WIETZE. Parallel zur Europawahl finden in Wietze auch Bürgermeisterwahlen statt. Wir haben die Kandidaten gefragt:

Der neue Wietzer Bürgersaal – wie stehen Sie dazu?
– DEA verlässt Wietze – Schicksal oder vermeidbar? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
– Wohnraum in Wietze, neue Wohngebiete – wie sind Ihre Lösungen?
– Gewerbeansiedlung in Wietze – wie wollen Sie neue Partner gewinnen?
– Kita, Schule, Bildung – welche Perspektiven bieten Sie?
– Wietze nimmt man als „den nicht wirklich attraktiven Ort mit langer Straße“ wahr? Auch hier: Schicksal, falsche Wahrnehmung oder wie wollen Sie Wietze attraktiver/schöner machen?
– Warum leben Sie persönlich gern in Wietze?
– Warum wollen Sie Bürgermeister werden bzw. bleiben?
– @Klußmann: Was schätzen Sie an Herrn Klaassen? @Klaasen: Was schätzen Sie an Herrn Klußmann?
– Was wollten Sie immer schon mal sagen bzw. sind Sie noch nie gefragt worden?

Die Antworten nach Posteingang. Sie sind selbstverständlich unzensiert und unkommentiert:

Wolfgang Klußmann, CDU:

– Der neue Wietzer Bürgersaal – wie stehen Sie dazu?
Ich stehe vollkommen hinter der Idee eines Bürgersaals als Teil eines kommunikativen, lebendigen Ortszentrums. Aufgrund der langen Ortsdurchfahrt fehlt es in Wietze an einer echten Ortsmitte. Nicht nur ich, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger aus Wietze sind dieser Meinung. Im Rahmen einer Marketingstudie aus dem Jahr 2009 wurde die Frage gestellt, „was in Wietze am meisten fehlt“. Die Antwort „Ortskern“ wurde mit großem Abstand am häufigsten genannt.
Auch die Idee des Bürgersaals stammt übrigens aus der Bürgerschaft und wurde im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung zur Vorstellung der Rathausplanung entwickelt. Anders als ein Sitzungssaal für die Ratsgremien, wird der Bürgersaal eine Vielzahl an Nutzungen ermöglichen: Bürger- und Sportlerehrungen, Neubürgerempfänge, Ausstellungen, Flohmärkte, Theateraufführungen, Chorveranstaltungen, Blutspenden, Bälle und vieles mehr.
Ich möchte die Ortsmitte in Wietze lebendig gestalten. Der Bürgersaal wird einen großen Teil dazu beitragen und ein Ort werden, an dem sich die Menschen begegnen.

– DEA verlässt Wietze – Schicksal oder vermeidbar? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Mit der DEA geht auch ein Teil der Wietzer Geschichte. Ich bedauere die Entscheidung der DEA daher sehr. In meinen Gesprächen mit der Unternehmensführung wurde deutlich betont, dass die Verlagerung der Arbeitsplätze von Wietze nach Barnstorf eine rein wirtschaftliche Entscheidung war. Kommunale Interessen haben dabei nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Realistisch betrachtet müssen wir uns wohl leider mit dem Weggang der DEA arrangieren. Umso wichtiger ist es für mich, eine Nachfolgelösung für das Labor zu finden. Im Idealfall kann hierfür ein Unternehmen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien oder Wasserstofftechnologien gefunden werden. Hierzu habe ich bereits intensive Gespräche geführt.

– Wohnraum in Wietze, neue Wohngebiete – wie sind Ihre Lösungen?
Wietze wächst und daher werden wir schon bald neuen Wohnraum schaffen. Wir sind bereits in Verhandlung mit Grundstückseigentümern und Investoren zur Entwicklung neuer Wohnbauflächen in Wietze, Hornbostel und Wieckenberg. Dabei steht sowohl der Bau von Einfamilienhäusern als auch von Mehrfamilienhäusern für Wohnungsmieten im Fokus. Wie in ganz Deutschland werden auch wir uns auf eine alternde Gesellschaft einstellen müssen. Ich habe daher eine Vorplanungen zur Schaffung alternativer betreuter Wohnformen auf den Weg gebracht.

