CELLE. Rechtzeitig zum „Europäischen Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen“ (jährlich am 05.05.) eröffnete die Lebenshilfe Celle Anfang Mai ein von der Aktion Mensch gefördertes Übersetzungsbüro für „Leichte Sprache“. Der Kreis der Menschen, die auf Texte in „Leichter Sprache“ zurückgreifen, sei wesentlich größer als der der Menschen mit vorgeblich ‚geistigen Beeinträchtigungen‘, so die Lebenshilfe Celle. Zum Hintergrund des neu eröffneten Büros teilt die Lebenshilfe mit: „Auch Menschen mit funktionalem Analphabetismus oder prälingual hörgeschädigte Menschen und darüber hinaus profitieren von „Leichter Sprache“ – wenn man nur an manche Bedienungsanleitungen, Beipackzettel von Medikamenten, klassische Behördeninformationen, an Schreiben der Versicherung oder die eigene Steuererklärung denkt. Sie alle haben aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten mit der Sprachverarbeitung. Dadurch sind sie in unserer schriftsprachbasierten Gesellschaft außen vor. Egal wie sehr sie sich anstrengen, manche Menschen werden nie an ein Standard-Sprachniveau heranreichen.“

„Diese Menschen können wir nicht einfach links liegen lassen. Sie haben ein Recht auf politische und gesellschaftliche Teilhabe. Doch dafür müssen wir es ihnen ermöglichen, sich eigenständig zu allen für sie relevante Themen zu informieren. Dafür braucht es Informationen in ‚Leichter Sprache’“, sagte Lebenshilfe-Geschäftsführer Clemens M. Kasper bei der Vorstellung der Stelleninhaberin Laura Heidrich, die durch Studien der Interkulturellen Kommunikation und Übersetzen in den Arbeitssprachen Englisch und Französisch sowie einem Masterstudiengang Medientext und Medienübersetzung mit der Spezialisierung auf ‚Barrierefreie Kommunikation‘ gute Voraussetzung mitbringe. Durch ihre Mitarbeit im Projekt ‚Norddeutsche Nachrichten in Leichter Sprache‘ in Zusammenarbeit mit dem NDR und die Übernahme der Prüfung der vom NDR erstellten Leichte-Sprache- Texte sowie des Bereichs Justiz in Kooperation mit dem Niedersächsischen Justizministerium, sei sie für die Aufgabe  bestens vorbereitet.

Laura Heidrich: „Leichte Sprache eliminiert all die Dinge, die Sprache schwer verständlich machen. Es gibt verschiedene Regelwerke, die sich mit Leichter Sprache befassen. Die wissenschaftlich geprüften Regeln der Forschungsstelle ‚Leichte Sprache‘ geben Übersetzern hierbei konkrete Handlungsanweisungen, wie sie effiziente, leicht verständliche Texte schreiben können“.

Die Notwendigkeit dieses Handlungsfeldes ergibt sich laut Lebenshilfe aber auch aus der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK), die seit 2009 Gesetz in Deutschland ist, und den daraus abgeleiteten Aktionsplänen für den Bund und in den Ländern bis hin zu den Kommunen (z.B. Art. 2: Jeder Mensch hat das Recht in einer für ihn verständlichen Sprache zu kommunizieren). Behörden sind danach verpflichtet, Dokumente und Publikationen so zugänglich zu machen, dass sie von allen Menschen verstanden werden können. Broschüren sollen in Leichter Sprache entstehen – oder in diese übersetzt werden. Art. 2 der UN-BRK verpflichtet die Staaten zudem, zur Verwendung eines „universelles Designs“, „ein Design von Produkten, Umfeldern, Programmen und Dienstleistungen in der Weise, dass sie von allen Menschen möglichst weitgehend ohne eine Anpassung oder ein spezielles Design genutzt werden können. „Universelles Design schließt Hilfsmittel für bestimmte Gruppen von Menschen mit Behinderungen, soweit sie benötigt werden, nicht aus. Design ist mehr als nur die äußere Form eines Produktes. Gute Gestaltungen überzeugen durch leichte Handhabung, hohe Funktionalität, Gefälligkeit und Nachhaltigkeit“, so Heidrich.

Die (Übersetzungs-)Leistungen wird das Büro nicht nur innerhalb der Lebenshilfe Celle sondern auch für Firmen und Behörden anbieten und erbringen können. Eine Prüfgruppe aus Menschen des betroffenen Personenkreises (Menschen mit kognitiven Einschränkungen) wird die Texte vor der Freigabe gegenlesen.

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