BUND protestiert gegen Pestizideinsatz in Naturschutzgebieten

Wissenschaft Von Redaktion | am Do., 20.06.2019 - 16:25

HANNOVER/BERLIN. "Das Sterben der Insekten hat dramatische Ausmaße." Darauf weist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hin. Er zitiert Forschungsergebnisse, wonach als Hauptgründe der Klimawandel und die intensive Landwirtschaft auszumachen seien. "Kein Wunder, denn selbst in vielen Naturschutzgebieten Niedersachsens ist der Einsatz von Pestiziden erlaubt. Damit muss endlich Schluss sein", forderten gestern BUND Niedersachsen und BUNDjugend mit einer Aktion am Kröpcke in Hannovers Innenstadt. Sie fand im Rahmen der BUND-Kampagne „Lass brummen“ und des bundesweiten Aktionstag in sieben Bundesländern statt. Aktive in Bienen- und Schmetterlingskostümen in symbolisch abgesperrten Schutzgebieten gingen nach dem Einsatz von "Pestiziden aus der Giftspritze" zu Boden. Dabei informierte der Umweltverband Passanten über den "mangelhaften Insektenschutz" in niedersächsischen Schutzgebieten.

„Wir erwarten, dass die Landesregierung den Einsatz von Pestiziden in den Hotspots der biologischen Vielfalt konsequent verbietet“, sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Susanne Gerstner. „Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete, besonders geschützte Landschaftsbestandteile und gesetzlich geschützte Biotope sind vielerorts letzte Rückzugsgebiete für bedrohte Arten. Hier muss der Schutz von Natur und Artenvielfalt absoluten Vorrang vor allen wirtschaftlichen Interessen haben. Anders lässt sich das massive Insektensterben nicht aufhalten!“

Der BUND fordert, dass der Insektenschutz in Niedersachsen endlich entschieden angegangen wird. „Neben Sofortmaßnahmen braucht es ein langfristig wirksames Insektenschutzprogramm mit verbindlichen Zielen und einer abgesicherten Finanzierung“, betont Gerstner. „Nicht nur in Schutzgebieten, auch in der Fläche muss der Pestizideinsatz deutlich verringert werden.“ Ebenso wichtig sei es, den massiven Verlust wertvoller Insekten-Lebensräume in der Kulturlandschaft umzukehren. Insekten brauchen einen Verbund aus artenreichem Grünland, Wegrainen und Gewässerrandstreifen, Hecken und Feuchtbiotopen. Bisherige Förderprogramme reichten bei weitem nicht aus. Fördermittel der EU und des Landes müssen gezielter eingesetzt werden, um den Artenschwund in der Landschaft zu stoppen. Der Anteil des Ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Niedersachsen müsse auf mindestens 20 % bis zum Jahr 2025 ansteigen. Auch innerhalb der Städte und Gemeinden sei durch naturnahe Grünflächen, den Verzicht auf Pestizide bis hin zur Information von BürgerIinnen zur Pflege von Privatgärten noch vieles möglich.

„Anfang 2018 hat die Landesregierung einen Aktionsplan zum Insektenschutz angekündigt – tatsächlich passiert ist bislang wenig“, so die Landesgeschäftsführerin des BUND. „Der BUND wird mit Aktionen wie dieser den Druck auf die Regierung weiter erhöhen. Nur sofortiges Handeln kann den Artenschwund bei Insekten und vielen anderen Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen aufhalten. Mit der Europawahl und dem Volksbegehren in Bayern haben die Bürger*innen gezeigt, dass sie die Untätigkeit der Politik nicht mehr mittragen.“

In Berlin übergab der BUND gestern über 100.000 Unterschriften an Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Die Menschen fordern mit ihrer Unterschrift von der Bundesumwelt- und der Bundeslandwirtschaftsministerin gemeinsames Handeln, um Insekten und damit die Artenvielfalt zu retten.

Eine aktuelle, repräsentative Umfrage von Kantar Emnid für den BUND zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger eine gesetzliche Änderung gegen den Einsatz von Pestiziden in Schutzgebieten fordert. 76 Prozent sprechen sich dafür aus, in Naturschutzgebieten, geschützten Biotopen oder Wasserschutzgebieten den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln generell zu verbieten.

Aus Sicht des BUND muss das heutige Zulassungsverfahren für Pestizide geändert und Umweltaspekte stärker berücksichtigt werden. Viele Pestizide wirken nicht spezifisch auf eine Pflanzen- oder Insektenart, sondern töten mehrere Arten und Artengruppen. Besonders die Gruppe der Neonikotinoide schädige Honig- und Wildbienen massiv. Glyphosat und andere Totalherbizide töten alle Pflanzen ab und berauben damit die Insekten ihrer Lebensgrundlage, so der BUND.