– Gewerbeansiedlung in Wietze – wie wollen Sie neue Partner gewinnen?
Wir haben die Rahmenbedingungen für potenzielle Gewerbeansiedlungen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Durch den Bau von zwei neuen Straßen im Gewerbegebiet „Industriestraße“ haben wir über 55.000 m² für zukünftige Gewerbeansiedlungen neu geschaffen. Die Grundstücke sind voll erschlossen und können sofort von neuen Gewerbetreibenden bezogen werden. Für eine Neuansiedlung werben wir intensiv auf verschiedenen Gewerbeplattformen. Zudem haben wir Flächen erworben, um selbstständig über Zuschnitt und Kaufpreis für Gewerbeflächen entscheiden zu können.

Unternehmer siedeln sich dort an, wo gute Rahmenbedingungen herrschen und hierzu gehört neben freien Gewerbeflächen auch ein attraktives Wohn- und Lebensumfeld. Entwicklungen in Wietze, wie beispielsweise die Sanierung des Hallen- und Freibades oder der bereits beschlossene Kitaneubau sind daher nicht nur für die Bürgerinnen und Bürger gut, sondern helfen auch bei der Ansiedlungspolitik.

– Kita, Schule, Bildung – welche Perspektiven bieten Sie?
Anders als in manch anderen Kommunen in Deutschland können wir in Wietze jedem Kleinkind einen Krippen- und Kindergartenplatz anbieten. Und dies wird sich auch bei steigenden Kinderzahlen durch den baldigen Neubau einer vierten KiTa nicht ändern.
Für die älteren Kinder haben wir in Wietze eine gut ausgestattete Grundschule mit einem jungen und engagierten Kollegium. Bedauerlich ist natürlich, dass es in Wietze kein weiterführendes Schulangebot mehr gibt. Umso größer muss das gemeinsame Bestreben mit den Nachbargemeinden Hambühren und Winsen (Aller) sein, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu schaffen, im Westkreis Abitur ablegen zu können.
Und nicht zuletzt wird in der ehemaligen Oberschule ein Familienzentrum einziehen und damit zur Anlaufstelle für Familien mit Kindern jeden Alters, für Senioren, Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund werden. Gemeinsam mit Vertretern von Vereinen und Kirchen, der freien Wohlfahrt und aus verschiedenen Bildungsinstitutionen sammeln hierzu derzeit Ideen und entwickeln daraus ein tragfähiges Konzept.

– Wietze nimmt man als „den nicht wirklich attraktiven Ort mit langer Straße“ wahr? Auch hier: Schicksal, falsche Wahrnehmung oder wie wollen Sie Wietze attraktiver/schöner machen?
Die lange Ortsdurchfahrt ist für Wietze natürlich prägend. Bei meinem ersten Besuch in Wietze vor 22 Jahren hatte ich zunächst eine ähnliche Wahrnehmung. Gerade deshalb ist die Entscheidung der „Neuen Mitte“ von so großer Bedeutung. Mit der Schaffung einer lange vermissten Ortsmitte mit Rathaus, Bürgersaal, Bücherei, Jugendpflege, einem Familienzentrum und einem Platz mit Aufenthaltsqualität wird aktuell bereits ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der Gemeinde umgesetzt.

Man sollte sich in Wietze allerdings auch etwas Zeit nehmen und sich abseits der Hauptstraße umschauen. Denn Wietze hat tatsächlich viel zu bieten: tolle Naturräume wie beispielsweise die Hornbosteler Hutweide, gut gepflegte Radstrecken wie den Allerradweg, ein Hallen- und Freibad, eine intakte und aktive Vereinsstruktur, sehr gute Betreuungsangebote, eine solide Einzelhandelsstruktur, eine gesicherte Ärzteversorgung und, und, und. Gerade in den letzten Jahren hat sich viel getan. Ich empfehle daher nicht voreilig über Wietze zu urteilen.

– Warum leben Sie persönlich gern in Wietze?
Seit nunmehr 22 Jahren lebe ich gerne in Wietze, weil ich die Menschen und die nahen Naturräume sehr mag. Ich habe hier gemeinsam mit meiner Frau Steffi eine neue Heimat gefunden. Ich liebe einerseits die Ruhe und schätze andererseits die Möglichkeit, schnell in Celle oder Hannover zu sein. Ich habe in Wietze viele Freunde gefunden und bin in unterschiedlichen Vereinen fest verwurzelt.

