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Gesellschaft

Bürgerempfang in Celle – Politiker mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet – Große Bildergalerie

01.12.2017 - 21:27 Uhr     CelleHEUTE    0

CELLE. Am Abend lud Celles Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge alle Celler zum Bürgerempfang in die Celler Congress Union ein – am Ende hatte er rund 600 Gästen einzeln die Hände geschüttelt. Nigge setzte damit eine Idee seines Vorgängers Dirk-Ulrich Mende fort, allerdings mit neuen Akzenten. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren wurden wieder Bürger mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet – alle vier heute Geehrten waren bzw. sind politisch tätig: Marlise Münchau (CDU), Georgia Langhans (Bündnis 90 / Die Grünen), Hans-Herbert Encke (FDP) und Jens Rejmann (SPD).

Für den musikalischen Rahmen sorgte der Chor der Katholischen Grundschule, das Symphonische Blasorchester Celle und das Ensemble des Schlosstheaters mit Highlights aus dem Musical „Cabaret“.

„Ich kann nicht überall sein“, wandte sich Nigge bedauernd zu Beginn seines Grußwortes an die Gäste. Ob Schützenfeste oder Weihnachtsmarkt-Eröffnung, oft würden zeitgleiche Termine seine von vielen erwartete Präsenz verhindern. Darum freue er sich, dass heute jeder Celler die Möglichkeit hat, ihm direkt zu begegnen und anzusprechen.

Celle habe einige Krisen zu bewältigen, vor allem einen hohen Schuldenberg – den fünfthöchsten in Niedersachsen. Das ginge nicht immer ohne Schmerzen, viel lieber würde er investieren, aber das ginge nicht von heute auf morgen. Einsparungen im Bereich Sport schlagen hohe Wellen, aber
„unsere Sportvereine werden völlig unterschiedlich behandelt. Der eine bekommt Gas, Wasser und Strom bezahlt und der andere muss sich um alles selbst kümmern. Wir haben hier ein Gleichbehandlungs-Problem“, so Nigge. Es gehe nicht allein darum zu sparen, sondern mit allen ins Gespräch zu kommen und faire Lösungen zu finden. Dabei müssten die Vereine auch kreativ und flexibler werden. „Allein um eine Wand zu streichen, geht das in einer Behörde nicht ohne ein aufwändiges Vergabeverfahren, während der Verein das auch in Eigenregie bewältigen kann.“

Nigge sieht aber auch Potenzial in Celle, vor allem im Bereich Tourismus, Familien und Wirtschaft. Es sei nicht tragisch, wenn „die Jugend“ nach der Schulzeit Celle verlässt, „ganz im Gegenteil – Jugendliche müssen in die Welt hinaus. Aber mit 30 oder 35 Jahren sollen sie gern in unsere Stadt zurückkehren wollen und können“, so Nigge. Für die Jüngeren werde bereits viel geboten wie CD-Kaserne, Sport und Kulturangebot, „viel mehr als andere Städte dieser Größenordnung“, ist Nigge überzeugt – man müsse sich dem nur bewusst werden. „Celle ist liebens- und lebenwert. Auch meine drei Kinder freuen sich, im Sommer hier heimisch zu werden und aufzuwachsen.“

Für das, was der Jugend noch fehle, hat der OB den Jugendbeirat ins Leben gerufen. „Sie können uns sagen, was wir als Verwaltung und Politik machen können.“

„Gucken Sie gern in Hannover, aber kaufen Sie in Celle“

Neben dem größten noch bespielbaren Barocktheater und der größten Fachwerkkulisse Europas, vielleicht sogar der Welt, hat Celle auch die „weltweit kleinste Uni“, scherzt das Stadtoberhaupt, und zwar mit sieben Studenten als Ableger der Uni Clausthal-Zellerfeld am hiesigen Bohrsimulator.

Die Stadt lebe vom Stadtkern, darum ist der Erhalt der Altstadt oben auf der Agenda. „Wir brauchen kein Einkaufszentrum, wir sind ein Einkaufszentrum und müssen das den anderen nur erzählen. Gucken Sie gern in Hannover, was es gibt, aber kaufen Sie es in Celle. Auch die Aufenthaltsqualität muss wieder gestärkt werden. Ich komme mir vor wie ein Staubsaugervertreter und spreche viele Firmen an, ob sie Bänke und Blumenkübel sponsoren können“, wird Nigge nicht müde für die Stadt zu werben.

