Bündnis plant Mahn- und Protestaktion in Unterlüß

Gesellschaft Von Extern | am Mi., 19.02.2020 - 13:31

UNTERLÜSS. Für Ostersamstag, 11. April, ruft ein Bündnis aus verschiedenen Initiativen und Institutionen, darunter auch das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus sowie das ev. luth. Missionswerk in Niedersachsen, zu einer gewaltfreien Mahn- und Protestaktion unter der Überschrift „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Ostersamstag 2020 in Unterlüss / Südheide“ auf. Zum Hintergrund und zu ihren Zielen teilen die Veranstalter mit:

"Ostern 2020 sind bereits 75 Jahre seit der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen vergangen und 60 Jahre nach dem ersten Ostermarsch gegen Atomwaffen nach Bergen-Hohne. Am 15. April 1945 wurde das Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. 52 000 Menschen starben in dem Lager aufgrund der Haftbedingungen – für andere war es eine Durchgangsstation in ein Vernichtungslager.

Im KZ- Außenlager „Tannenberg“ bei Unterlüß waren bis zu 900 Frauen untergebracht, die im Straßen- und Gleisbau und in der Waffenschmiede Rheinmetall-Borsig AG arbeiten mussten. In Unterlüß existierten neben „Tannenberg“ noch andere Lager, in denen Fremdarbeiter, Kriegsgefangene und andere Zwangsarbeiter verschiedener Nationalitäten untergebracht waren. Sie mussten ebenfalls in der Munitionsproduktion bei Rheinmetall-Borsig AG arbeiten.

Vom 15. – 18. April 1960 fand der erste viertägige Ostermarsch in Norddeutschland statt. Es war ein Sternmarsch mit Teilnehmer*innen aus Braunschweig, Bremen, Hannover und Hamburg und aus England. Ziel war der Truppenübungsplatz Bergen-Hohne, der an das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen grenzte.

Wie die Hamburger Morgenpost am 6. Dezember 1959 berichtet hatte, wurden dort Übungen mit Atom-Raketen vom Typ „Honest-John“ durchgeführt. Die Vorstellung eines neuen ‚Todes-Zentrums‘ ließ sich wegen der Nähe zum ehemaligen KZ nicht beiseite drängen. Der Protest richtete sich „gegen atomare Kampfmittel jeder Art in Ost und West“. 'Wir woll(t)en den Frieden in die eigenen Hände nehmen, nachdem wir erneut gemerkt haben, wie sehr uns die Politiker allein gelassen haben.' (Helga und Konrad Tempel, Initiatoren des ersten Ostermarsches)

Heute – 75 Jahre nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Terror-Herrschaft und dem Ende der Zwangsarbeit bei Rheinmetall und 60 Jahre nach dem ersten deutschen Ostermarsch – stellt der Rüstungskonzern weiterhin Waffensysteme her, die in Krisen- und Kriegsgebieten den Tod zahlloser Menschen verursachen. Restriktionen beim Waffenexport umgeht Rheinmetall durch Produktion im Ausland (z.B. in Sardinien und Südafrika).

Wegen der anhaltenden Aktualität und mit Bezug auf diese denkwürdigen Jahrestage versammeln wir uns am Ostersamstag, den 11. April 2020, am Rheinmetall-Standort Unterlüß und anschließend am KZ-Außenlager Tannenberg zu einer gewaltfreien Osteraktion, mit der wir eine Brücke schlagen zwischen diesen beiden Orten (vier Kilometer voneinander entfernt).

Unsere Appelle lauten:

Für ein Verbot aller Atom- und Massenvernichtungswaffen - Deutschland muss den Verbotsvertrag unterzeichnen!

Für den Stopp jeglichen Rüstungsexports!

Für die vollständige Umwandlung auf zivile Produktion bei Rheinmetall und anderen Rüstungsbetrieben!

Bisherige Unterzeichner*innen:

• KURVE Wustrow - Bildungs- & Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion
• JunepA – Junges Netzwerk für politische Aktionen
• Basisgemeinschaft Brot & Rosen (Hamburg)
• Berliner Initiative ’Legt den Leo an die Kette’
• Rheinmetall entwaffnen - Rhein Main
• Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus
• COMM e.V. (Lübtheen)
• AGDF – Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (Bonn)
• Arbeitskreis Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen
• Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (Hermannsburg)
• Internationale katholische Friedensbewegung pax christi (Deutsche Sektion)
• pax christi, Diözesanverband Hildesheim
• pax christi-Regionalverband Osnabrück-Hamburg
• Internationale der Kriegsdienstgegner*innen (IDK)
• Friedenskreis Halle

Antje Holst, Helga Janssen, Antje Grasshoff, Dr. med. Anna Staufenbiel-Wandschneider, Birgit Gödde (Brot und Rosen), Michael Schade, Dr. Wolfgang Hertle, Sönke Wandschneider, Christopher Hatton, Dr. Stephan Linck (Evangelische Akademie der Nordkirche) Michael K. Nathan (alle Hamburg), Helga Tempel und Konrad Tempel (Ahrensburg), Joel Campe, Jochen Neumann, Veronika Hüning, Grita Voelkel, Susanne von Imhoff (alle Wendland), Lutz Krügener (Pastor, Beauftragter für Friedensarbeit), Tobias Schäfer-Sell (beide Hannover), Maria Braig (Osnabrück), Davorka Lovrekovic (Quäker und Versöhnungsbund),  Gisa Luu, Renate Stubenrauch (alle drei Frankfurt/ M.), Schulamith Weil (Ferien vom Krieg, Köln), Günter Knebel, (Vorstandsmitglied Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V. , Bremen), Hans-Dietrich Springhorn (Hamburg u. Faßberg-Müden /Ö.), Frieder Schöbel, Initiator des Friedenszentrum Braunschweig, Heinz D. Kappei (beide Berlin), Marie Dinkgrefe und Jan Stehn (Werder /Havel), Ernst-Ludwig Iskenius, Arzt, IPPNW; Carsten Orth (beide Lübtheen), Elisabeth & Dieter Kaltenhäuser ( DFG-VK Breisach)"