BERLIN. Die „Alternative für Deutschland“ hat ihre zweite Meldeplattform gegen „Hetz-Lehrer“ online gestellt, teilt der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V., der in Deutschland rund 39.000 Lehrkräfte vertritt, mit. Schülerinnen und Schüler könnten nach Hamburg nun auch in Baden-Württemberg ihre Lehrerinnen und Lehrer denunzieren, wenn sich diese AfD-kritisch äußern. Die Partei wirft Lehrkräften vor, im Unterricht politisch nicht neutral zu sein und gegen die AfD zu hetzen. Über die Onlineportale sollen solche Lehrkräfte gemeldet werden und die AfD will mit Dienstaufsichtsbeschwerden und anderen Maßnahme gegen sie vorgehen.

„Die von der AfD eingerichteten Onlineplattformen zur Denunzierung von angeblich politisch nicht neutral agierenden Lehrkräften verurteilen wir mit aller Deutlichkeit. Es ist in höchstem Maße verantwortungslos, Schülerinnen und Schüler zur Hetze gegen ihre Lehrerinnen und Lehrer anzuhalten. Bespitzelungen gehören zu diktatorischen Regimen und haben in einer Demokratie keinen Platz“, betont der fassungslose BvLB-Bundesvorsitzende Eugen Straubinger.

Joachim Maiß, Co-BvLB-Bundesvorsitzender, ergänzt: „Lehrkräfte sind per Gesetz tatsächlich zur Neutralität verpflichtet, doch solch‘ ein Pranger geht definitiv viel zu weit. Wir sehen es als eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe an, Lehrkräfte in ihrem Bemühen zur Demokratiebildung, der Erziehung zu Menschenrechten und im Eintreten für Toleranz, Respekt und Mitmenschlichkeit im Sinne des Grundgesetzes zu unterstützen“.

„In unseren Schulen können Beschwerden aus der Schülerschaft oder von Eltern durch Vertrauenslehrkräfte, in Schülervertretungen, in Schulkonferenzen, durch Schulleitungen oder Schulbehörden aufgegriffen und gelöst werden“, ist Eugen Straubinger überzeugt.

Schule sei ein sensibler Raum. Unterricht könne nur gelingen, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden besteht. Dieses Vertrauen werde durch die Denunziationsplattform massiv gestört – auf beiden Seiten. Auch öffne die auf der Plattform erlaubte Anonymität der Meldungen Tür und Tor für „Generalabrechnungen“ mit einzelnen Lehrerinnen und Lehrern. Die Dynamik anonymer Hetze sei aus den sozialen Medien inzwischen hinlänglich bekannt.

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