Fußball gepaart mit sozialer Verantwortung - Bundesverdienstkreuz für Jens Holger Linnewedel

Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 10.06.2021 - 17:59

WIENHAUSEN. Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreichte Landrat Klaus Wiswe heute an Jens Holger Linnewedel. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Auszeichnung im familiären Kreis statt. Mit dabei war auch Samtgemeindebürgermeister Helfried H. Pohndorf. 

"Es wären sicher gerne mehr zu dieser Feierstunde gekommen, ich denke da unter anderem an Herrn Wilfried Gerlof, der Sie für diese Auszeichnung vorgeschlagen hat. Aber sicher auch die zahlreichen Menschen, mit denen Sie, lieber Herr Linnewedel, in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zusammengearbeitet haben", erklärte Wiswe gleich zu Beginn, bevor er in seiner Laudatio auf das ehrenamtliche Wirken des 68-jährigen Langlingers einging. 

Die Laudatio im Wortlaut:

Was das Entgegennehmen von Auszeichnungen durch mich betrifft, sind Sie bereits ein alter Hase. Schließlich haben wir Sie ja für Ihre Leistungen als Ehrenamtlicher im Jugendfußball des MTV Langlingen schon einmal bei der Sportlerehrung (2001) ausgezeichnet, damals waren wir beide wohl noch ein oder zwei Jahre jünger, aber Sie hatten schon viele Jahre Engagement im Sport hinter sich.

Ich freue mich daher, dass ich Ihnen heute wieder eine Ehrung überreichen darf, stellvertretend für den Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, allerdings müssen Sie sich dafür noch ein paar lobende Worte von mir anhören. Lassen Sie uns, lieber Herr Linnewedel, kurz auf Ihren Werdegang schauen:

Sie wurden am 24. Februar 1953 in Celle geboren und zogen mit Ihren Eltern 1962 nach Langlingen. Nach dem Besuch der Realschule, lernten Sie erst bei der Deutschen Bank in Gifhorn, absolvierten dann zwei Jahre bei der Bundeswehr und stiegen 1975 in den Polizeidienst ein, in dem Sie auf wechselnden Stationen im Raum Celle, Wathlingen und der Region Hannover Ihren Dienst bis 2015 versahen. 1975 heirateten Sie Ihre Elke und haben zusammen vier Kinder großgezogen und sind, so wurde es mir berichtet, inzwischen schon mit vier Enkelkindern gesegnet.

Manch einer wäre mit diesen Aufgaben bereits voll ausgelastet, aber Sie haben Ihre Freizeit darauf verwendet, für die Gemeinschaft und hier besonders, den MTV Langlingen da zu sein. 1968 haben Sie, lieber Herr Linnewedel, angefangen, die Dorfmannschaften von Schwachhausen, Langlingen und Nienhof sowie Vergleichsspiele zu organisieren. Ein Jahr später übernahmen Sie im Alter von 16 Jahren dann ihr erstes Traineramt mit der D- und E-Jugend im MTV Langlingen und feierten mit Ihrer Mannschaft bereits zwei Jahre später, so berichtet es Herr Gerlof, den Kreismeistertitel der Knaben nach einem 5:4 Erfolg im Finale gegen den TuS Celle.

Sehr geehrte Gäste, sehr geehrter Herr Linnewedel,
Sie haben seit diesem Erfolg bestimmt noch viele süße Siege gefeiert und bittere Niederlagen durchlitten, so wie es der Sport nun einmal mit sich bringt. Viel wichtiger finde ich aber das soziale Engagement, dass ja bei all Ihren Tätigkeiten mitschwingt, egal ob Sie Jugend- oder Herrenmannschaften trainiert haben. Denn Sport im Verein ist für diese Gesellschaft so viel mehr. Es ist das Leben in Gemeinschaft, das Lernen, sich einzugliedern, Regeln einzuhalten, damit die Gruppe funktionieren kann. Gerade der Nachwuchsbereich hat Ihnen immer besonders am Herzen gelegen. Bereits 1974 übernahmen Sie das Amt des Jugendwartes im MTV Langlingen.