Mit Blick auf die Geehrten endet die Rede hoffnungsvoll: „Ich habe in vielen Städten gewohnt, aber ich habe keine Stadt so aktiv erlebt wie diese – darum ist mir nicht Bange um die Zukunft. Danke, dass Sie sich so sehr für die Stadt und die Stadtgesellschaft einsetzen“, sprachs und bedankte sich mit einem Blumenstrauß bei seiner Frau Ilka – er könne nämlich nicht nur nicht überall bei den Bürgern sein, sondern auch nicht immer bei seiner Familie. Ab kommenden Sommer soll sich das zumindest ändern.

EHRENMEDAILLEN

Marlise Münchau, Jahrgang 1929, trat 1972 in die CDU ein und wurde 1976 in den Celler Stadtrat gewählt. Dort behielt se ihren Sitz über mehrere Wahlperioden bis 1996. Während dieser Zeit galt ihr besonderes Interesse dem Kultur-, dem Schul- und dem Verkehrsausschuss. Zehn Jahre war sie Mitglied im Ortsrat Neuenhäusen, fünf Jahre als dessen Vorsitzende/Ortsbürgermeisterin. Viele Jahre war Frau Münchau durch ihr gleichzeitiges Wirken als Kreistagsabgeordnete Doppelmandatsträgerin. Im Jahr 2001 beendete sie ihr aktives politisches Wirken.

Das Thema Schule liegt Münchau am Herzen – über viele Jahre bekleidete sie diverse Ämter u.a. als Vorstandsmitglied des Schulelternrates der Altstädter Grundschule, für deren Erhalt sie sich zum Ende der 60er Jahre mit Erfolg eingesetzt hatte, Schulelternratsvorsitzende, Kreiselternratsvorsitzende, Klassenelternratsvorsitzende am Gymnasium Ernestinum und seit 2007 bis heute Mentorin an der Nadelbergschule.

Ein weiterer Schwerpunkt ihres ehrenamtlichen Engagements galt und gilt frauenpolitischen Themen, als Vorsitzende der CDU-Frauenunion und des Deutschen Frauenrings in Celle, Vorstandsmitgliedschaft des Landesfrauenrates Niedersachsen und die Initiative zum bis heute erfolgreich laufenden Orientierungs- und Motivationskurses „Neuer Start ab 35“, heute „NeuStart“.

Für ihre Leistungen erhielt sie bereits 1990 das Bundesverdienstkreuz. Die heutige Auszeichnung erfolgt in „Anerkennung um ihr jahrzehntelanges außergewöhnliches und vielschichtiges ehrenamtliches Wirken“, so OB Nigge.

Georgia Langhans, Jahrgang 1947, war von 1991 – 2012 Mitglied des Stadtrates für die Partei Bündnis 90 / die Grünen, mehrmals Fraktionsvorsitzende, zuletzt bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Rat Mitglied in diversen Fachausschüssen, darunter im Ausschuss für Straßenbau und Verkehr-, Jugendhilfe-, Kultur- und Integrationsausschuss, dessen Vorsitz sie seit November 2011 inne hatte.

Das Thema „Integration“ habe für Langhans einen ganz besonderen Stellenwert, die Fürsorge für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger werde von ihr „im hohen Maß und mit größtem Engagement gelebt“, so Nigge in seiner Laudatio. Hervorzuheben sei hier die seit 2009 andauernde Betreuung eines kurdischen Mädchens im Rahmen einer Patenschaft durch den VSE sowie von Flüchtlingen im „Gelben Haus“ in der Celler Petersburgstraße.

Die Wahrnehmung des Ehrenamtes gehe über Celles Grenzen hinaus, so reiste die Politikerin im Rahmen des von ihr geleiteten Fotoprojektes „Grenzenlos – Frauen bewegt“ gemeinsam mit ezidischen Frauen ins türkische Batman, um sich direkt vor Ort ein Bild zu machen
Daneben war die zu Ehrende Mitglied in Aufsichtsräten und Verbandsversammlungen, unter anderem beim Abfallzweckverband.

