BERGEN. Stadtumbau, Verschuldung, Straßenausbaubeiträge oder Stadtschreiber – CELLEHEUTE hat die beiden Bergener Bürgermeisterkandidaten zu ihren Ansichten befragt. In den kommenden Tagen steht täglich ein Thema im Fokus, zu dem Frank Juchert (CDU) und Claudia Dettmar-Müller (parteilos) ihre Meinung und Pläne erläutern.

1. Stadtumbau

2. Verschuldung

3. Militär

4. Wirtschaftsförderung

Was sollte die Stadt Bergen tun, um neue Wirtschaftsbetriebe anzusiedeln und den Tourismus zu fördern?

Claudia Dettmar-Müller: Die Betreuung und Vermarktung unseres Wirtschaftsstandortes sehe ich als herausragende Aufgabe. Wirtschaftsförderung lediglich aus Sicht der Arbeitgeber zu sehen, ist meines Erachtens zu kurz gedacht. In Zeiten des Fachkräftemangels müssen wir die Stadt über soziale Angebote für Arbeitnehmer, speziell auch für junge Familien attraktiv machen. Wir haben bereits 400 Betriebe in der Stadt. Diese sollten wir in einem Wirtschaftsring zusammenführen, um Bedarfe sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer abzufragen und Schnittmengen zu finden, zum Beispiel für flexiblere Kinderbetreuungsangebote. Darüber hinaus müssen wir Voraussetzungen schaffen, dass sich Start-Ups und junge Gründer gern in Bergen ansiedeln. Dies ginge zum Beispiel über eine Kooperation mit der Wirtschafts-Universität Lüneburg. Aber auch die Schaffung der Infrastruktur durch aktives Stadtmarketing, ein gutes Glasfasernetz, erschwinglichen Wohnraum oder Shared-Offices, wie es sie in großen Städten gibt, sind vorstellbar. Bergen liegt ideal zwischen Hannover, Hamburg und Bremen, diese Stärke müssen wir nutzen! Unsere örtlichen Betriebe scheinen gut ausgelastet zu sein. Nun ist es unsere Aufgabe, als Stadt mit innovativen Maßnahmen zu helfen. Da reicht es einfach nicht, bei Fördergeldanträgen zu helfen, da muss schon mehr kommen.

Jetzt möchte ich noch kurz auf die Frage zur Tourismusförderung eingehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns nicht mit unseren Nachbargemeinden in diesem Bereich vergleichen sollten. Es geht einzig darum, die eigenen Stärken herauszuarbeiten. Nehmen wir das Beispiel der Elektrofahrräder: Durch Bergen führen Radwanderwege und trotzdem gibt es im Stadtbereich und auch in der Gedenkstätte keine Ladestationen für E-Bikes. Da hängen wir in attraktiven Angeboten wieder hinterher und das tun wir leider in einigen Bereichen der Tourismusförderung. Und noch eines, wir sprechen hier nicht über Investitionen in Millionenhöhe, sondern über Investitionen mit Nachhaltigkeit. Denn wir wollen durch Attraktivität unserer Stadt Touristen für unser Hotellerie und Gastronomie gewinnen, auch das ist Wirtschaftsförderung.

Frank Juchert: Um als Wirtschaftsstandort interessant zu sein, braucht es folgende Voraussetzungen: Zugang zur Breitbandversorgung, kurze Anbindung an die Hauptverkehrsstrecken, ausreichend große und günstige Flächen, Fachpersonal und konkurrenzfähige Gewerbesteuersätze. Ich setze mich dafür ein, in Richtung BAB 7 Gewerbeflächen mit den Grundeigentümern gemeinsam zu erschließen und zu vermarkten. Am Breitbandausbau in allen Ortschaften arbeiten wir bereits. Für Fachkräfte muss Wohnraum zur Verfügung stehen. Auch für junge Menschen, die in Berger Betrieben ausgebildet werden, müssen wir günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen. Da Bergen und der gesamte Nordkreis sehr vom Handwerk geprägt sind, kann ich mir für Bergen eine Außenstelle der Berufsschule vorstellen. Die Gewerbesteuersätze müssen wir dringend auf dem heutigen Niveau halten. Wir müssen bei der Vermarktung unterstützen und bei Bau- und Planungsaufgaben schneller werden.

Für die Entwicklung des Tourismus müssen wir neue nachhaltige Wege zur Unterstützung unserer örtlichen Gastronomie- und Hotelbetriebe finden. Darüber hinaus wollen wir unsere Ortschaften über die Dorfentwicklung auch für touristische Nutzungen interessant machen und uns regional mit anderen Kommunen besser vernetzen. Wir haben eine zentrale Lage zwischen den Metropolregionen und den Freizeitparks. Das Stadtmarketing muss gestärkt werden, im Zusammenspiel mit Leitbildentwicklung und Imageverbesserung. Wir müssen gemeinsam mit den Hoteliers und auch Aufenthaltsqualitäten vor Ort entwickeln. Fahrrad, Pferd, Wandern, Sport, Kultur. Und: egal ob Handwerk, Produktion oder Tourismus. Es braucht eine ernsthafte Bestandspflege mit regelmäßigen Gesprächsformaten.

 

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.