Azubi-Projekt für Flüchtlinge feiert erste Erfolge

Gesellschaft Von Extern | am Mi., 04.08.2021 - 17:19

CELLE. Hamza Al Mokdad und Jawid Ahmadi haben allen Grund zum Strahlen: Ahmadi feiert seine bestandene Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten, Al Mokdad hat ihn als „Paten“ auf diesem Weg begleitet. Beide sind Teilnehmende des Projekts „Vom Jobling zur Fachkraft“ der vhs Celle. Die ersten zehn Auszubildenden des Projekts haben ihre Abschlüsse in der Tasche. Sie sind jetzt u. a. Elektriker, Einzelhandelskaufleute, Maschinenführer, Metallbauer und Pflege-Assistenten. 

Das Besondere an ihrem Berufsabschluss: Sie alle kamen als Flüchtlinge nach Celle, haben die deutsche Sprache erlernt, zum Teil Schulabschlüsse nachgeholt und einen Ausbildungsplatz gefunden. Im Rahmen des Projekts, das vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird, werden zurzeit insgesamt 40 Auszubildende von 20 ehrenamtlichen Patinnen und Paten begleitet. Diese geben den Auszubildenden nicht nur wertvolle berufliche Tipps, sondern unterstützen sie auch bei behördlichen und anderen Herausforderungen, fördern sie in Mathe und Deutsch und stärken ihre Medienkompetenz. 

Wöchentlich treffen die Ehrenamtlichen mit den Azubis zusammen, um sich auszutauschen. Für beide Seiten ist das Projekt eine Bereicherung: Die Auszubildenden profitieren von der Lebenserfahrung der Patinnen und Paten, die Ehrenamtlichen erlangen Einblicke in die Kultur und Lebenswelt der Geflüchteten. „Die Auszubildenden können wirklich stolz darauf sein, alle Hürden bewältigt zu haben“, gratuliert Projektkoordinatorin Ute Labudde den AbsolventInnen. Die schriftlichen Prüfungen wären aufgrund der fremden Sprache eine echte Herausforderung gewesen. Die mündliche, fachbezogene Prüfung stelle in der Regel kein nennenswertes Problem dar. 

Ein Großteil der neuen Fachkräfte wird weiterbeschäftigt. „Ein Plus für die deutsche Wirtschaft“, wie Ute Labudde betont. Neben ihrer Initiative „Vom Jobling zur Fachkraft“ versucht die vhs Celle, auch mit dem regionalen Start Guides-Projekt dem Fachkräftemangel zu begegnen. Dabei werden Kontakte geschaffen zwischen ansässigen Firmen und Zugewanderten mit und ohne Fluchthintergrund. Praktika, Ausbildungen und Beschäftigungsverhältnisse werden so erfolgreich realisiert.  

Die Erfahrungen der deutschen Betriebe sind in der Regel positiv. Viele Auszubildenden mit Flüchtlingshintergrund sind hochmotiviert, sich eine Zukunft in ihrer neuen Heimat aufzubauen. Trotz sprachlicher Barrieren erreichen sie zum Teil einen besseren Abschluss als Deutsche.

Für Ayad Murat war es selbstredend, das Bestmögliche zu geben. Er schloss seine Ausbildung zum Pflege- und Sozialassistenten als Klassenbester ab, erreichte den erweiterten Realschulabschluss und wird seine Ausbildung beim AKH als Pflegefachmann fortsetzen.  „Der außerordentliche Fleiß, mit dem die jungen Menschen ihre Ausbildung angehen, ist beeindruckend“, sagt Stephanie Winkler, die sich als Patin im Projekt engagiert. 

„Ich bin dankbar, die Gelegenheit zu haben, ohne Gefahren und Angst hier in Deutschland leben und lernen zu können“, relativiert Anwar Abdi das Lob. Er hat seinen Abschluss zum Einzelhandelskaufmann bei Rossmann mit der Note 1 in der mündlichen und der Note 2 in der schriftlichen Prüfung bestanden und geht jetzt ins Controlling der Zentralen Verwaltung seiner Firma. Der junge Somalier möchte seine Erfahrungen gern weitergeben und sich demnächst als Pate in dem Projekt engagieren. 

„Mit Blick auf das neue Ausbildungsjahr freuen wir uns über weitere Ehrenamtliche, die als PatInnen Azubis in ihrer Ausbildung und den Weg in die Gesellschaft unterstützen“, sagt Ute Labudde. Wer sich für die jungen Fachkräfte einbringen möchte, kann sich bei ihr oder ihrer Kollegin Judith Knabe melden: (05141) 92 98 12.