dem mit ihm befreundeten August Kestner, war bislang weitgehend unbekannt. Das Original ist im II. Weltkrieg verbrannt, aber es existiert eine – wenn auch sehr unzulängliche – Reproduktion in einer Buchveröffentlichung von 1917. Im Zuge des Jubiläumsjahres ist sie in einer Kopie so bearbeitet worden, dass der feine Strich von August Kestner wieder erkennbar ist. Vergrößert hängt diese Reproduktion des Porträts jetzt in der Ausstellung und bietet ein viel individuelleres Bild des Dichters als alle Kupferstiche.

Zur Einführung schilderte Elke Haas bei der Eröffnung der Ausstellung, wie Ernst Schulze in der Vergangenheit bis heute gefeiert und gewürdigt worden ist. Nicht nur literarisch und musikalisch Interessierte hätten sich dabei hervorgetan, gerade auch die obersten Repräsentanten der Stadt hätten in früheren Jahren an den Feiern zu Jubiläen aktiv mitgewirkt. So habe Bürgermeister Hattendorff 1889 zum 100. Geburtstag sich mit einer Ansprache auf dem Friedhof beteiligt und im Künstlerverein zu diesem Anlass einen Vortrag gehalten.

Zahlreiche Anlässe nannte Elke Haas, bei denen es besondere Musikdarbietungen zu Ehren von Ernst Schulze gab, in diesem Jahr etwa die Aufführung eines Singspiels nach der „Bezauberten Rose“ bei den 2. Celler Kindermusiktagen durch das Gymnasium Ernestinum und die Grundschule Eicklingen, für die Christoph Stelljes die Musik komponiert hatte. Als jüngstes Beispiel konnte Haas eine Veranstaltung in Habighorst wenige Tage zuvor nennen, bei der ein „Vokalensemble Ernst Schulze“ drei vierstimmige Männerchöre nach Gedichten von Ernst Schulze, komponiert von Georg V. von Hannover und Franz Schubert, sehr eindringlich und souverän vorgetragen hatte.

Für Beiträge der bildenden Kunst zur Würdigung von Schulze verwies Elke Haas auf ein in einer Vitrine stehendes eindrucksvolles Bild von Heike Ellermann, das ein Gedicht Schulzes bildnerisch interpretiert. Und sie konnte zugleich eine bevorstehende Kunstausstellung im Kulturcafé „nebenan“ in Winsen (Aller) erwähnen, in der mehrere Künstlerinnen und Künstler unter dem Titel „Der Dichter im Baum“ Werke zu Ernst Schulze präsentieren werden. Schließlich führte Elke Haas die immer wieder, auch 2017 erhobene, aber noch unerfüllte Forderung nach einem Ernst-Schulze-Denkmal an. Dem weiteren,  anhaltenden Verlangen, eine Straße nach dem Dichter zu benennen, habe die Stadt im letzten Jahr immerhin in der Weise entsprochen, dass sie die Benennung der Schulzestraße, mit der bislang nur der Vater, der Bürgermeister Friedrich Schulze geehrt worden war, auf den Dichter ausgeweitet habe.

Die Eröffnung der Ausstellung bereicherte Oskar Ansull mit der Lesung eines Briefs von Schulze an seinen Freund Fritz von Bülow, in dem er aus der Anfangszeit seines Studiums in Göttingen berichtet. Schulze schreibt von dem Vergnügen, die Bibliothek zu benutzen, und erzählt, er lerne jetzt Italienisch und Spanisch, um Tasso, Ariost und Cervantes in der Originalsprache lesen zu können.

Die gut geordnete und ansprechend gestaltete Ausstellung zeichnet sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie nicht nur Vergangenes bietet, sondern auch einiges präsentiert, das gerade erst stattgefunden hat oder auch noch stattfindet. So sind die in diesem Jahr aufwendig restaurierte Gedenktafel an Schulzes Elternhaus sowie die ebenfalls vor wenigen Monaten restaurierte Tafel auf dem Hehlentor-Friedhof in großformatigen Fotos zu sehen und auch der Findling, an dem diese Tafel angebracht ist, von der Stadtverwaltung gereinigt und restauriert. Eine angenehme Besonderheit bietet eine große Tafel, die die Informationen von der Ernst-Schulze-Säule am Rande des Landkreis-Parks originalgetreu wiedergibt, nur auf eine ebene Fläche „abgerollt“ und etwas verkleinert.
Die informative Ausstellung will alle Verantwortlichen daran erinnern, das Andenken dieses Celler Dichters zu bewahren und zum Nutzen der Stadt wie der Region so zu handeln, dass er nicht in Vergessenheit gerät.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 31. Januar 2018 und kann während der Öffnungszeiten des Stadtarchivs (Westerceller Straße 4, 29227 Celle) besichtigt werden: Montag und Dienstag 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 17 Uhr, Freitag 8 bis 13 Uhr.

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