CELLE. Trotz aller Warnungen in den Medien haben Telefonbetrüger am vergangenen Freitag erneut ein Opfer gefunden, heißt es heute in einer Polizeimeldung. Die 80 Jahre alte Witwe aus Klein Hehlen hatte morgens einen Anruf entgegengenommen, in dem sich eine männliche Person als Polizeibeamter „Herr Bergmüller“ vorstellte und um ihre Mithilfe bat. Es wurde geschildert, dass das Vermögen der Frau in Gefahr sei und sogar Bankmitarbeiter mit den Einbrechern „unter einer Decke stecken“ und sie ihr Schließfach überprüfen müsse, auch um bei den „verdeckten Ermittlungen“ zu unterstützen.

Nachdem die Geschädigte zunächst den Anweisungen nicht folgte wurde ihr bei einem weiteren Anruf vorgehalten, dass sie eine verdeckte Aktion gefährde. Als die Seniorin kritisch ihre Zweifel äußerte, warf der angebliche Polizist ihr die Gefährdung einer von langer Hand vorbereiteten polizeilichen Maßnahme mit erheblichem Personaleinsatz vor. Er setzte sie am Telefon verbal unter Druck und beschuldigte sie sogar einer Beamtenbeleidigung.

Nachdem die Frau zunächst den Anweisungen nicht gefolgt war, wurde ihr einem zweiten Telefonat deutlich gemacht, dass sie sich nicht nur polizeilichen, sondern auch staatsanwaltlichen Weisungen widersetze. Das Telefonat mit dem „Polizeiführer“ wurde über mehrere Stunden gehalten, so dass der Täter das Verhalten des Opfers ständig kontrollieren konnte. Letztlich fuhr die Rentnerin auf rigorose Anweisung mit einem Taxi zu ihrer Bank und leerte ihr Schließfach: Bargeld, Schmuck und Goldmünzen im Wert eines fünfstelligen Betrags. Die Rentnerin übergab einem männlichen Abholer gegen Mittag zunächst nur einen Teil ihres Vermögens.

Erst durch beharrliche Nachfragen des „Ermittlers“ knickte die Geschädigte ein und übergab am Nachmittag den Rest an einen zweiten Kurier, während der angebliche „Herr Bergmüller“ am Telefon blieb. Über das Wochenende hatte die Geschädigte ein zunehmend ungutes Gefühl. Als gestern (Montag, 04.02.2019) auch noch ein angeblicher Vertreter des Einsatzleiters anrief und ankündigte, die Rückgabe des Geldes und der Wertgegenstände werde sich noch verzögern, alarmierte die Geschädigte über Notruf die „richtige“ Polizei.

Die Betrüger suchen sich gezielt Opfer im Telefonbuch mit älter klingenden Namen aus. Daher rät die Polizei Celle: Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch löschen. Die leichte Zugänglichkeit von privaten Telefonnummern und Namen ist das größte Einfallstor für Betrüger, die diese Informationen für sich nutzen.





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