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Bergen

Buchpremiere von Bergens Stadtschreiber Daan Heerma van Voss

17.01.2019 - 13:30 Uhr     Externer Autor    0
Rainer Prokop, Bürgermeister der Stadt Bergen, überreicht Stadtschreiber Daan Heerma van Voss zum Abschied die Skulptur „Gut gemacht!”. Fotos: urbanPR

BERLIN/BERGEN. Rund 150 Literaturinteressierte und Freunde der besonderen Beziehungen zwischen der Stadt Bergen und den Niederlanden trafen sich gestern Abend in der Niederländischen Botschaft am Spreeufer in Berlin, um an der Buchpremiere der deutschen Übersetzung des Romans „Abels letzter Krieg” von Daan Heerma van Voss teilzunehmen. Gemeinsam eingeladen hatten seine Exzellenz, Botschafter Wepke Kingma, Günther Opitz von der dtv Verlagsgesellschaft und Rainer Prokop, Bürgermeister der Stadt Bergen, in der Daan Heerma van Voss 2017 und 2018 als Stadtschreiber tätig war.



Der Autor, der bereits mehrere Romane, Erzählungen, Essays und Interviews veröffentlicht hat, las drei Passagen aus seinem Roman über einen „Mann im Ausnahmezustand” in Folge persönlicher Niederlagen und gesellschaftlicher Verrohung. Er wurde dabei von Sigrid Brinkmann, Feature-Autorin für den ARD-Hörfunk und Moderatorin des Kulturmagazins „Fazit” beim Deutschlandfunk, und von Jan Hirte an der Blues-Gitarre begleitet.

Botschafter Webke Kingma stellte bei seiner Begrüßung die vielseitigen Beziehungen seines Landes zur Stadt Bergen heraus: die Gedenkstätte Bergen-Belsen, die Anne-Frank-Friedenstage, die seit 1999 in Bergen stattfinden, die niederländischen Streitkräfte dort bis Mitte der 1990er Jahre und wieder seit 2016 und schließlich seit 2015 der literarische Brückenschlag mit Schreibresidenzen junger niederländischer Autoren in der niedersächsischen Kleinstadt. Eine seiner ersten Reisen als Botschafter in Deutschland führte ihn nach Bergen, wo er im Frühjahr 2018 in der Gedenkstätte Bergen-Belsen die Ausstellung „Die Kinder von Bergen-Belsen“ mit eröffnete.

„Ich lernte Daan Heerma van Voss, einen der regsten niederländischen Autoren und Kommentatoren seiner Generation, tatsächlich letztes Jahr in Bergen kennen”, so der Botschafter, eine Stadt, für die Aufarbeitung keine rein rückwärts-gewandte Aufgabe sei. Botschafter Kingma: „Vielmehr ist es eine aufgeschlossene, lebenshungrige Stadt, die auf moderne, zeitgenössische Art aus der Geschichte lernen möchte. Dafür hat sie etwas getan, was für eine Stadt ihrer Größe eher selten ist: Sie hat ein Writer in Residence-Programm ins Leben gerufen. Geschichte wird so zur Ausgangsbasis von Geschichten. Geschichten, die von jungen Autoren und Autorinnen in einer heutigen Sprache geschrieben werden. Geschichten können helfen, die Welt und uns besser zu verstehen. Und genau daran wird in Bergen gearbeitet.”

Bürgermeister Rainer Prokop würdigte Daan Heerma van Voss als guten Beobachter und Zuhörer, der die einfachen Menschen mag und ihr besonders wertvolles Leben würdigt, der sich ausführlich mit den Themen Krieg und Flucht beschäftigt. „Ausgrenzung, Entrechtung, Offenheit und Menschenwürde verdichtest Du in literarischen Idealen und in Sehnsucht nach Emanzipation. Die großen und die kleinen Kriege, die Du beschreibst, sie gehen mir unter die Haut”, so Prokop. Der Bürgermeister beschrieb Bergen als eine Stadt, in der Menschen aus 57 Nationen, verschiedener ethnischer Herkünfte, Religionen und Konfessionen zusammenleben. Mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen und dem NATO-Truppenübungsplatz stehe Bergen für den Friedensbegriff und für Internationalität. Rainer Prokop: „Wir bewegen uns in schwerem Gelände der Geschichte. Und unsere Integrationsleistungen in der Gegenwart haben auch immer mit Schicksalen und mit der Lösung von Problemen zu tun, mit Vorurteilen, mit Liebe, Engagement, Nichtwissen, Angst auch vor falschen Entscheidungen. All diese unsere eigenen Erfahrungen hatten mich neugierig auf Deinen Roman gemacht. Ich habe Vieles wiedergefunden.” Der Bürgermeister überreichte Daan Heerma van Voss zum Abschied die Skulptur „Gut gemacht”.

Der literarische Brückenschlag Bergens zu den Niederlanden wird fortgesetzt. 2019 und 2020 gibt es eine Stadtschreiberin in Bergen: Ariëlla Kornmehl, geboren 1975 in Amsterdam, ist eine niederländische Schriftstellerin jüdischen Glaubens. Von ihr stammen Romane wie der „Schmetterlingsmonat”, „Was Du mir verschweigst”, oder „Alles, was wir wissen konnten”. Bergen wird ihr erstes Stadtschreiber-Projekt sein. Sie stellte sich per Videoclip selbst vor (https://youtu.be/fQRcAR0hfFU).

25 Gäste aus Bergen, unter ihnen Henning Otte, MdB (CDU), Stadtratsvorsitzende Marianne Kohrs, Gedenkstättenchef Dr. Jens-Christian Wagner, Christian Waldow vom Deutsch-Niederländischen Panzerbataillon 414, Kerstin Strack, Anne-Frank-Oberschule Bergen, Mitglieder des Niederländischen Traditionsvereins Bergen, der Landfrauen und des Kulturkreises, hatten bereits am Nachmittag in Berlin bei einer Führung durch das Botschaftsgebäude die besondere Architektur des Stararchitekten Rem Koolhaas erlebt.

Beim an die Buchlesung anschließenden Empfang in der Botschaft kreisten die Gespräche – auch der Bergener Gäste – darüber, wie in Zeiten von Twitter-Kurzbotschaften das Buch für die Zukunft bewahrt werden und man sich die Welt auch erlesen sollte. Daan Heerma van Voss, so Bürgermeister Prokop, sei immer wieder in Bergen willkommen. Daan abschließend: „Ich werde gern nach Bergen zurückkehren, vielleicht irgendwann zu einer Triple-Lesung mit allen Bergener Stadtschreibern von 2015 bis 2020.”

Der Roman „Abels letzter Krieg” von Daan Heerma van Voss ist in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG München erschienen.

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