„Die wahren Hintergründe sind die, dass die Geräte Geld kosten“

Politik Von Anke Schlicht | am Fr., 20.11.2020 - 21:05

CELLE. „Wir sitzen hier hilflos“, zeigte sich Joachim Falkenhagen (FDP) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bau und Stadtentwicklung unzufrieden mit der vorangegangenen Diskussion zur Ausstattung der Grundschulen, Kitas und Sitzungsräume im Rathaus mit mobilen Raumluftfiltern. Die Mitglieder des Schulausschusses hatten der Verwaltung aufgegeben, die inhaltliche Aufbereitung des Themas nachzuarbeiten und im Gremium für Bau wieder aufzunehmen.

Das Ergebnis blieb unverändert zum Schulausschuss vor zwei Wochen. Die Meinung in Fachkreisen sei gespalten. „Die Lage ist nicht klar genug, um eine hohe Investition zu tätigen“, gab Stadtbaurat Ulrich Kinder den Ausschussmitgliedern das Fazit der Auseinandersetzung mit der Thematik bekannt. „Mobile Raumlüfter ersetzen nicht das Lüften, es brummt die ganze Zeit, man muss Trennwände einziehen. Aufwand und Effekt stehen in keinem Verhältnis“, erläuterte er die Beschlussempfehlung der Verwaltung, erst dann modernes Raumfilterequipment anzuschaffen, sobald gesicherte Erkenntnisse vorlägen. Die Kosten für die Ausstattung der Grundschulen, Kitas und die Sitzungsräume im Rathaus würden rund 100.000 Euro betragen.

Die FDP als Antragsteller, Unabhängige, die Grünen, die Linke/BSG sowie die Rodenwaldt-Gruppe erklärten sich mit dem Weg des Rathauses nicht einverstanden. „Die Situation wird sehr unterschiedlich beurteilt, man sollte hier sehr vorsichtig sein, ich erinnere an das Thema Masken zu Beginn der Pandemie“, argumentierte Bernd Zobel (Grüne). Dass die Geräuschkulisse zu hoch sei, müsse man relativieren, viele Schulstandorte seien nicht frei von Straßenlärm, außerdem könne er nach 38 Jahren Berufserfahrung als Lehrer sagen, dass in etlichen Klassenräumen Durchzug gar nicht möglich sei. Diese Erfahrung veranlasste die Grünen, einen neuen Antrag einzubringen, wonach die Verwaltung den Bedarf an Raumluftfiltern mit den Grundschulen und Kitas klären solle unter besonderer Berücksichtigung der Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden könnten. „Wie soll man denn einen vernünftigen Unterricht durchführen, wenn alle 20 Minuten die Fenster aufgerissen werden müssen“, merkte Udo Hörstmann (Unabhängige) an, C02-Geräte seien sinnlos, diese anzuschaffen, sei bloßer Aktionismus. Jörg Rodenwaldt erinnerte ebenfalls an die Masken-Diskussion zu Beginn der Pandemie, als es hieß, diese könnten sogar schädlich sein, man habe damals wertvolle Zeit verloren. Darüber hinaus würden die Filtergeräte nicht mit Chemie arbeiten, also keinesfalls könnten sie schaden. „In so einer Pandemie darf es nicht ums Geld gehen“, sagte Rodenwaldt. Oliver Müller (BSG/Die Linke) verwies auf die Fürsorgepflicht, die gegenüber Kindern bestehe und plädierte für einen Testlauf mit geringer Anzahl. Joachim Falkenhagen ergriff als Letzter das Wort: „Es kommt auf den Luftaustausch an, dieser kann nicht gelingen aufgrund der baulichen Beschaffenheit der Räume, Durchzug ist nicht möglich“, sagte er und zweifelte an der Aufrichtigkeit der Argumentation der Verwaltung: „Die wahren Hintergründe sind die, dass die Geräte Geld kosten.“ CDU und SPD meldeten sich nicht zu Wort.

Der Antrag der Grünen fand keine Mehrheit, die Verwaltung setzte sich mit sechs Ja-, einer Nein-Stimme sowie einer Enthaltung durch. Der Antrag der FDP wurde jedoch nicht für formal erledigt erklärt.