"Die Rückkehr der Kohle“ - Bund investiert in AeroSpacePark Trauen

Technik Von Susanne Zaulick | am Di., 01.09.2020 - 20:32

TRAUEN. Seit Jahren wird darüber nachgedacht, wie der Forschungsstandort Trauen wiederbelebt werden könnte. Bereits in den 1930iger Jahren haben hier Versuche an Raketen stattgefunden. Das Gelände beherbergt zwar schon seit Jahrzehnten eine Außenstelle des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dennoch ist hier seit 50 Jahren Ruhe eingekehrt. Heute wurde nun in Anwesenheit von gut hundert Gästen aus Wissenschaft, Politik, Bundeswehr und Industrie der Startschuss gegeben für eine Wiederbelebung des Standorts. 

Das DLR errichtet auf dem 80 Hektar großen Areal, das direkt an den Fliegerhorst Faßberg grenzt, ein Responsive Space Cluster Competence Center, kurz RSC. Für alle, die sich darunter erst mal gar nichts vorstellen können, hatte man den Luft- und Raumfahrts-Journalisten Ulrich Bobinger eingeladen, der die Veranstaltung am heutigen Nachmittag moderierte und sowohl Wissenschaftlern als auch Politikern griffige Aussagen entlockte.

„Die Bayern werben immer mit ‚Laptop und Lederhose‘, wir in Niedersachsen können ‚Heide und Hightech‘“, freute sich der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). „Wo sind die Stärken unseres Bundeslandes jenseits der Autoindustrie?“ Diese Frage beantwortete Althusmann, indem er erläuterte, dass der Wettbewerb der Zukunft sich nicht um Elektro- oder Wasserstoffantriebe drehe sondern um Vernetzung und Steuerung, kurz um Satellitentechnologie. Genau die steht im Mittelpunkt des geplanten AeroSpaceParks Trauen. „Die innere und äußere Stabilität unseres Landes hängt zunehmend ab vom Funktionieren unserer Weltrauminfrastruktur“, schreibt das DLR in einer Pressemitteilung anlässlich des heutigen Tages.

Der Hauptaugenmerk des neuen Centers soll auf Kleinsatelliten mit einem Gewicht bis 500 Kilogramm liegen, die innerhalb von wenigen Tagen in erdnahe Umlaufbahnen geschossen werden können, um in Krisen ausgefallene Satelliten zu ersetzen. Satelliten werden sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Für ihren schnellen Transport in den Weltraum spielt auch die Entwicklung so genannter fliegender Plattformen und kleiner Trägerraketen, der so genannten Mikro-Launcher, eine wichtige Rolle. 

„Gemeinsam trauen wir uns das“ lautete - wohl in Anspielung auf einen vielzitierten Satz Angela Merkels ebenso wie auf den Standort des Projektes - ein Statement von Henning Otte, dem als CDU-Bundestagsabgeordneter und verteidigungspolitischer Sprecher seiner Fraktion vom Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, bescheinigt wurde, viel für die jetzige Entwicklung des Standortes Trauen getan zu haben. Otte hob, ebenso wie andere Redner, die Vorteile des Areals hervor, das noch auf Gemarkungen des Landkreises Celle liegt, obwohl Trauen als Ort zum Heidekreis gehört. „Hier gibt es Zulassungen, die man an anderer Stelle nicht mehr finden wird“, verdeutlichte Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU).

50 Millionen Euro will allein das Bundesverteidigungsministerium hier in den kommenden 15 Jahren zusätzlich investieren, rund 60 Mitarbeiter könnten in einigen Jahren vor Ort tätig sein. Da das DLR sich je zur Hälfte aus Steuergeldern und aus Drittmitteln finanziert, dürften noch etliche Millionen dazukommen. Auch das Land hat bereits eine Million beigesteuert um den Standort zu ertüchtigen. „Vor über 70 Jahren wurde von Faßberg aus Kohle nach Berlin geflogen“, warf der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des DLR, Klaus Hamacher einen Blick in die Geschichte. Um dann augenzwinkernd hinzuzufügen. „Die Kohle aus Berlin kommt jetzt wieder zurück. Da schließt sich der Kreis.“

Auch die Bundeswehr ist an der Forschung in Trauen interessiert. Schließlich soll das Kompetenzzentrum auch der Vernetzung von Forschung, Industrie und Nutzern, darunter die Bundeswehr, dienen. Man werde hier Luft- und Raumfahrt zusammenbringen, blickte Generalleutnant Ansgar Rieks, Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, in die Zukunft. Er sieht auch die Möglichkeit, dass andere Nationen von den Aktivitäten in Trauen profitieren können. „Internationalität steht mit im Raum. Es muss um gemeinsame Sicherheit gehen“. 

Nach dem feierlichen Ereignis am heutigen Tag beginnt in Trauen die eigentliche Planungsphase für den Bau von Werkstätten, Laboren und Testanlagen. Gestartet werden sollen die Satelliten übrigens nicht von Trauen aus. Dafür kooperiert das DLR mit Institutionen in Nordschweden und Norwegen.