„Ein richtig propperer Bau“ – Begehung der MTV-Halle 

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Do., 13.02.2020 - 17:12

CELLE. „Die Halle ist in einem erstaunlich guten Zustand“. In diese Worte fasste Hans-Jürgen Lenze seinen Eindruck nach der Begehung der MTV-Halle am Mittwochnachmittag. Während des ersten Treffens der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt des vom Abriss bedrohten Gebäudes am Nordwall herrschte unter den rund 25 Teilnehmern Konsens über das Ergebnis des Vor-Ort-Termins. Der Eindruck übersteige die Erwartungen bei Weitem und widerspreche dem in den Lokalmedien vermittelten Zustand. Sanierung sei natürlich nötig, besonders in energetischer Hinsicht gebe es erheblichen Nachholbedarf. „Das ist ein propperer Bau, der sich sehen lassen kann. Besonders der Hauptraum beeindruckt und lädt ein zu vielfältiger Nutzung. Mit Wärmedämmung lässt sich hier allerlei machen“, sagte Volker Nebelsieck.

Der MTV Eintracht Celle sieht dieses offenbar anders. Er hat sich von seiner Sportstätte verabschiedet. Die Ausstattung wurde verlagert, zu einem Teil in die Sportanlage Saarfeld, aber auch in die Paul-Klee-Schule. Für Dart- und Schachspieler suche man noch Räume, berichtete der BI-Vorsitzende, Lothar Haas. Neben der Begehung bestand das wichtigste Anliegen der ersten Zusammenkunft der Bürgerinitiative nach der Gründung vor wenigen Tagen im Sammeln von Ideen für eine Nachnutzung, die Voraussetzung sind für ein mögliches Aussetzen oder Aufheben der Entscheidung des städtischen Verwaltungsausschusses, das nicht denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1913 im Zuge der Nordwall-Erneuerung abzureißen, weil eine Sanierung zu kostspielig sei.

Als Stichworte fielen Probestätten für Theater und Musik, Räumlichkeiten für das Angebot der Volkshochschule sowie die Familienbildungsstätte, das Mehrgenerationenhaus oder das Krankenhaus für physiotherapeutische Behandlungseinheiten. Dawn Doneck knüpfe unmittelbar an die aktuelle Verwendung der Sportstätte an: „Wenn Dart- und Schachspieler beispielsweise Interesse zeigten, müssten sie eine ungefähre Vorstellung vom Preisrahmen erhalten.“ Es sei durchaus nicht so, dass Celle überquelle an Räumlichkeiten für Vereine. Sämtliche Zusammenschlüsse dieser Art, ob Sport oder Kultur, seien bereits angeschrieben worden, informierte Lothar Haas. Imke Bahr regte an: „Wir können die Stadt auf den eigenen Bedarf hinweisen.“
 
Die kommunalpolitisch Aktiven unter den Anwesenden stimmten darin überein, dass sich bei den Mitgliedern der politischen Entscheidungsgremien derzeit ein Wandel vollziehe. „Bei den meisten Kollegen sackt da langsam etwas“, sagte Ute Rodenwaldt-Blank. Ratsfrau Inga Marks berichtete von einem Gespräch mit Stadtbaurat Ulrich Kinder. Dieser habe sich gegenüber ihrem Vorschlag, die Halle zu öffnen für die Bürger der Stadt, sehr offen gezeigt. „Das ist kein Problem“, zitierte sie Kinder. Marks hält es für entscheidend, dass sowohl alteingesessene als auch neu zugezogene Celler sich ein Bild machen könnten vom Inneren der Halle – auch, aber nicht nur vor dem Hintergrund einer möglichen Nutzung. „So sieht es hier aus, wäre das etwas für euch?“, formulierte sie und ergänzte: „Wir müssen die Menschen in die Halle einladen. Es liegt am Rat und an den Bewohnern. Die Menschen in der Stadt können viel bewirken.“