Bruder Sonne und Schwester Mond: Ein Abend zu Franz von Assisi in der Bonifatiuskirche

Religion Von Redaktion | am Mo., 23.09.2019 - 17:03

CELLE. Der Theologe Helmut Geiger hat zusammen mit der Schauspielerin Rosemarie Schilling einen unterhaltsamen Vortragsabend über Franz von Assisi in der Bonifatiusgemeinde Klein Hehlen gestaltet.

"Er war der Kopf einer Jugendbande", so beschrieb ein mittelalterlicher Chronist die frühen Jahre Franz von Assisis. Referent Helmut Geiger erläuterte, dass es nach heutigen Maßstäben eher so war, dass der junge Franz mit seinen Freunden gerne abends in Assisi um die Häuser zog und einiges in den Wirtshäusern für Bier und Wein ausgab.

Der studierte Jurist und langjährige Pastor der evangelischen Kirchengemeinde in Klein-Hehlen, Helmut Geiger, brachte die Fülle der Informationen über den Gründer des Franziskaner-Ordens immer wieder mit kleinen Anekdoten dieser Art in eine ansprechende Form für die Zuhörer. Davon hatten sich etwa dreißig in dem damit gut gefüllten Vortragsraum am Mittwochabend in der Bonifatiuskirche eingefunden. Im perfekt harmonierenden Zusammenspiel mit der Schauspielerin Rosemarie Schilling, die verbal in verschiedene Rollen schlüpfte - von Zeitchronisten, Bischöfen und zuletzt Franz von Assisi selbst - wurde den Besuchern ein anspruchsvoller und unterhaltsamer Abend geboten.

Giovanni Battista Bernadone wurde 1182 im italienischen Assisi geboren, von seinem Vater, einem reichen Geschäftsmann, aber immer nur Francesco genannt. Er hatte eine privilegierte Jugend und genoss eine gute Ausbildung in einer kirchlichen Einrichtung - Lesen und Schreiben zu lernen war zu dieser Zeit nicht selbstverständlich. Dort lernte er auch den späteren Bischof der Region kennen, mit dem ihn zeitlebens eine enge Freundschaft verband. Der Vater ließ Franz einiges an Geld zukommen, was dieser gerne ausgab, und weil er als sehr spendabel galt, einen großen Freundeskreis um sich scharte.

Für die Geschäfte seines Vaters, der in Franz naturgemäß seinen Nachfolger sah, hatte er allerdings nur bedingt Interesse. Vielmehr träumte er von Heldentaten und Ritterwürde. Alsbald ergab sich eine Gelegenheit, seine Träume wahr werden zu lassen: in einer Schlacht gegen die verfeindete Nachbarstadt Perugia. Doch wie so oft klaffen Heldensagen und die Realität stark auseinander. Perugia gewann die Schlacht und Franz geriet in Kriegsgefangenschaft.

Als er nach Monaten wieder zurück in seine Heimatstadt durfte, war er ein völlig veränderter Mensch. Die Grausamkeiten des Krieges und der Gefangenschaft hatten aus dem naiven, nach außen gekehrten jungen Mann einen Menschen gemacht, der nun die Einsamkeit und innere Einkehr suchte. Er beschenkte die Armen und verbrachte viel Zeit mit Leprakranken, die vor den Toren der Stadt in Armut hausen mussten, weil die Stadtbewohner befürchteten, sich anzustecken. Gerade wegen dieser Besuche galt er seinem Vater und seinen ehemaligen Freunden zunehmend als Sonderling oder sogar als Verrückter.

Alle Versuche des Vaters, Franz zur "Vernunft" zu bringen, fruchteten nicht - im Gegenteil: Er wurde immer radikaler in seinem Ablehnen des weltlichen Lebens und seiner Hingabe zu den Schriften der Bibel. Er verzichtete auf sein Erbe, verschenkte sein letztes Hab und Gut und lebte fortan in der Natur, predigte den Tieren im Wald und lobte und preiste die Natur als Gottes Schöpfung. Das war der Zeitpunkt, als Franz zu der Person wurde, die heute viele mit Franz von Assisi verbinden: der Heilige, der mit den Tieren sprach.

Es ist durchaus möglich, dass Franziskus nach seinem Tod schnell wieder in Vergessenheit geraten wäre, wenn nicht sein alter Freund Guido, der Bischof von Assisi, zwischenzeitlich eine steile Karriere in der Kirche gemacht hätte, der sogar den Papst davon überzeugen konnte, mit Franz von Assisi einen großen Mystiker in den Reihen der Kirche zu haben. So kam es, dass der Ordensgründer kurze Zeit nach seinem Tod vom Papst heiliggesprochen wurde.

Gerade in der heutigen Zeit scheinen seine Überzeugungen von der Liebe zur Natur und den Tieren, seiner Abscheu vor Profit und Gier und nicht zuletzt seine Wandlung zu einem überzeugten Friedensaktivisten wieder ganz aktuell zu sein. In der christlichen Kirche ist er übrigens der Schutzpatron der Tiere und der Umwelt. Einen würdigen Abschluss fand der faszinierende Vortragsabend in dem gemeinsamen Singen über Bruder Sonne und Schwester Mond aus dem wohl bekanntesten Lied von Franz von Assisi, dem Sonnengesang, unter der musikalischen Leitung des Musikers Dirk Buerke am Klavier.

Text: Georg Wießner
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