„Zwischen Menschenhandel und Endlösung...“: Buch zur Geschichte des KZ Bergen-Belsen neu aufgelegt

Wissenschaft Von Susanne Zaulick | am Mi., 15.04.2020 - 17:06

BERGEN-BELSEN. Anlässlich des heutigen 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Bergen-Belsen erscheint eines der Standardwerke über das Lager in diesem Monat in zweiter, überarbeiteter Auflage: „Zwischen Menschenhandel und ‚Endlösung‘: Das Konzentrationslager Bergen-Belsen“. Die Autorin Dr. Alexandra-Eileen Wenck hat auf 488 Seiten die politischen Motive und verwaltungstechnischen Abläufe zusammengetragen, die zur Einrichtung des Lagers führten und seinen Betrieb ermöglichten. Wer waren die Akteure, die dieses System unterhielten? Wer wurde aus welchen Gründen hier inhaftiert? Wie lebten und warum starben die Menschen in Bergen-Belsen? Diesen Fragen geht die Autorin im Zuge ihrer wissenschaftlichen Arbeit nach. Das Buch erschien erstmals im Jahr 2000 auf Grundlage der Promotionsarbeit von Alexandra Wenck. Mittlerweile hat die in Hermannsburg lebende Historikerin ihr Buch auf Grundlage der aktuellen Quellen, unter anderem der Gedenkstätte Bergen-Belsen, überarbeitet. 

„Das Standardwerk zur Geschichte insbesondere des Austauschlagers im KZ Bergen-Belsen. Auf breiter Quellengrundlage gründlich recherchiert und auf dem neuesten Forschungsstand“, lautet das Fazit von Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen. „Für die Erforschung der Konzentrationslager im Kontext des Massenmordes an den Juden Europas liegt hier ein unverzichtbares Buch vor“, kommentiert Johannes Tuchel („Das politische Buch“). 

„Seit der Befreiung der Häftlinge durch englische Truppen am 15. April 1945 wird das Konzentrationslager Bergen-Belsen neben Auschwitz häufig als Metapher der nationalsozialistischen Lager bzw. des Konzentrationslager (KL)-Systems begriffen. Doch gerade Bergen-Belsen eignet sich aufgrund seiner Entstehung und seiner Geschichte nicht, als ein solches pars pro toto eingesetzt zu werden. Vielmehr war das später offiziell als ‚Aufenthaltslager Bergen-Belsen‘ bezeichnete Lager von Anfang an ein Ausnahmefall unter den Konzentrationslagern“, schreibt Alexandra Wenck in der Einleitung des Buches. Vor diesem Hintergrund erläutert sie im weiteren Verlauf detailliert, wie das Lager – in den noch aus der Einrichtung des Truppenübungsplatzes vorhandenen „Baubaracken“ - eingerichtet und betrieben wurde, wie es nach und nach für verschiedene Zwecke genutzt wurde bis es, unter anderem durch Evakuierungstransporten aus weiter östlich gelegenen Konzentrationslagern, den Zustand erreichte, in dem britische Truppen es am 15.  April 1945 vorfanden und dessen Bilder von Leichenbergen um die Welt gingen.

Das Lager Bergen-Belsen hatte im Laufe der Kriegsjahre verschiedene Funktionen. Insbesondere beleuchtet Alexandra Wenck seine Einrichtung als so genanntes Austauschlager. Der im Titel des Buches genannte „Menschenhandel“ wurde in Bergen-Belsen vollzogen, indem Menschen gezielt wegen ihres Wertes für einen Austausch gegen im Ausland inhaftierte Reichsdeutsche oder auch gegen Waren inhaftiert wurden. 

Geplanter Erscheinungstermin des Buches war der Tag der zentralen Gedenkfeier am 19. April. Coronabedingt verschiebt sich der Erscheinungstermin auf Ende April. „Zwischen Menschenhandel und ‚Endlösung‘: Das Konzentrationslager Bergen-Belsen“ erscheint im LIT Verlag und kostet 24.90 Euro. 488 Seiten, ISBN: 978-3-643-14621-2