„Mit großer Leidenschaft setzt sich Frau Langhaus seit vielen Jahren für die Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen ein; dies untermauert sie durch ihr Mitwirken im Vorstand des Deutschen Frauenrings, Ortsring Celle“, wird sie vom OB gelobt. Von 2013-2017 hatte sie den Vorsitz dieses Gremiums inne. Aber auch auf die Belebung der Innenstadt habe sie ihren Fokus gelegt, sie ist seit 2014 Co-Koordinatorin im Arbeitskreis „Celle-Altstadt Neu Denken“. Hier engagiert sie sich bis heute insbesondere für das Straßenfest am Brandplatz und für die Bepflanzung der „Pipenposten“.

Auch der 1943 geborene FDP-Politiker Hans-Herbert Encke gehört zu den Preisträgern.
Erste kommunalpolitische Berührung im Ortsrat Boye, Mitglied von 1986 – 1991, von 1988 – 1996 und von 2001 – 2011 Mitglied des Celler Stadtrates, von 2006 – 2010 2. Bürgermeister der Stadt Celle. Er gehörte zahlreichen Ausschüssen und städtischen Gremien an, darunter war er langjähriger Beigeordneter im Verwaltungsausschuss, Mitglied im Kulturausschuss und im Planungs- und Bauausschuss

Daneben war Encke Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Mitglied des Aufsichtsrates der heutigen Celle Tourismus und Marketing GmbH sowie Vorstandsmitglied der Otto-Haesler-Stiftung. „Die Förderung der Kultur sowie die Stadtplanung lagen ihm besonders am Herzen; so hatte er schon früh den Gedanken der gegenläufigen Befahrbarkeit des Nordwalls“, heißt es in der Laudatio. Seit 2006 ist Encke Stifter der Bürgerstiftung Celle.
„Seine politischen Wegbegleiter schätzen sein Querdenken, aber auch seine integrativen, den Ausgleich suchenden Fähigkeiten. Er sei angenehm uneitel, niemals elitär, gebildet, jedoch nicht eingebildet,“ so heißt es aus den Reihen der FDP.

Bildung, Kunst und Kultur seien über Jahrzehnte seine „Steckenpferde“, ergänzt noch um die Liebe zur Musik, insbesondere zum Singen; seit 1960 ist Encke aktiver Sänger (Tenor) in der Stadtkantorei Celle.

Jens Rejmann, 1944 in Lüneburg geboren, tritt bereits mit 20 Jahren in die SPD ein und wurde 1986 1. Vorsitzender der Celler SPD. Von 1991 – 2016 war er Mitglied des Celler Stadtrates, von 2004 – 2011 Fraktionsvorsitzender, von Sept. 2010 bis Ende der Wahlperiode 2011 stv. Bürgermeister.

In dieser Zeit hatte er diverse Sitze in den Gremien inne, darunter einen im Verwaltungsausschuss und war stv. Vorsitzender im Ausschuss für Wirtschaftsförderung. Sein Fokus lag auf die „städtischen Töchter“ und weitere Beteiligungsgesellschaften der Stadt. Über viele Jahre war er Mitglied und zeitweilig auch Vorsitzender der heutigen Celle Tourismus und Marketing GmbH, Mitglied im Aufsichtsrat der Congress Union und im Vorstand der Haesler-Stiftung sowie bei den Stadtwerken, der SVO Gesellschafterversammlung und im Verwaltungsrat des AKH.

Seine politischen Wegbegleiter im Celler Stadtrat heben seine Fairness und die Diskussion um die Sache hervor, „ihm ging es stets um das Wohl der Stadt, nicht um eigene Interessen“, sind sie überzeugt. Rejmann bleibe bei den Tatsachen und habe den „Respekt vor seinem Gegenüber nie aus den Augen verloren – dies sei im mitunter harten politischen Geschäft schon aller Ehren wert“, so die Laudatio.

Fotos: Peter Müller

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