Bauen in Müdens Mitte: Neuer B-Plan soll mehr Veränderung zulassen

Politik Von Susanne Zaulick | am Fr., 22.05.2020 - 13:05

MÜDEN/ÖRTZE. Wie soll in Müdens Ortsmitte künftig gebaut bzw. umgebaut werden? Diese Frage wird in den kommenden Monaten die Kommunalpolitik beschäftigen. Der Bauausschuss hat am Mittwoch die Empfehlung abgegeben, einen neuen Bebauungsplan für den Bereich zwischen Schulstraße und Alter Dorfstraße auf den Weg zu bringen. Anlass dafür ist erstens ein aktuelles Bauvorhaben in der Schulstraße 4 und zweitens der Hinweis von Seiten des Landkreises als Aufsichtsbehörde, dass der derzeit gültige Bebauungsplan sein Ziel verfehle. Ziel solle sein, das Ortsbild zu erhalten, aber gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Letztere sind aber aus Sicht des Landkreises, der Faßberger Verwaltung und weitestgehend auch des Rates kaum gegeben.

„Bei Anwendung des aktuellen B-Plans, kann man nichts anderes machen, als das Aktuelle zu erhalten“, sagt Stephan Fähndrich, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Das bedeutet unter anderem, dass nur die bisher überbaute Fläche bei einem Abriss und Neubau wieder überbaut werden darf. Derzeit plant ein Investor in der Schulstraße 4 den Bau von bis zu zehn Wohneinheiten in einem zweigeschossigen Gebäude. Die Gemeinde hat jetzt zunächst die Möglichkeit, für genau dieses Grundstück einen vorhabenbezogenen B-Plan aufzustellen, dessen Gültigkeit zeitlich begrenzt ist. 

Jedes Grundstück bei potentiellen oder konkreten Bauvorhaben einzeln zu bewerten entspricht größtenteils dem Wunsch der Ausschussmitglieder quer durch die Fraktionen bzw. Gruppen. „In Müden muss weiter gebaut werden. Der bisherige B-Plan war der Wunsch, die Vergangenheit zu bewahren. Aber das verfällt. Wir haben jetzt die Möglichkeit, dass was Vernünftiges passiert. Wenn wir bei jedem einzelnen Projekt gucken und prüfen, können wir Hervorragendes erreichen für Müden“, so Carl Kuhlmann (SPD). Der Meinung schlossen sich auch die Vertreter der CDU an. Carsten Dickow (FDP) wies auf die veränderten Nutzungswünsche hin. „Von den früheren Bauernhöfen ist keiner mehr existent. Wir haben Nachfolgegenerationen, die Gebäude und Grundstücke erhalten wollen. Wir müssen Müdenern, die ihr Leben lang hier gelebt haben, die Möglichkeit bieten, hier zu bleiben.“

Nur mit vorhabenbezogenen Bebauungsplänen werde es allerdings nicht gehen, machte Stephan Fähndrich in der Sitzung deutlich. „Für Eigentümer fehlt dann der Rahmen und die Rechtssicherheit“. Wenn von Seiten der Politik jedem Bauwilligen erst mal komplett die individuelle Planung ermöglicht werde, setze das ein falsches Signal. Im Bebauungsplan sind unter anderem die Art und Maße der baulichen Nutzung geregelt. Am Ende empfahl der Ausschuss, den Prozess der Aufstellung eines neuen B-Plans zu starten. Angelika Cremer (SPD) wies darauf hin, dass man hier die Bürger mit ins Boot holen müsse. Angedacht ist jetzt ein Bürgerinformationsabend. Am Ende des Aufstellungsprozesses muss der Bebauungsplan vom Rat verabschiedet werden. Nicht angetastet wird nach derzeitigem Stand die Gestaltungssatzung, die es zusätzlich für das Gebiet gibt. Hier ist unter anderem die Art der verwendeten Baumaterialien geregelt.