– Warum wollen Sie Bürgermeister werden bzw. bleiben?
Weil ich der Meinung bin, dass ich als Bürgermeister viel für Wietze erreicht habe. Wietze war lange Zeit Bedarfszuweisungsgemeinde und damit praktisch handlungsunfähig. Heute geht es der Gemeinde finanziell deutlich besser, sodass wir wieder investieren können. Wir sanieren Straßen, bauen bald eine neue Kita, ein neues Feuerwehrgerätehaus und natürlich die Neue Mitte. Und zudem erhalten wir als erste Gemeinde im Landkreis einen flächendeckenden Glasfaserausbau. Vor einigen Jahren wäre all das in Wietze noch undenkbar gewesen. Sicherlich ist dies nicht alles mein alleiniger Verdienst, aber ich denke, dass ich einen wichtigen Teil zu der Entwicklung in Wietze beigetragen habe. Diesen erfolgreichen Kurs möchte ich weiter mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus fortsetzen.

Nebenbei habe ich auch nach 14 Jahren noch große Freude an meiner Arbeit. Ich empfinde es als tolle und herausfordernde Aufgabe, meine Gemeinde und damit auch mein persönliches Lebensumfeld an verantwortungsvoller Position mitgestalten zu können. Mit Unterstützung der Wietzer Bürgerinnen und Bürger, möchte ich dies weitere sieben Jahre tun.
Außerdem bin ich für die Aufgaben des Amtes bestens qualifiziert. Als Diplom-Verwaltungswirt (FH) verfüge ich über die aus meiner Sicht erforderliche Verwaltungsausbildung. Zudem habe ich in den letzten 14 Jahren bewiesen, dass ich Führungs- und Leitungsqualitäten habe, die von meinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehr geschätzt werden.

– Was schätzen Sie an Herrn Klaassen?
Ich bilde mir ein Urteil über Menschen gerne erst dann, wenn ich sie besser kennengelernt habe. Da dies auf Herrn Klaassen nicht zutrifft, kann und möchte ich diese Frage nicht beantworten.

– Was wollten Sie immer schon mal sagen bzw. sind Sie noch nie gefragt worden?
Welchen Job würden Sie gegen das Amt des Bürgermeisters tauschen? Auf jeden Fall nicht den des Postboten. Nach einer Woche Wahlprospekte verteilen, bin ich so viele Kilometer in Wietze gelaufen und mit dem Fahrrad gefahren, dass ich abends nur noch todmüde ins Bett falle. Ich bin wirklich froh, dass ich das nicht jeden Tag machen muss und habe gleichzeitig eine enorme Hochachtung vor der Arbeit der Postboten bekommen.

Ingolf Klaassen, SPD:


Der neue Wietzer Bürgersaal – wie stehen Sie dazu?

Ich war einer der Initiatoren des Bürgerentscheids gegen den Bürgersaal. Dafür wurden wir und die fast 900 Bürgerinnen und Bürger, die den Bürgerentscheid forderten, von der Gegenseite übel beschimpft. An dem Bau ohne Fördermittel festzuhalten, war Sturheit. Denn der Bau ohne Fördermittel belastet nun den Haushalt stark.
Nun müssen wir das Beste draus machen. Sofort nach der Wahl am 26. Mai und noch vor dem Amtsantritt am 1. November werde ich eine Veranstaltungskonzeption für das Kalenderjahr 2020 planen. Über Bürgerinnen und Bürger, die hier mitwirken wollen, werde mich sehr freuen, denn dies wird keine einfache Aufgabe!

DEA verlässt Wietze – Schicksal oder vermeidbar? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Im Rahmen der Fusion von DEA und Wintershall droht die Standortschließung des Labors und des Bohranlagenbetriebs in Wietze. Unstrittig ist parteiübergreifend, dass wir an der Seite der Kolleginnen und Kollegen, des Betriebsrates und der Betriebsleitung in Wietze stehen.
Die Kolleginnen und Kollegen bei der DEA in Wietze sind realistisch, keiner glaubt daran, dass wir den Standort in der jetzigen Form erhalten können. Aber eine „Nullprozentlösung für Wietze“ ist vermeidbar, wenn wir uns gemeinsam mit dem Betriebsrat, Betriebsleitung, Handwerk, Wissenschaft, Finanzen und parteiübergreifend einsetzen. Deswegen wird Ende Mai, Anfang Juni ein „runder Tisch“ die Arbeit aufnehmen.

Wohnraum in Wietze, neue Wohngebiete – wie sind Ihre Lösungen?

Viele Menschen wollen in der Gemeinde Wietze wohnen. Es fehlt an ausreichenden Mietwohnungen und Baugrundstücken. Die Gemeinde muss als Dienstleister für Bauwillige beratend tätig sein, damit die Grundstücke Baurecht bekommen. Im Mietwohnungsbau ist eine Unterstützung von privaten Bauherrn und eine Kooperation mit gemeinnützigen wie kommunalen Wohnungsgesellschaften für die Gemeinde eine wichtige Aufgabe.
Ich werde Wietze zur bau- und wohnungsfreundlichsten Gemeinde im Landkreis Celle machen!

