BERGEN-BELSEN. Ein thematischer Rundgang unter dem Titel „Das Konzentrationslager Bergen-Belsen als Drehscheibe nationalsozialistischen Menschenhandels“ findet am am Sonntag, den 27. August 2017 um 14:30 Uhr statt.

Bergen-Belsen gilt weithin als ein Synonym für das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Bei der Errichtung des sogenannten „Aufenthaltslagers Bergen-Belsen“ wurden jedoch mehrere sehr spezifische Ideen und Planungen des Reichsführers der SS Heinrich Himmler und des Auswärtigen Amtes gebündelt: Bergen-Belsen sollte als Drehscheibe eines nationalsozialistischen Menschenhandels fungieren. Hier sollten gezielt für diesen Zweck als geeignet erscheinende Juden interniert werden, die dem feindlichen Ausland, vor allem den USA und Großbritannien bzw. deren Einflusssphären, als Tauschware gegen im Ausland internierte Deutsche oder auch gegen Devisen oder kriegswichtige Warenlieferungen angeboten werden sollten. H. Himmler plante einen Austausch von bis zu 30.000 Juden, doch tatsächlich gelangten nur 2.580 jüdische Häftlinge aus dem KZ Bergen-Belsen durch Austausch- oder Freilassungsvereinbarungen in die Freiheit.

Ein Teil der NS-Funktionäre versuchte, die zwischen dem Deutschen Reich und den USA sowie Großbritannien über die neutrale Schweiz als Schutzmacht laufenden Austauschverhandlungen zu erschweren und auch auf Seiten der Westmächte gab es in Regierungskreisen Bedenken gegen diese Austauschverhandlungen, die sich auch deshalb weit schleppender vollzogen als ursprünglich geplant. Dieser schleppende Fortgang der Austauschverhandlungen führte in Verbindung mit dem weiteren Kriegsverlauf, den nach Bergen-Belsen geleiteten zahlreichen Räumungstransporten aus frontnahen Konzentrationslagern und dem Zusammenbruch des Dritten Reichs schließlich zum Inferno von Bergen-Belsen. Im Rückblick erscheint das „Aufenthaltslager“ Bergen-Belsen als eine zu wenig genutzte Chance zur Rettung einer noch größeren Zahl von jüdischen Häftlingen.

Im Rahmen eines thematischen Rundgangs am 27. August 2017 erläutert Dr. Alexandra-Eileen Wenck die Rolle des Konzentrationslagers Bergen-Belsen für den Menschenhandel der Nationalsozialisten. An unterschiedlichen Stationen werden exemplarisch der Verlauf der Verhandlungen und deren Auswirkungen auf die betroffenen Häftlinge dargestellt.

Die Historikerin A.-E. Wenck hat mit ihrer Dissertation „Zwischen Menschenhandel und „Endlösung“ – das Konzentrationslager Bergen-Belsen“ ein Standardwerk zur Geschichte des KZ Bergen-Belsen verfasst und war anschließend u.a. Mitarbeiterin in verschiedenen internationalen Historikerkommissionen. Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr an der Information im Dokumentationszentrum. Der Eintritt ist frei.

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.