WIETZE. Bürgermeister Wolfgang Klußmann wirbt in einem offenen Brief an die Bürger für den Bau des Bürgersaals in Wietze. Am 11. Februar gibt es dazu einen Bürgerentscheid.

Klußmann schreibt: „Am Sonntag, den 11. Februar 2018 haben Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Wietze, die Möglichkeit sich direkt an der Entwicklung unserer Gemeinde zu beteiligen. Beim Bürgerentscheid entscheiden Sie, ob am neuen Rathaus lediglich ein kleinerer Sitzungssaal für politische Sitzungen gebaut wird oder ein größerer Saal entsteht, der zusätzlich von einer breiten Öffentlichkeit für viele verschiedene Veranstaltungen genutzt werden kann.

Zum Hintergrund:
Nach Abwägung aller Alternativen wurde im September 2015 mit einer großen Mehrheit des Rates beschlossen, ein neues Rathaus neben der Grundschule zu errichten. Aus verschiedenen Gründen (u.a. Brandschutz, Barrierefreiheit, Energetik, Raumbedarf, Arbeitsbedingungen) ist das jetzige Rathaus nicht mehr tragbar und wird von der Bauaufsicht des Landkreises lediglich noch geduldet.

Ein erster Planungsentwurf wurde der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen eines Diskussionsabends am 07. April 2016 vorgestellt. Im Verlauf dieser Veranstaltung kam aus der Mitte der Bürgerschaft die Anregung, nicht nur einen Sitzungssaal für Ratsgremien, sondern einen größeren Bürgersaal zu bauen. Dieser Anregung wurde gefolgt und eine alternative Planung beauftragt.

Nach Vorlage dieser alternativen Planung sowie einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durch ein Projektbüro hat der Rat der Gemeinde Wietze im Februar 2017 mehrheitlich beschlossen, im neuen Rathaus einen Bürgersaal zu bauen und hierfür eine Größe für 199 Personen vorzusehen. Diese Kompromisslösung wird von einer großen überparteilichen Mehrheit unterstützt, zu der die gesamte CDU/Vondracek-Gruppe sowie Mitglieder sowohl der SPD- als auch der Grünen-Fraktion gehören. Auch ich unterstütze diesen Vorschlag aus folgenden Gründen:

Warum brauchen wir überhaupt einen Bürgersaal?
Seit vielen Jahren gibt es die Idee, in Wietze eine Ortsmitte zu schaffen. Durch den notwenigen Neubau des Rathauses in direkter Nähe der Schule können wir dies nun tatsächlich schaffen. Denn rund um das neue Rathaus soll vieles mehr entstehen. In die ehemaligen Räumlichkeiten der Oberschule ziehen beispielsweise Mensa, Gemeindebücherei, Familienzentrum und Jugendtreff ein. Der Idee einer echten Mitte kommt dabei entgegen, dass sich mit REWE und Netto zwei große Supermärkte in direkter Nähe bereits angesiedelt haben. Grundschule, Ärzte, Apotheker sowie weitere Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebote runden das ganze ab. Weiterer kleinteiliger Einzelhandel könnte folgen.

Die Möglichkeiten, die mit der „Neuen Mitte“ geschaffen werden, sind vielfältig und ich bin sicher, dass sich hier tolle Synergien ergeben. Ich stelle mir beispielsweise vor, dass die angrenzend geplante Bücherei das Leseerlebnis auf den Platz erweitert oder regelmäßige Veranstaltungen der Vereine dort stattfinden. Mit dem Rathaus, dem Einzelhandel, dem Jugendtreff, dem Familienzentrum, der Schule mit Mensa, der Bücherei und dem neuen Platz zwischen den Gebäuden entsteht in Wietze ein zentraler Anlaufpunkt für alle Generationen. Es entsteht das, was bislang fehlt und was sich viele Bürgerinnen und Bürger wünschen: ein Ort der Begegnung, des Lebens und der Kommunikation.

Und genau dabei spielt auch der Bürgersaal ein zentrale Rolle: Dieser Bürgersaal soll durch ein sehr flexibles Nutzungskonzept mit mobilen Trennwänden vielfältige Möglichkeiten bieten. Neben Rats- und Ausschusssitzungen wären somit auch größere Veranstaltungen wie beispielsweise Vorträge, Ausstellungen, Bälle, Flohmärkte, Film- oder Theateraufführungen möglich. Darüber hinaus kann der Bürgersaal auch ergänzend für Angebote des dann benachbarten Familienzentrums mit Jugendtreff und Bücherei genutzt werden.

Was kostet uns der Bürgersaal?
Auf Basis einer vorliegenden Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zum Gesamtbau des neuen Rathauses kostet der Bürgersaal rund 800.000 Euro. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass das Amt für regionale Landesentwicklung den Bau eines Bürgersaals mit 500.000 Euro fördert. So bleiben unter dem Strich nur rund 300.000 Euro für die Gemeinde übrig. Das ist sicherlich noch eine Menge Geld. Ich finde jedoch, dass dies angesichts des beschriebenen langfristigen Nutzens eine sinnvolle Investition für Wietze ist!

Die von den Gegnern des Bürgersaals in den Raum gestellten Kosten für den laufenden Betrieb des Bürgersaals von 100.000 Euro sind unrealistisch und entbehren jeglicher Grundlage. Die laufenden Kosten hängen natürlich wesentlich von der tatsächlichen Nutzung sowie möglichen Einnahmen (Nutzungsentgelte) ab. Insofern ist es schwierig, bereits jetzt konkrete Zahlen zu nennen. Aber: In der Gemeinde Loxstedt im Landkreis Cuxhaven wird ein ähnlich konzipierter Bürgersaal fast gleicher Größe betrieben. Und dort betragen die laufenden Kosten für Strom, Heizung, Wasser, etc. lediglich rund 5.200 Euro pro Jahr. Mit sehr ähnlichen Betriebskosten können wir wahrscheinlich für einen Bürgersaal in Wietze rechnen.

Die beispielhaft dargestellten Nutzungsmöglichkeiten bieten nach meiner festen Überzeugung eine große Chance für die zukünftige Entwicklung unserer Gemeinde. Deshalb werbe ich, auch im Namen der überparteilichen Mehrheit des Rates der Gemeinde Wietze, dafür, diese einmalige Chance für unser Wietze zu nutzen. Stimmen Sie daher in diesem Sinne am 11. Februar mit „Nein“ und damit für einen Bürgersaal in der Neuen Mitte von Wietze!“

 

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