„Ich kenne den Stall“ – Justizministerin besucht Celler Amtsgericht

Politik Von Anke Schlicht | am Do., 04.06.2020 - 19:08

CELLE. „Dass wir mal direkt etwas kundtun konnten“, antwortet die Geschäftsleiterin Manuela Stolte auf die Frage, was sie als das Wichtigste am Besuch der Justizministerin Barbara Havliza wertet. „Celle war Nummer 160, und damit die letzte Station“, sagt die niedersächsische Politikerin, nachdem sie den zweistündigen Rundgang durch das weitläufige alte Gebäude beendet hat. Nun kennt sie sie alle. Sämtliche Justizeinrichtungen in Niedersachsen hat sie besucht, dazu gehören 80 Amtsgerichte. „Ich hatte mir das bei Amtsantritt vorgenommen“, erläutert die CDU-Politikerin. „Amtsgerichte sind das Herzstück der Justiz, sie müssen am bürgerfreundlichsten sein.“ Corona war auch für das Rechtswesen ein großes Problem: „Justiz muss immer zugänglich bleiben“, hebt die Ministerin hervor.

Für Direktor Dr. Dieter Philipp Klass ist ihr Besuch ein Ausdruck von Wertschätzung. „Wir haben uns richtig gefreut“, sagt er. Erzählen brauche man einer Frau wie Barbara Havliza nichts. „Sie hat eine richterliche Sozialisation“, betont Klass. Zu sagen gab es dennoch eine Menge. Angefangen von zukunftsorientierten Fachfragen über die Erläuterung des corona-bedingten maßnahmenbegleiteten Normalbetriebs bis hin zu handfesten Anliegen. „Wir sind ein altes Haus“, merkt Klass an. Seine Ursprungsbestimmung ist dem Gebäude mit den langen Gängen, zahlreichen Türen und begrüntem Innenhof immer noch anzusehen, fast 200 Jahre lang beherbergte es die Landesfrauenklinik, bevor diese 1979 aufgelöst und ins Allgemeine Krankenhaus integriert wurde. Der Charme der historischen Gemäuer kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass baulich nachgerüstet werden müsste, um die modernen Standards einer Rechtspflegeeinrichtung vollends zu erfüllen. „Wünsche, Ideen, Planungen haben wir vorgetragen“, berichtet Klass vor diesem Hintergrund.

In der Ministerin haben er und seine Mitarbeiter eine gute und verständige Zuhörerin gefunden. „Ich kenne den Stall, ich war 30 Jahre Richterin“, berichtet Havliza. Dennoch zeigt sie sich an allem interessiert. Geht das Amtsgerichts-Team während des Rundgangs an einer Tür vorbei, ohne etwas zu sagen, fragt die oberste Dienstherrin: „Und was passiert hier?“