„Baden verboten“-Schilder erregen Unmut in Boye

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Fr., 22.05.2020 - 11:43

BOYE. „Uns sind zwei Badestellen zugesichert worden, und nun hängen hier diese Verbotsschilder“, sagt eine Bewohnerin des Celler Ortsteils Boye mit Nachdruck, gemeinsam mit einigen anderen Boyer Bürgern hat sie sich mit einer Beschwerde an die Stadt gewandt. Vor vier Jahren wurde das Naturschutzgebiet „Untere Allerniederung bei Boye“ eingerichtet, die Celler Verwaltung als Untere Naturschutzbehörde sicherte zu, dass an zwei Stellen der Zugang zur Aller, gewährleistet sein sollte.

Dass sich an dieser Situation nun etwas verändert hat und das Baden ausdrücklich verboten wurde, hat haftungsrechtliche Gründe. Den Hintergrund bildet das Urteil zu sehr tragischen Geschehnissen in einem kleinen hessischen Ort. Drei Kinder ertranken in einem Feuerlöschteich, der dortige Oberbürgermeister wurde vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen verurteilt. „Das Gericht befand, dass er die Verkehrssicherungspflicht verletzt habe, da der Löschteich erhebliches Gefahrenpotenzial aufweise“, teilt Stadtsprecherin, Myriam Meißner, mit. Nach dem Urteil sind die Hauptverwaltungsbeamten immer dann haftbar, wenn nicht klar erkennbar ist, ob an einem Ort gebadet werden darf oder nicht. Ist Baden erlaubt, müsste eine Aufsicht gestellt werden. Als Konsequenz aus dem Gerichtsentscheid wurden im Stadtgebiet alle entsprechenden Stellen überprüft, dazu gehörten auch alle Stege. Der Bootsanleger-Steg in Boye fällt in die Kategorie, und daher wurde das Verbotsschild aufgestellt, was den Unmut einiger Bürger auslöste.

Ortsbürgermeister Heiko Gevers teilt auf CH-Anfrage mit, dass der Oberbürgermeister, Dr. Jörg Nigge, über das Urteil in Hessen berichtet und Maßnahmen für Celle angekündigt hatte. „Darüber hatte ich die Beschwerdeführer unterrichtet und meine Vermutung geäußert, dass dieses auch für Boye zutreffen könnte“, sagt Gevers. Über die konkrete Situation hatte er keine Information, da er den Bootsanleger in Boye nicht als Badestelle angesehen habe.

Mittlerweile haben die Beschwerdeführer eine Antwort aus dem Rathaus erhalten.

Gegen das Urteil des hessischen Gerichts wurde Berufung eingelegt. Es könnte sich also lediglich um Verbote auf Zeit handeln.

„Wir als Verwaltung hätten gerne anders gehandelt und sogar noch mehr Stellen im Stadtgebiet zum Baden freigegeben. Aufgrund der derzeitigen Rechtslage ist uns dieses aber nicht möglich“, teilt Myriam Meißner mit.