Gewerbeansiedlung in Wietze – wie wollen Sie neue Partner gewinnen?

Gewerbeansiedlung muss Chefsache sein! Ich werde hier „dezent und diplomatisch“ mit meinen zahlreichen und guten Kontakten zu Unternehmensführungen und in der Politik für Wietze werben. Vorrangig ist es, gute Arbeit für uns in Wietze anzusiedeln. Wir haben den Slogan „Wir haben Energie“, der aus der Tradition zu verstehen ist. Mein Ziel für die nächsten sieben Jahre ist es den Slogan zu bewahrheiten: „Wir haben neue Energie in Wietze!“
Kita, Schule, Bildung – welche Perspektiven bieten Sie?

Die dringend notwendige vierte Kita wird im Gochermannsweg gebaut. Nun gilt es die Kindertagesstätten zu unterstützen, damit sie ihre Qualität noch mehr steigern können. Hier kann die Gemeinde viel Unterstützung leisten.

Unsere Grundschule ist durch einen extrem hohen Anteil von Kindern, die keinerlei Deutschkenntnisse haben „gefordert“. Probleme müssen angesprochen werden und nicht „unter den Teppich gekehrt werden“. Leider wurde es von der Gemeinde versäumt, bei der Landesschulbehörde einen Antrag auf Sprachlernklassen zu stellen.

Es ist ein Unding, dass es keine Schule im Westkreis gibt, an der Schülerinnen und Schüler das Abitur machen können. Deswegen werde ich gemeinsam mit Dirk Oelmann in Winsen und dem noch zu wählenden Bürgermeister in Hambühren, vielleicht Andreas Ludwig, diese Forderung gegenüber dem Landkreis vertreten. Bei der Standortfrage darf Wietze nicht von Vorhinein ausgeschlossen werden.

Wietze nimmt man als „den nicht wirklich attraktiven Ort mit langer Straße“ wahr? Auch hier: Schicksal, falsche Wahrnehmung oder wie wollen Sie Wietze attraktiver/schöner machen?
Hornbostel, Jeversen und Wieckenberg sind traumhaft schön! Wietze hat viele attraktive Ortsbereiche. An der Bundesstraße stehen faszinierende Villen aus der „Erdöl-Boom-Zeit“. Diese werden an der „schnellen Bundesstraße“ zu wenig wahrgenommen. Auch unsere attraktive Gemeinde kann noch schöner werden. Wir brauchen mehr Plätze zum Verweilen, Kaffee trinken, Schauen und Spielen. Geeignete Plätze gibt es. Und illegale Müllentsorgung darf nicht hingenommen werden. Dies alles werde ich als Bürgermeister angehen.

Warum leben Sie persönlich gern in Wietze?

Unsere Natur ist traumhaft schön. Die Menschen sind fleißig und wissen, wovon sie reden. Wir sind in Wietze bodenständig und dementsprechend keine Angeber! Ich kann vergleichen: Mich zieht nichts weg aus unserem Wietze.

Warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Ich habe ein Programm für Wietze mit dem Slogan “Neue Energie für Wietze!“.
Bildung bedeutet Zukunft, die Grundschule muss so unterstützt werden, dass wir mit Stolz sagen können: Wir haben die beste Grundschule! Ansiedlungen müssen gute Arbeit für uns in Wietze bedeuten!
Wir müssen bau- und wohnungsfreundlichste Kommune im Landkreis werden.
Riesige Kosten durch Straßenausbaubeiträge für die Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht sein! Deswegen muss die Satzung für Straßenausbaubeiträge geändert werden. Dies sind nur einige meiner Programmpunkte.

Was schätzen Sie an Herrn Klußmann?

Seine Stimme! Selbst bei „unmöglichen Aussagen“ klingt sie angenehm.

Was wollten Sie immer schon mal sagen bzw. sind Sie noch nie gefragt worden?
Parteifunktion und Bürgermeister geht das? Meine Haltung ist da eindeutig: Ich werde meinen SPD-Ortsvereinsvorsitz zum Amtsbeginn als Bürgermeister, dem 1. November, niederlegen. Bürgermeister aller Bürgerinnen und Bürger zu sein und ein Parteiamt innezuhaben, dies ist für mich unvereinbar. Auch wenn es erlaubt ist und andere Bürgermeister, zum Beispiel hier in Wietze, gemacht haben. Für mich ist es ein Gebot der Neutralität!

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