FASSBERG. Zwei Themen standen im Mittelpunkt der jüngsten Ratssitzung der Gemeinde Faßberg: der Bau eines Besucherzentrums für die Erinnerungsstätte Luftbrücke und ein Antrag an das niedersächsische Umweltministerium mit der Bitte um Entnahme jenerWölfe, denen die jüngsten Risse von Heidschnucken anhand genetischer Analysen zugeordnet werden können.

Für den Neubau auf dem Gelände des Fliegerhorstes könnten 90 Prozent der Gesamtkosten – derzeit geht man von 640.000 Euro aus – über das EU-Förderprogramm ZILE gedeckt werden. Generell sehen Bürgermeister und Ratsmitglieder den Bau positive, es gab aber auch einige Nachfragen von Seiten der Ratsmitglieder und Kritik am strammen Zeitplan. Der Antrag sollte noch am selben Abend abgeschickt werden um fristgerecht in Lüneburg beim Amt für regionale Landesentwicklung einzutreffen. „Es ist misslich, dass wir unter Zeitdruck sind“, meinte Angelika Cremer (SPD). Sie hätte sich gewünscht, dass das ehemalige Offiziersheim als Alternative in Betracht genommen würde. Paul Hicks, Vorsitzender des Fördervereins Erinnerungsstätte Luftbrücke, erläuterte im Anschluss an die Sitzung, die Bundeswehr habe für dieses Gebäude andere Pläne, außerdem sei es zu groß für den Nutzungszweck.

Die Befürchtung, dass auf die Gemeinde Folgekosten für den Betrieb zukommen könnten, räumte er aus: Für Unterhaltungskosten käme die Bundeswehr als Eigentümerin der Gebäude auf dem Gelände der Erinnerungsstätte auf. Auch Konkurrenz für gastronomische Betriebe in der Gemeinde werde es nicht geben. Lars Lorenz (WGF) mahnte an, dass die Gemeinde hier einen Verein mit einer relativ großen Summe unterstütze. „Dann sollte man auch an andere Vereine denken“, meinte er. Derzeit geht die Verwaltung davon aus, dass sie 50.000 Euro von einem öffentlichen Geldgeber bekommt, so dass 14.000 Euro für die Gemeinde Faßberg zu finanzieren wären. Der Beschluss, die Fördergelder für den Bau zu beantragen, fiel einstimmig.

Ebenfalls einstimmig verabschiedet wurde ein Antrag an das Umweltministerium in Hannover, in dem um die Entnahme der Wölfe gebeten wird, die mittlerweile gelernt haben, die bisher von Seiten des Ministeriums als ausreichend angesehene Zaunhöhe von 1.50 Meter zu überspringen. „Es gibt fünf Wolfsrudel im Umkreis von Faßberg, zwei große Schnuckenherden im Gemeindegebiet und 28 getötete Tiere in den letzten Wochen. Das ist für eine kleine Kommune so nicht hinnehmbar“, führte Frank Bröhl ins Thema ein. Ein Statement wollte zu diesem Thema nur Carsten Dickow (FDP) abgeben: Er kritisierte, dass gerissene Schnucken, die noch leben, oft nicht schnell genug durch Jäger oder Tierärzte erlöst werden könnten und dass der wirtschaftliche Schaden durch ein totes Muttertier höher sei als der Wert des Tieres, der vom Land ersetzt werde. Carl Kuhlmann (SPD), selbst Schnuckenzüchter, erläuterte die bürokratische Prozedur in diesem Zusammenhang. Den Antrag auf Entschädigung eines gerissenen Tieres erhalte man erst, wenn man dafür wiederum einen Antrag gestellt habe.
Von Seiten der Zuhörer gab es zu diesem Beschluss eine kritische Stimme: Er sei enttäuscht, dass hier wieder die Wirtschaft über die Natur siege. Man müsse in der Lage sein, die Wölfe „auszusperren“, fand ein Besucher der Sitzung.

Weitere Themen, die von Bürgern angesprochen wurden, war der Wunsch nach längerer nächtlicher Straßenbeleuchtung und die aktuelle Reglementierung rund um die Rasengräber auf dem Faßberger Friedhof.

Von Seiten der Ratsmitglieder wurden die Vorschläge eingebracht, von Seiten der Gemeinde etwas gegen den aktuellen Lehrermangel zu tun und sich mit dem Thema „Pferdekotbelastung“ zu beschäftigen. Ratsherr Lars Lorenz beschäftige noch eine andere Frage: Er könne derzeit der Homepage der Gemeinde Faßberg nicht entnehmen, ob der Bürgermeister parteilos sei oder nicht. Bei allen Ratsmitgliedern sei die Zugehörigkeit zu einer Partei oder Wählergemeinschaft hingegen angegeben. Frank Bröhl, der als Parteiloser in das Bürgermeisteramt gewählt worden war, erklärte, er sei im August 2016 in die CDU eingetreten. Aus seiner Sicht spiele es aber keine Rolle, in welcher Partei er sei. „Ich habe eine Verwaltung zu leiten und bin zu Neutralität verpflichtet“, stellte er fest. Das sieht Ratsherr Lorenz etwas anders: „Wenn ich jetzt zur NPD wechseln würde, würde das bestimmt öffentlich gemacht“, gab es sich überzeugt.

Entwurf des Gebäudes für die Begegnungsstätte der Erinnerungsstätte Luftbrücke. Zeichung: Planungsbüro Wittig

Entwurf des Gebäudes für die Begegnungsstätte der Erinnerungsstätte Luftbrücke. Zeichung: Planungsbüro Wittig

Entwurf des Gebäudes für die Begegnungsstätte der Erinnerungsstätte Luftbrücke. Zeichung: Planungsbüro Wittig

Entwurf des Gebäudes für die Begegnungsstätte der Erinnerungsstätte Luftbrücke. Zeichung: Planungsbüro Wittig

 

 

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