Im Dienste der Kriegsgräberpflege - Bundesverdienstkreuz für Hans-Georg Blonn

Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 11.11.2021 - 18:56

HERMANNSBURG. In Anerkennung seiner "um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste" wurde heute Hans-Georg Blonn mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Landrat Axel Flader übergab die Auszeichnung stellvertretend für den Bundespräsidenten im Beisein von Bürgermeisterin Katharina Ebeling und der Ehefrau Gisela Blonn.

In seiner Laudatio nannte Flader die Verdienste, die Blonn sich insbesondere als langjähriger ehemaliger Vorsitzender und Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe Celle im Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr, erworben hat. Der sichtlich bewegte Blonn dankte insbesondere seiner Familie und seinen Weggefährten im Reservistenverband. Nicht ihm allein gebühre dieser Verdienstorden, sondern vielmehr all denjenigen, die ihn im Lauf der Jahre unterstützt haben und ohne die seine Aktivitäten für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und für den Reservistenverband nicht möglich gewesen wären. Ganz besonderen Dank sprach er hierbei seiner Reservistenkameradschaft Hermannsburg aus.

Die Laudatio lautete (Es gilt das gesprochene Wort):
Sehr geehrte Herr Blonn, lieber Hans-Georg, Meine Damen, meine Herren, ich begrüße Sie alle hier im Rathaus von Hermannsburg  

...Dies ist meine erste Verleihung einer Verdienstmedaille im Namen des Bundespräsidenten und ich freue mich, dass ich gleich mit einem Heimspiel anfangen darf. Im Erlass vom 7. September 1951 ist festgehalten worden: „In dem Wunsche, verdienten Männern und Frauen des deutschen Volkes und des Auslandes Anerkennung und Dank sichtbar zum Ausdruck zu bringen, stifte ich am 2. Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland“, Mit diesen Worten im Erlass haben Bundespräsident Theodor Heuss, Kanzler Konrad Adenauer und Bundesinnenminister Robert Lehr am 07. September 1951 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland geschaffen.

Der Orden wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.

Ich denke, dass Du, lieber Hans-Georg, diese Anforderung sehr gut erfüllst und so hat es ja auch das Land Niedersachsen gesehen, dass Dir diese Auszeichnung zuerkannt hat. Denn zur Zukunft eines Landes gehört untrennbar auch seine Geschichte und die Erinnerung daran und in diesem Bereich hast Du große Leistungen für die Allgemeinheit erbracht. „Jeder Soldat“, so hast Du es einmal formuliert, „egal welcher Nationalität, der für sein Vaterland sein Leben gelassen hat, hat auch ein Anrecht darauf würdig bestattet zu werden. Es wurde um Jeden von ihnen geweint und getrauert. Die Angehörigen brauchen Gewissheit, wo ihre Familienmitglieder gefallen und bestattet sind. Angehörige brauchen einen Ort der Trauer. Kriegsgräberstätten und Einzelkriegsgräber sind Stätten der Trauer, der Erinnerung und eine Mahnung an die lebende und kommende Generation.“

Damit, lieber Hans-Georg, hast Du Deine Motivation beschrieben, warum Du einen großen Teil Deiner Freizeit für Arbeitseinsätze auf Kriegsgräberstätten für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge verwendet hast.

In Deinem Werdegang hast Du durch den Wehrdienst in den Jahren 1968 und 1969 in den militärischen Bereich gefunden. In Hermannsburg bist Du, zumindest den meisten älteren Bürgerinnen und Bürgern, aber wohl durch Deine Arbeit in der Postfiliale bekannt. Du wurdest am 29.03.1947 in Dohnsen geboren. Nach dem Besuch der Dorfschule Dohnsen von 1953 bis 1963 hast Du, so wurde es mir berichtet, eine Ausbildung zum Postjungboten absolviert. Nach bestandener Prüfung wurdest Du nach Hermannsburg versetzt und warst in der Landzustellung Hermannsburg und Umgebung tätig.

Durch den Besuch der Abendschule qualifiziertest Du Dich für die Übernahme in den mittleren Postdienst und warst dann ab 1973 im Bereich Hermannsburg, Faßberg, Müden und Eschede unterwegs. 1985 bis 1996 warst Du als Schalterbeamter und stellvertretender Dienststellenleiter im Postamt Hermannsburg und schließlich von 1996 bis 2001 als Filial- und Dienstellenleiter in Hermannsburg tätig. Zwischendurch hast Du auch als Aufbaubeamter in den neuen Ländern gearbeitet.

