Blitzumfrage: Niedersächsische Wirtschaft erholt sich nur langsam 

Wirtschaft Von Redaktion | am Mo., 29.06.2020 - 19:15

HANNOVER. Die Wirtschaft nimmt nur langsam wieder Fahrt auf. Nach den stufenweise eingeleiteten Lockerungen fehlt aktuell bei knapp zwei Drittel der Unternehmen in erster Linie die Nachfrage. Mehr als jeder fünfte Betrieb steht sogar immer noch still. Mit einer Rückkehr zur Normalität rechnet knapp jedes zweite Unternehmen erst im Laufe des Jahres 2021. Das ist das Ergebnis der 4. IHK-Blitzumfrage für Niedersachsen mit knapp 1.000 Unternehmensantworten aus der letzten Juni-Woche.

„Die große Mehrzahl der Unternehmen leidet unter geringer Nachfrage und fehlender Kundschaft bei gleichzeitig hohen Fixkosten. Insbesondere die Branchen, die aufgrund der behördlichen Vorgaben in eine existenzgefährdende Situation gekommen sind, müssen auch in der kommenden Förderphase unterstützt werden. Die Unternehmen benötigen eine direkte Unterstützung, keine Kredite, die sie später nicht bedienen können. Jetzt gilt es, die Belastungen durch Steuern und Abgaben zurückzufahren“, so Dr. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen. 

23 Prozent der Unternehmen in Niedersachsen gaben in der letzten Juni-Woche an, dass ihr Betrieb nahezu oder komplett stillsteht; vor zwei Monaten Ende April hatten dies noch 44 Prozent der Betriebe gemeldet. 12 Prozent berichten aktuell von einer drohenden Insolvenz in den nächsten Monaten (April: 15 %). Unverändert mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet auf Jahressicht mit einem Umsatzrückgang von über 25 Prozent, ein Viertel sogar mit über 50 Prozent. Besonders betroffen bleiben in Niedersachsen aktuell das Gastgewerbe, die Reisewirtschaft und der Veranstaltungsbereich. Die schwachen Geschäfte führen unverändert zu einer rückläufigen Eigenkapitalausstattung vieler Unternehmen (52 %) und in 44 Prozent der Fälle, trotz aller Soforthilfen, zu konkreten Liquiditätsengpässen. 
Infolge der geringen Umsätze ergreifen die Unternehmen die unterschiedlichsten Maßnahmen. Jeder zweite Betrieb (51 %) hat Kurzarbeit angemeldet, knapp die Hälfte der Betriebe (46 %) hat Soforthilfe in Anspruch genommen, jeder Dritte hat Steuerstundungen beantragt, lediglich 22 Prozent haben Förderkredite in Anspruch genommen. Jeder zweite Betrieb plant aber auch, zur Schonung der Liquidität die Investitionen zu kürzen. 
Obwohl bei den meisten Unternehmen die Lieferketten intakt sind suchen doch etliche Unternehmen neue Lieferanten, den Großteil davon (79 %) in Deutschland. Diese Rückverlagerung der Produktion bezieht sich hauptsächlich auf Asien. 
Während nahezu 65 Prozent (April: 60 %) mit einem konstanten Personalbedarf planen, geben aktuell noch 28 Prozent (April: 38 %) der Unternehmen an, dass sie sich gezwungen sehen, Personal abzubauen. 
Mitte Juli werden die ausführlichen Branchenergebnisse der regelmäßigen Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern für das zweite Quartal vorliegen.