BI Umwelt Wathlingen: "Gutachten widerlegt K+S-Behauptungen"

Gesellschaft Von Extern | am Fr., 05.03.2021 - 09:03

WATHLINGEN. Wie sicher sind Rüstungsaltlasten im Inneren des ehemaligen Kalibergwerkes in Wathlingen aufgehoben? Und wie wirkt sich eine Flutung auf diese Altlasten aus? Dazu nimmt die Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen jetzt erneut Stellung und wirft der K + S AG als Betreiber die Verbreitung unwahrer Fakten vor:

"Die BI Umwelt hatte Anfang dieses Jahres die Ergebnisse ihrer gründlichen Recherchen zu den Rüstungsaltlasten, u.a. chemische Kampfstoffe und deren Vorprodukte, im ehemaligen Kalibergwerk Wathlingen in einem ausführlichen Schreiben dem Landesbergamt und Wirtschaftsminister Dr. Althusmann als dessen Fachaufsicht zur Kenntnis gegeben. Zu den haltlosen Behauptungen, die K+S in einer daraufhin veröffentlichten Pressemitteilung geäußert hat, haben wir kürzlich schon einmal Stellung genommen. Unter anderem behauptet K+S, die ehemalige Munitionsanlage und auch eine Erkundungsstrecke (Tunnel) befänden sich im Kernbereich des Bergwerkes und hätten statt 25 m einen Abstand von mindestens 150 m zum Salzstockrand.

Wir erleben seit Jahren, dass K+S wichtige Informationen zur Halde und zum Kalibergwerk nicht besitzt, nicht besitzen will oder verschweigt. Auch in diesem Fall sind wir gern bereit, die Sache weiter aufzuklären. Wir zitieren aus dem „Geotechnischen Standsicherheitsnachweis für die Betriebs- und Nachbetriebsphase der (früher einmal geplanten) Untertagedeponie Riedel im Kali- und Steinsalzbergwerk Niedersachsen-Riedel, Ergänzende Betrachtungen“ des IfG (Institut für Gebirgsmechanik GmbH) vom 21.02.2000, Kapitel 4.2 Annäherungsstelle 650 m Sohle: Die randnah aufgefahrene Strecke (Tunnel) ist (…) 4 m breit und 2 m hoch. (…) Für die Modellbildung wurde (…) von einem Abstand zwischen Salzstockrand und Strecke von 25 m ausgegangen. 

Wir veröffentlichen dazu einen Ausschnitt aus der Anlage 4.2-1 zu dem genannten Gutachten mit der Angabe 25 m in der Mitte. Diese und andere Darstellungen sowie Textdokumente zu dem Abstand aus den Unterlagen zur Untertagedeponie Riedel werden wir auf unsere Internetseite www.biuw.de stellen.

Darüber hinaus behauptet K+S, die Flutung des Bergwerkes Niedersachsen-Riedel sei seit 2006 vom LBEG genehmigt und werde seit 2007 vollzogen. Das ist allerdings noch nicht einmal die halbe Wahrheit. K+S hat die - laut LBEG eilbedürftige - Flutung mit Fuhsewasser seit 2015 faktisch unterbrochen und will diese nun mit Halden- und Produktionswässern u.a. aus Lehrte, vermutlich aber auch aus Hessen, fortführen. Die Entsorgung solcher Wässer stellt anderenorts seit Jahren immer größere Probleme dar. Schon deshalb steht für den K+S Konzern in Wathlingen wirtschaftlich viel auf dem Spiel. 
Zudem steht im Abschlussbetriebsplan für das Kali- und Steinsalzbergwerk Niedersachsen-Riedel vom 11.09.2006 (Az. W 5002 A I 2005-008-IV) unter der Nebenbestimmung Nr. 7 (als Voraussetzung für die vollständige Flutung(!)):
Es ist (…) eine weitergehende Begutachtung durchzuführen, aus der hervorgehen muss, dass von diesen Stoffen (Rüstungsaltlasten) keine Gefährdung des oberhalb dieser Sohlen (650 und 750 m) durchgeführten Flutungsvorganges ausgeht und Maßnahmen getroffen wurden, die eine Verbreitung von in Lösung gegangenen Stoffen im gefluteten Grubengebäude (…) sicher verhindern.

Die genannte weitergehende Begutachtung hat K+S selbst (unzureichend) durchgeführt. Die Verteilung der Giftstoffe im Bergwerk und - wegen einer beschädigten Salzstockflanke - ins Grundwasser ist alles andere als ausgeschlossen. Statt die immensen Gefahren bei Fortsetzung der Flutung nun endlich einzugestehen, will K+S den Menschen vor Ort offenkundig aus wirtschaftlichen Gründen lieber eine Wathlinger (und Hänigser) „Asse“ zumuten. Wir haben das LBEG und Wirtschaftsminister Althusmann als dessen Fachaufsicht aufgefordert, K+S zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt jegliche Einleitungen von Wässern in das Bergwerk ab sofort zu untersagen."