Viele Leute also kennen Dich in Hermannsburg als pflichtbewussten Mann von der Post, bevor Du dir in Deiner Freizeit als Stabsunteroffizier der Reserve einen Namen gemacht hast mit den Projekten, für die Du heute ausgezeichnet wirst.

Als ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Südheide und Einwohner dieser Gemeinde ist für mich natürlich die Grundsanierung der hiesigen Kriegsgräberstätte von besonderer Bedeutung. Dies war von 1990 bis 1995 auch
der Beginn Deiner Tätigkeit und dort hast Du immer wieder gearbeitet. So auch 1998 und 2014 als Du zusammen mit anderen ehrenamtlichen Helfern das Areal der Kriegsgräber gepflegt und hergerichtet hast.
Deine Motivation hat Dich bei der Pflege von Kriegsgräberstätten durch halb Europa geführt. Über Zellmühle im damaligen Ostpreußen (heute Smirnowo/Kaliningrad) über Ysselstein (Niederlande), Neuruppin (Mecklenburg-Vorpommern), Noyers (Frankreich), Havelberg (Mecklenburg-Vorpommern), Kastrup (Dänemark), Huncove (Slovakei), Lagemark (Belgien), Halbe (Brandenburg), Niederbronn-Elsaß (Frankreich) bis hin zu Cuacos de Yuste (Spanien).

Neunmal, so berichtete es uns Rainer Grygiel vom Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge, warst Du als Kommandoführer für die Organisation der Vorbereitung und Durchführung der Gruppe von 10 Teilnehmern verantwortlich, zweimal hast Du als Mitglied an weiteren Pflegeaktionen teilgenommen Hermann von der Kammer, der Dich als Major der Reserve für diese Auszeichnung vorgeschlagen hat, schreibt dazu: „Herr Blonn hat...beispielhaft und mit größtmöglichem Einsatz sich der Fürsorge und Pflege von Soldatengräbern der
ehemaligen Deutschen Wehrmacht verschrieben und auf herausragende Weise sowohl den Gefallenen als auch deren Angehörigen einen unglaublichen Liebesdienst erwiesen, der weit über ein denkbares Maß hinaus erfolgt und immer noch anhält“

Aber nicht nur an den Kriegsgräberstätten bist Du, lieber Hans-Georg, unterwegs. Du nimmst regelmäßig an den
quartalsmäßigen Arbeitseinsätzen in der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen teil, um auch hier dafür zu sorgen, dass die Strukturen des ehemaligen Lagerkomplexes und damit auch die Erinnerung daran sichtbar bleiben. Der
ehemalige Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten Jens-Christian Wagner findet hier ebenfalls für Dich lobende Worte:& „Herr Blonn hat an diesen Arbeitseinsätzen von Beginn an in teils leitender Position teilgenommen und sich damit sehr engagiert dafür eingesetzt, dass die Gedenkstätte für Ihre Besucher einen würdigen und gepflegten Eindruck macht.

Eine Ordensverleihung an ihn kann ich deshalb seitens der Gedenkstätte Bergen-Belsen sehr begrüßen.“ Erwähnen möchte ich noch Deine Teilnahme und Organisation an Straßen- und Haussammlungen in Hermannsburg und die jährliche Teilnahme mit einer Ehrenabordnung am Volkstrauertag in Hermannsburg. Sehr geehrter Herr Blonn, lieber Hans Georg, meine sehr geehrten Damen und Herren,
abschließend bleibt mir nur noch einmal festzustellen, dass Hans-Georg Blonn große Teile seines Lebens in den Dienst der Gesellschaft gestellt hat. Als Landrat des Landkreises Celle spreche ich Dir für Dein langjähriges, ehrenamtliches Wirken zum Wohl der Allgemeinheit, oftmals unter Zurückstellung Deiner eigenen und privaten Belange, meinen besonderen Dank aus.

Mein Dank gilt aber auch Deiner Familie, die Dich durch Dein großes Engagement viele Stunden entbehren mussten, weil Deine Tätigkeiten untrennbar mit einem hohen Aufwand an privater Zeit verbunden waren. Ich habe nun die Ehre, Dir die Verdienstmedaille am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Verleihungsurkunde aushändigen zu dürfen..."