Seit dieser Zeit wurden rund 900 Kinder und Jugendliche durch die Jugendfußballabteilung trainiert und betreut. Rund 150 Betreuer, Trainer und Helfer haben Sie, lieber Herr Linnewedel, in dieser Zeit zum Mitmachen animiert. In den ersten zehn Jahren Ihrer Tätigkeit, so wurde es mir berichtet, haben sie als Jugendtrainer alle Kinder, die im Verein spielten, Zuhause besucht, um sich einen persönlichen Eindruck von den sozialen Verhältnissen zu machen. Da gab es gewiss nette Geschichten, wie Herr Gerlof in seinem Bericht schreibt. Das glaube ich gerne, für mich sind die Besuche aber vor allem ein Beleg, dass Sie schon sehr früh verstanden haben, dass es eben nicht alleine um Fußball geht, sondern auch um eine soziale Verantwortung.

„Die Verschickung in die Ferien von Kindern aus sozial schwachen Familien, das Kümmern in allen Lebenslagen in Sinne von Schule, Besorgen von Praktikumsplätzen, Lehr- und Arbeitsstellen fielen wie ganz selbstverständlich in seinen Aufgabenbereich“.
So schreibt es Herr Gerlof in seinem Antrag. Er erzählt darin auch von dem ganz praktischen Beispiel, als sich ein Junge aus der E-Jugend beim Sport das Bein gebrochen hatte und acht Wochen im Krankenhaus lag. Sie sind jeden Abend nach ihrem Dienst bei der Bereitschaftspolizei Hannover über Celle nach Hause gefahren, um den Jungen zu besuchen und die Mutter dann mit nach Hause zu nehmen.

Erwähnt wird auch ihre Unterstützung bei der Integration von Flüchtlingen, wo Sie ganz lebensnah Turniere organisiert haben, bei denen sich die Menschen aus der Region und Zugewanderte trafen, gemeinsam Sport machten und so ins Miteinander kamen, ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren kann. Das war bereits 1989. Wie mir berichtet wurde, sind Sie aber auch heute noch in diesem Bereich aktiv, betreuen locker rund ein Duzend neuer Mitbewohner, helfen zum Beispiel, wenn es an Sportausrüstung fehlt und sorgen für die Einbindung in den Spielbetrieb.

„Jens Holger“, so schreibt es Herr Gerlof, „kann gut motivieren und ist sehr gesellig und redegewandt…Über die Jahre hat er ein Netzwerk über soziale Kontakte geschaffen, das er zum Wohle des MTV Langlingen, aber auch auf Kreisebene einsetzt.“
Ganz besonders sei hier noch erwähnt, dass Sie zusammen mit vielen Mitstreitern das Sportheim in Langlingen 2011 übernommen haben, als sich niemand anderes fand, und natürlich alle Einnahmen in die Renovierung des Sportheimes und die Jugendarbeit fließen.

Die Kinder, denen es nicht so gut geht, haben Sie auch an anderer Stelle im Blick. Seit 2012 waren Sie als Initiator
und Organisator des U7-Hallenturniers in Lachendorf. Der Erlös geht an die Kinderabteilung des AKH, was mich als Vorsitzenden des Aufsichtsrates natürlich gleich doppelt freut. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch zum Abschluss Ihre Tätigkeit beim Niedersächsischen Fußballverband erwähnen, bei dem Sie seit 1978 tätig sind, unter anderem bis zu diesem Jahr als Vorsitzender und viele Jahre als Vorsitzender des Jugendsportgerichtes.

„Fußball ist mehr als 1:0“, dieses Motto, mit dem Sie auch immer die Spende des NFV an das AKH überreichen, ist aus meiner Sicht, lieber Herr Linnewedel, auch Ihr Lebensmotto und dafür danke ich Ihnen. Denn eine Gebietskörperschaft wie der Landkreis Celle oder auch die Kommunen können immer nur einen Rahmen setzen, aber es braucht Menschen wie Sie, die sich ehrenamtlich engagieren, damit eine Region wie unsere wirklich lebenswert wird.

Lieber Herr Linnewedel, meine Damen und Herren,
es bleibt mir nur noch einmal abschließend festzustellen, dass Sie große Teile Ihres Lebens in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben. Als Landrat des Landkreises Celle spreche ich Ihnen für Ihr langjähriges, ehrenamtliches Wirken zum Wohl der Allgemeinheit, oftmals unter Zurückstellung Ihrer eigenen und privaten Belange, meinen besonderen Dank aus. Mein Dank gilt aber auch Ihrer Familie, die Sie durch Ihr großes Engagement viele Stunden entbehren musste, weil Ihre Tätigkeiten untrennbar mit einem hohen Aufwand an privater Zeit verbunden waren. Ich habe nun die erfreuliche Ehre, Ihnen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Verleihungsurkunde aushändigen zu dürfen.