CELLE. Werner Gläser ist sauer. Der Blindenbeauftragte gleich mehrerer landesweiter Gremien hält die Sperrung des Fußgängerüberweges am Celler Neumarkt-Kreisel für rechtswidrig. Allerdings: Er glaubt aufgrund eines Medienberichtes, das sei eine endgültige Entscheidung. Nach CelleHeute-Informationen steht diese Sperrung jedoch zunächst im Zusammenhang mit der Sperrung der Hehlentorstraße, um den Verkehrsfluss zu verbessern – das bestätigte auf Nachfrage Celles OB Dr. Jörg Nigge.

In einem Brief Gläsers an den OB heißt es: „Aus dem Internet erfuhr ich soeben, dass ein Zebrastreifen am Kreisverkehr an der Mühlenstraße / Hafenstraße abgesperrt wurde. Das ist unzulässig. Ich übersende Ihnen nochmals den Beschluss des Deutschen Verkehrssicherheitsrats von 2012, wonach alle Zu- und Ausfahrten bei innerörtlichen Kreisverkehren mit Zebrastreifen gesichert sein müssen. Die Absperrung muss sofort entfernt werden.“

An dem Übergang sind auch Bodenindikatoren für blinde und sehbehinderte Menschen verlegt, die auf eine zebrastreifengesicherte Querung hinweisen. Das ganze Bodenleitsystem müsste geändert werden, damit diese Personen nicht ahnungslos in den Fahrverkehr laufen.
Auch nach einer Sperrung des Übergangs werden weiterhin Fußgänger an der Stelle die Straße queren. Bei Unfällen haften nicht die Fußgänger, die die Straße an einer nicht gesicherten Querung überqueren, sondern die Stadt Celle und die Verantwortlichen, die gegen en Beschluss des Deutschen Verkehrssicherheitsrats verstoßen haben.

Die Ampelquerung am Neumarkt, die oftmals als Alternative zur Querung am Kreisverkehr genannt wird, ist absolut nicht barrierefrei. Sie enthält keine blindentechnischen Zusatzeinrichtungen und ist durch die zeitversetzten Grünphasen überhaupt nicht mehr zulässig. Gerade Menschen mit Seheinschränkungen benutzten darum den jetzt gesperrten für sie barrierefreien und sicheren Überweg z.B. zum Ärztehaus am Neumarkt.

Der Übergang am Kreisverkehr ist alternativlos, es sei denn, man gestaltet die Querung am Neumarkt sofort barrierefrei um. Nach wie vor ist mir allerdings schleierhaft, warum man an der Stelle überhaupt einen Kreisverkehr kaum 200 m nach einer ampelgeregelten Hauptkreuzung eingerichtet hat. Dass konnte sich schon durch die zahlreichen zusätzlichen Abbieger aus der Hafenstraße Richtung Allerbrücke nicht rechnen. Die querenden Fußgänger sind nicht der Grund des Übels, denn kurz nach dem Übergang muss man ja ohnehin vor der Ampel halten.
Es gibt mittlerweile sehr gute Simulationsprogramme, die die Effektivität von Kreisverkehren berechnen und darstellen. Diese Kompetenzen hätte man nutzen können, bevor man jetzt aus einem Chaos ein noch größeres anrichtet.“

Auf Nachfrage on CelleHeute, warum ein Übergang am Kreisel rechtlich bindend und „alternativlos“ sei, später aber eine Ausnahme gemacht werden könne, wenn die Ampelanlage behindertengerecht gestaltet sei, antwortet Gläser: „Es ist unabdingbar, dass alle Übergänge am Kreisverkehr mit Zebrastreifen gesichert sein müssen. In der Diskussion ist aber immer wieder zu hören, dass der ampelgesicherte Übergang am Neumarkt genutzt werden sollte. Wie ich in meinen Ausführungen beschrieben habe, ist dieser allerdings nicht barrierefrei und stellt besonders für blinde und stark sehbehinderte Menschen eine Gefahr dar. Die Grünphasen sind unterschiedlich geschaltet, was insofern gefährlich ist, dass Menschen (besonders Sehbehinderte und Kinder) bei Rotlicht auf die Fahrbahn treten, wenn die Fußgänger auf der entgegen gelegenen Seite losgehen, da sie bereits grünes Licht haben. Die Querung ist weder mit Bodenindikatoren noch mit blindengerechter Zusatztechnik wie akustische Signale oder Vibration am Anforderungstaster nach DIN 32984 und DIN 32981 ausgestattet. Von daher kann sie überhaupt nicht als Alternative dienen, selbst wenn das nach den Regelwerken zu Kreisverkehren zulässig wäre.“

Die Stadt habe ihm schon vor Jahren versprochen, für „Lösungen zu sorgen“, doch geschehen sei nichts. „Klar sind die Staus für Autofahrer ärgerlich und schlimm, wenn z.B. Rettungsfahrzeuge feststecken. Aber ich bezweifle, dass wirklich die Fußgänger dafür verantwortlich sind. Staus hat es in der Mühlenstraße immer schon gegeben“, ist Gläser überzeugt. „Nun kommen noch die Abbieger aus der Hafenstraße dazu und die Fahrzeuge, die eine 180Grad–Wende machen, um in die Fritzenwiese abzubiegen, drängeln sich jetzt ebenfalls auf die eine Fahrbahn. Das sind Dinge, die man vorher hätte bedenken müssen und simulieren können. Was passiert denn, wenn die Allerinsel tatsächlich einmal belebt wird?“

Abschließend fragt sich der Blindenbeauftragte: „Hat die Stadt für den Bau des Kreisverkehrs Fördermittel erhalten? Die müssten dann ja wohl zurückgezahlt werden.“

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