BERGEN. Der niederländische Autor Daan Heerma van Voss ist ab August Bergens neuer Artist-in-Residence. Die Stadt Bergen und die Gedenkstätte Bergen-Belsen intensivieren ihre Zusammenarbeit auch im Literarischen und wollen so die deutsch-niederländischen Kulturbeziehungen bereichern. Drei mehrwöchige Aufenthalte des Autors Daan Heerma van Voss (31 Jahre alt) als Bergen-Artist-in-Residence wurden für die Jahre 2017 und 2018 vereinbart. Die niederländische Botschaft in Berlin unterstützt die Partnerschaft. Der jüngste Roman des Autors „De laatste oorlog” („Der letzte Krieg”) erscheint 2018 auf Deutsch (dtv Verlagsgesellschaft München), Spanisch und Schwedisch.

„Der letzte Krieg” lässt einen Antikriegsroman vermuten. Tatsächlich ist es ein Liebesroman vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise. Die Handlung spielt in den Jahren zwischen 1988 und 2014. Leser könnten Personen und Ereignisse assoziieren, wie das Tagebuch der Anne Frank und ihr Versteck, die Affäre um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher und das Nachrichtenmagazin Stern (1983), Schindlers Liste oder Goethes Dichtung und Wahrheit. Eine Tagebuchfälschung erscheint sowohl kriminell wie euphorisierend. Man taucht in die „alte Geschichte” ein und hinterfragt eigenes Handeln in der Gegenwart. Das Buch bewegt und erschreckt. Der Protagonist weckt mit zunächst „kleinen”, sich dann obsessiv steigernden privaten Kriegen „Sympathie auf Abstand”. Er handelt oft unlogisch und unvernünftig, ohne Political Correctness. Er mischt sich in Schicksale ein. Der Roman inszeniert Erniedrigung, Vernichtung, Hoffnung und Freiheit in der Gegenwart.

Eine öffentliche Preview-Autorenlesung in deutscher Sprache findet statt am Montag, den 28. August 2017, um 11 Uhr, im Stadthaus Bergen, Lange Str. 1 in 29303 Bergen. Über das Bergen-Artist-Projekt und die Zusammenarbeit mit der Anne-Frank-Oberschule und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten informieren und diskutieren:

Daan Heerma van Voss
Rainer Prokop, Bürgermeister der Stadt Bergen
Dr. Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten
Sabine Fuhrmann, Oberschulrektorin der Anne-Frank-Oberschule in Bergen
SchülerInnen der 9. und 10. Klassen der Anne-Frank-Oberschule und
BewohnerInnen von Bergen.eg“

 

Hintergrund

Für die Stadt Bergen und für die Gedenkstätte Bergen-Belsen haben die Beziehungen zu zwei Ländern einen besonderen Charakter: zu den Niederlanden (Anne Frank sowie viele weitere Menschen, die aus den Niederlanden in das KZ Bergen-Belsen verschleppt wurden) und zu Großbritannien (die Befreier). Die Stadt Bergen und die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten realisier(t)en deshalb gemeinsam und arbeitsteilig sowie in Zusammenarbeit mit der niederländischen Botschaft in Berlin das Bergen-Artist-in-Residence-Programm: 2015 und 2016 mit dem niederländischen Autor Mano Bouzamour sowie 2017 und 2018 mit dem niederländischen Autor Daan Heerma van Voss. Sie wollen dieses Artist-Programm in den Jahren 2019 und 2020 mit jungen britischen Autoren fortsetzen.

Daan Heerma van Voss (Schriftsteller und Historiker) wurde am 20. Januar 1986 in Amsterdam geboren. Er besuchte das Vossius Gymnasium in Amsterdam. In den Jahren 2004 und 2005 lebte er in Italien. Daan Heerma van Voss ist der ältere Bruder des Autors Thomas Heerma van Voss (manchmal arbeiten die Brüder auch literarisch zusammen). Sein Vater Arend Han Heerma van Voss (geb. 1942) ist Jurist und war als Autor, Journalist sowie Chefredakteur in Presse und Rundfunk tätig. Seine Mutter Christien Brinkgreve (geb. 1949) ist Soziologie-Dozentin und ebenfalls publizistisch tätig. Im Jahr 2014 gab es im niederländischen Fernsehen den Dokumentarfilm „Priveterrein” von Pieter Verhoeff über die Autorenfamilie.

Schriftstellerische Tätigkeit (Auszüge)

2010: „Wat we missen kunnen” („Was wir verpassen könnten”, ein Essay-Bündel),
„Een zondagsman” („Ein Sonntagsmann”, Roman) und
„De Kloof” („Die Lücke”, Interviews);
2011 „De opdracht” („Der Befehl”, Erzählung);
2012 „Zonder tijd te verliezen” („Ohne Zeit zu verlieren”, Roman);
2013 „De vergeting” („Die Sperre”, Roman), 2 Lemmata und
„Eine kleine Enzyklopädie der Trauer”, „70” (Novelle);
2014 „Het land 32” („Das Land 32”, Roman),
„Het noodlot en de Rottweiler” („Das Schicksal und der Rottweiler“, Erzählung)
2015 „Ultimatum” (Thriller, gemeinsam mit Thomas Heerma van Voss),
„Een verlate reis” („Eine verspätete Reise”, Reisebericht zum Besuch in Auschwitz)
2016 „De laatste oorlog” („Der letzte Krieg”, Roman)

Daan Heerma van Voss schreibt für verschiedene nationale und internationale Zeitungen und Zeitschriften, wie NRC Handelsblad, Humo, De Morgen, Vrij Nederland, das Magazin, De Volkskrant, die israelische Zeitung Haaretz, für Svenska Dagbladet, PEN International, The New York Times und die Amerikanische Vogue. Er ist Kolumnist für das NRC Handelsblad und De Morgen. Für seine Interview-Serie in „De Groene Amsterdammer” erhielt er 2012 die Auszeichnung „Tegel”, den Preis für das beste journalistische Werk des Jahres.

Nach einem Kennenlerntermin am 04. Mai 2017 in Bergen ist der erste offizielle Aufenthalt des Autors in der Stadt vom 26. August bis zum 07. September 2017 terminiert.

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