"Bier-Akademie": Hotspot der Celler Gastlichkeit wird 40

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mi., 06.05.2020 - 08:54

CELLE. Nimmt man den Namen für bare Münze, geht es in diesem schönen kleinen Fachwerkhaus am Rande der Celler Altstadt allein ums Bier. Es ist jedoch eher der kleinere Schriftzug „Restaurant“ unterhalb der großen Lettern „Bier-Akademie“, der den Charakter dieses Hotspots der Celler Gastlichkeit beschreibt. Lediglich die Fässer, die über der großen Theke unter der Decke hängen, erinnern an die Gründungs-Zeiten vor 40 Jahren, als der Fokus auf den Erzeugnissen des Brauereiwesens lag. Mittlerweile dominiert eindeutig der kulinarische Genuss. Das Lokal hat sich während seines 40-jährigen Bestehens stetig gewandelt. Doch die Spezialität, mit der der Familienbetrieb aufwartet, war damals wie heute dieselbe.

Als Lothar und Gisela Harder die Akademie am 1. Mai 1980 eröffneten, war die „Rohe Roulade“ sozusagen noch in der gedanklichen Reife, die der Testphase vorausging. Diese begann 1983. „Das hat gedauert, bis sie so schmeckte, dass wir zufrieden waren“, blickt die Seniorchefin zurück auf die Anfänge. Ihr Mann Lothar, der im Jahr 2017 verstorben ist, nahm sich viel Zeit zum Experimentieren. „Das Schwierigste war es, die Gewürzmischung zu finden“, erzählt die Gastronomin. Diese ist bis heute geheim, sie wird eigens für die Akademie hergestellt. Erst im Jahr 1986 begann das Ehepaar, ihren Gästen die Spezialität, die es ausschließlich in Celle gibt, zu servieren.

Eine optimale Ergänzung zu der Bandbreite an nationalen und internationalen Fassbier-Sorten, die in den Anfangsjahren des damaligen Celler Gastronomie-Neuzugangs das Herzstück des Angebots bildete. „Es sollte eben etwas sein, was man studieren konnte“, erläutert die Unternehmensmitbegründerin das damalige Konzept und die außergewöhnliche Namensgebung. Wer wollte, konnte sogar ein Bierdiplom erwerben. „Den Namen wollten wir nicht aufgeben, aber fast alles Übrige ist dem Restaurant gewichen“, sagt Tochter Nicole und springt damit ins Jahr 1996, als sie gemeinsam mit Ehemann Christian Hagelberg in die Firma einstieg. „Die beiden haben uns mit ihrem Plan, sich aufs Essen zu fokussieren, ins neue Jahrtausend geholt“, blickt Gisela Harder nicht ohne Stolz zurück. Für Nicole und Christian bot sich der Einstieg in den Betrieb an. „Seit ich 17 bin, arbeite ich in der Gastronomie“, berichtet Nicole Hagelberg, die im Celler Ratskeller Restaurantfachfrau gelernt hat. Ihr Mann ist von Hause aus Konditormeister, und nun als Wirt für die Theke im Erdgeschoss zuständig, während seine Frau und die Schwiegermutter für die täglich frisch zubereiteten deutschen Speisen sorgen. „Zu uns kommen Jung und Alt, von Mitte 20 bis ins hohe Alter“, berichtet der Wirt. Das Lokal ist innerhalb von vier Jahrzehnten zu einer Celler Institution herangewachsen. Die Auswahl an Gerichten hat sich stetig erweitert, mittlerweile sind nur noch vier verschiedene Biere vom Fass im Angebot. „Es wird viel Wein zum Essen getrunken“, berichtet die Seniorchefin.

Sie hat das Familiäre, Authentische als Erfolgsrezept der „Bier-Akademie“ ausgemacht: „Das ist das, was die Leute wollen“. Im Ambiente findet sich dieser familiäre Charakter wieder. Eine sehr alte, wohlgeformte Holztreppe führt vorbei an mit Celle-Motiven behangenen Wänden ins Obergeschoss. Hier lässt sich eine Auszeit nehmen. Der Alltag bleibt für ein paar Stunden draußen, wenn in dieser urgemütlichen Gaststube mit Blick auf den umtriebigen Neumarkt Speis und Trank serviert und Geselligkeit gepflegt wird.

Mit der Antwort auf die Frage, wieso es ein Lokal schafft, sich dauerhaft zu etablieren und im günstigsten Fall zu einer Institution zu werden, verhält es sich ähnlich wie mit der Gewürzmischung für die „Celler Rohe Roulade“ – sie bleibt ein Geheimnis. Einige Voraussetzungen sind jedoch nach Ansicht der drei Profis unerlässlich, um in der Gastronomiebranche ein 40-jähriges Jubiläum feiern zu können. „Qualität, Beständigkeit, Familien-geführt und ein tolles Team“, benennen die Juniorchefs Nicole und Christian Hagelberg als ihr Erfolgsrezept. Und Seniorchefin Gisela Harder ergänzt: „Bei uns fühlt man sich einfach wohl!“