Bündnis gegen Rechtsextremismus Eschede will NPD Kosten für Polizeieinsatz in Rechnung stellen

Gesellschaft Von Extern | am So., 14.06.2020 - 20:00

ESCHEDE. Zum Verlauf der Kundgebung gegen Rechts und der Absage des NPD-Aufmarschs in Eschede teilt das dortige Bündnis gegen Rechtsextremismus mit:

"Ein Erfolg auf der ganzen Linie sorgt für große Freude in der Gemeinde Eschede. Eine äußerst bunt geschmückte Bahnhofstraße und rot-weiße Protestkreuze an allen Ecken und Enden in der Gemeinde haben es der NPD zu bunt werden lassen: Sie sagten ihren Propagandaauftritt kurzfristig ab. Mittlerweile kommt jedoch der Verdacht auf, dass die Absage langfristig geplant war und so stellt sich die Frage, ob das massive Polizeiaufgebot vom Steuerzahler oder nicht doch von der NPD zu bezahlen sei.

An dem vergangen, sonnigen und warmen, Samstagmorgen kam im Vorfeld der angekündigten Propaganda-Aktion der NPD eine Volksfest ähnliche Stimmung bei den Anwohnern der Bahnhofstraße in Eschede auf. Überall wuselten Kinder mit Straßenmalkreide und bunten Krepppapier umher. An den Hauseingängen und auf den Bürgersteigen hielten die Nachbarn einen Schnack über den bevorstehenden Tag. Doch von Angst und Sorge war nichts zu spüren. Alle waren ausgelassen, man tauschte sich über kreative Dekorationsmöglichkeiten aus oder nutzte die Gunst der Stunde um sich mal das eine oder andere Haus von Innen anzusehen. Gegen 10:00 Uhr rückte dann die Polizei mit einem massiven Aufgebot an und bereitete die Errichtung von Straßenabsperrungen vor.
Doch diese sollten nicht zum Einsatz kommen. Gegen 11:30 Uhr teilte die Polizei mit, dass die NPD den Aufzug abgesagt hat. Offizielle Begründung: Man bekäme bei der NPD nicht genug Umzugsteilnehmer zusammen!

Fotos von Recherche-Nord zeigen jedoch ein aktives Baugeschehen auf dem Gelände des NPD-Schulungszentrums zu diesem Zeitpunkt - mit nicht wenigen Teilnehmern. Daher stellt sich nun die Frage, ob das Ganze nicht durch die NPD inszeniert wurde, damit sie gut beschützt durch die Staatsmacht ihre Bauaktivitäten durchführen konnte? Wenn dem so ist, warum soll dann der Steuerzahler für den Einsatz aufkommen und nicht eben die NPD? Dennoch stand jetzt schon das Dorf geschlossen an der Bahnhofstraße, gemeinsam mit vielen Angereisten, die genauso wie die Einwohner Eschedes den NPD-Hof als Schandfleck für Eschede wahrnehmen. Und so ging es dann um 12:30 Uhr los zu einem ruhigen und friedlichen Spaziergang durch die bunt verzierte Bahnhofsstraße. Alle konnten nur Staunen über die dort gezeigte Kreativität der dort geleisteten Verzierungen und bunten Farbspielereien.

Von 13:00 bis 14:00 Uhr ruhte man sich dann im Schatten der Bäume vor dem Bahnhof aus. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Bürger und angereiste Antifa kamen sich näher, tauschten sich aus und viele Vorurteile und Vorbehalte konnten gegenüber den dunkel gekleideten jungen Menschen abgebaut werden. Nicht zuletzt dem Landfriedensbruch Eschede ist es zu verdanken, dass viele dieser Teilnehmer vom Parolenschwangeren Großstadtmodus in den für ein Dorf verträglichen ruhigen Protest umgeschwenkt sind. So war die Solidarität so denn auch groß. Man versorgte sich in der schwülen Hitze gegenseitig mit Getränken und viele Einwohner ließen den einen oder anderen angereisten Gast seine Sanitäranlagen benutzen, was gerade in Coronazeiten mit geschlossenen öffentlichen Toiletten dankbar angenommen wurde.

Um 14:00 Uhr ging es dann auf kurzer Strecke durch einen anderen schönen Teil von Eschede, über den Achtergarten und die Rebberlaher Straße, im bekannten Spaziergangsformat zum Rathaus und damit zur Abschlusskundgebung mit offenem Mikrofon. Hier sprachen dann viele Vertreter der lokalen Politik und brachten ihre Begeisterung für das friedliche und bunte Toleranzfest zum Ausdruck. So befindet der Bürgermeister Günter Berg über die Escheder an diesem Tag: 'Es ist grandios, was Ihr auf die Beine gestellt habt'. Doch mahnen auch viele Stimmen, dass die NPD so leicht nicht aufgeben wird: 'Das war heute nur ein Punktsieg', so der Sprecher des Bündnisses gegen Rechtsextremismus in Eschede, Marlon Gollnisch. Der Druck muss auch zukünftig aufrecht erhalten werden, 'damit die NPD keinen Fuß bei uns in die Tür bekommt.' Am kommenden Samstag, den 20.06.2020 will die NPD den nächsten Versuch unternehmen, 'doch Eschede wird wieder bereit und bunt sein!', so Gollnisch