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Besondere Ehrung für Leiterin des Celler Hospiz-Hauses

Bundesverdienstkreuz für Marlies Wegner

09.03.2017 - 19:12 Uhr     Birgit Stephani    0

EICKLINGEN/CELLE. Marlies Wegner, Leiterin des stationären Hospizhauses in Celle, erhielt heute in Eicklingen im Beisein vieler Gäste und Wegbegleiter die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Landrat Klaus Wiswe verliehen.

Eine solche Ehrung erhalten nur Personen, die sich weit über das normale Maß hinaus für ihre Mitmenschen und unsere Gesellschaft engagiert haben. Wiswe beließ es dabei nicht nur dabei, Wegner zu gratulieren, sondern dankte ihr gleichzeitig auch für ihren Beitrag zum Wohl der ihr anvertrauten Menschen im hiesigen Landkreis. “Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, die sich auch für ihre Mitmenschen verantwortlich fühlen. Sie, Frau Wegner, sind solch ein Mensch, der sich engagiert, sich für andere Menschen einsetzt und damit ein Vorbild ist”, hob Wiswe hervor.

Er betonte in seiner Laudatio: „Am Ende zählt der Mensch – das war das Motto des Welthospiztages 2016, nachzulesen beim Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband. Dort erfahren wir auch, worum es der Hospiz- und Palliativbewegung geht. Menschen jeden Lebensalters – das gilt für Kinder ebenso wie für alte Menschen, ihre Familien und die ihnen Nahestehenden – benötigen in der letzten Lebensphase Zuwendung und Unterstützung. Die Grundposition lautet, das Leben in seiner Gesamtheit und das Sterben als einen Teil des Lebens zu begreifen und ein Leben – und somit auch ein Sterben – in Würde zu ermöglichen. In über 1.000 Hospizvereinen und Palliativeinrichtungen engagieren sich mehr als hunderttausend Menschen ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich. Ihnen liegen die Menschen in ihrer letzten Lebensphase besonders am Herzen. Eine dieser über hunderttausend sind Sie, liebe Frau Wegner”.

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sei laut Wiswe ein Zeichen der Anerkennung für herausragende Leistungen. Es ist für Personen bestimmt, die über ihre täglichen Verpflichtungen hinaus auf vorbildliche Weise etwas Besonderes geleistet haben. Was das konkret bedeutet, erläuterte Wiswe, indem er auf die Begründung für die Ordensverleihung an Wegner genauer einging:

“Marlies Wegner wurde am im Dezember 1957 in Bremerhaven geboren. Sie ist verheiratet mit Pastor Michael Misgeiski-Wegner. Gemeinsam haben sie zwei erwachsene Kinder. Seit bald 30 Jahren wohnt die Familie in Eicklingen.

Frau Wegner hat ihre Ausbildung zur Krankenschwester von 1975 bis 1978 an der Krankenpflegeschule Seepark in Langen absolviert. Im Anschluss an die Ausbildung arbeitete sie als Krankenschwester im Operationssaal der Krankenpflegeschule, bevor sie eine zweijährige Ausbildung an der Theologischen Akademie in Hermannsburg begann.

Als Krankenschwester arbeitete sie von 1981 bis 85 im Dialyse-Institut Dr. Uwe Merkel und von 1991 bis 99 in unserem Allgemeinen Krankenhaus in Celle.

Während dieser Zeit absolvierte sie 1994 eine Fortbildung zur Kurslehrerin für Krankenpflege in der Familie und von 1997 bis 2000 eine Fachweiterbildung in der onkologischen und palliativen Pflege.

Seit dem Jahr 2000 bietet Frau Wegner Kursangebote im Bereich der Palliativpflege, der Schmerztherapie und der Krankenpflege in der Familie an. Von 2002 bis 2005 absolvierte sie einen berufsbegleitenden Studiengang Pflegemanagement an der Evangelischen Fachhochschule Hannover. Das Studium schloss sie mit dem Masterexamen ab. Die Leitung des stationären Hospizhauses in Celle hat Frau Wegner im Jahr 2005 übernommen. Von 2006 bis 2007 war sie in einer Nebentätigkeit als Lehrbeauftragte an der Evangelischen Fachhochschule tätig.

Marlies Wegner hat die geschäftsführende Leitung des Hospiz-Hauses Celle also seit seiner Gründung inne. Bereits seit 1994 engagierte sie sich in der Hospizarbeit und Palliativversorgung, zunächst für Celle und Umgebung, ab 2004 auch im Vorstand der Hospiz Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen, davon seit 2009 bis zum 14. Oktober 2015 als stellvertretende Vorsitzende. Bis 2014 war Frau Wegner Mitglied des Sprecherteams stationärer Hospize in Niedersachsen.

Im Jahr 1994 war sie auch Gründungsmitglied des Onkologischen Forums in Celle. Dort baute sie ab dem Jahr 2000 einen rein aus Spenden finanzierten ambulanten Palliativdienst auf.”

Was dies an persönlichem Engagement bedeute, könne man nur erahnen, so Wiswe, denn: “Zu Beginn war sie dort die einzige Mitarbeiterin. Mit einem Bereitschaftstelefon ausgestattet, war sie gefühlt 24 Stunden täglich und an 365 Tagen im Dienst.”

Wegner habe stets versucht, die im Bereich der Hospizarbeit und Palliativversorgung engagierten Menschen und Institutionen zusammenzubringen. So verwundere es nicht, dass sie Mitbegründerin des Celler Netzes „Hospiz- und PaIliativstützpunkt“ ist. Wegen seiner herausragenden Vernetzungsstruktur wurde die Einrichtung als eines der ersten zehn Hospiz- und Palliativstützpunkte in Niedersachsen im Jahr 2006 ausgezeichnet. “Das zeigt, wie gut die Arbeit dieses von Frau Wegner ganz wesentlich mitbestimmten Netzwerkes ist”, würdigte Wiswe den Einsatz der Geehrten.

“Frau Wegner war auch wesentlich am Aufbau des Brückendienstes im AKH zur Überleitung von Palliativpatienten aus dem Krankenhaus in die Häuslichkeit beteiligt. Sie übernahm federführend die Entwicklung des Konzeptes der „Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung“ in Celle. Immer wieder war sie Impulsgeberin und Motor für die Weiterentwicklung der Versorgungstrukturen für schwerstkranke und sterbende Menschen in unseren Städten und Gemeinden.”

Seit 2009 sorgt sich Frau Wegner darum, ein Gütesiegel für stationäre Hospize auf den Weg zu bringen. „Damit Hospiz drin ist, wo Hospiz drauf steht“, so ihr Credo. Nach vergeblichen Versuchen, die Bundesstelle für Hospizarbeit für diese Aufgabe zu gewinnen, machte sie sich im Jahr 2012 mit der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Niedersachsen auf den Weg, ein Hospiz-Gütesiegel zu etablieren. Mit anderen Mitstreiterinnen entwickelte sie die wesentlichen, den pflegerischen Standards entsprechenden, Qualitätskriterien. Beachtenswert sei dies nach Wiswes Einschätzung umso mehr, weil es für ein solches Qualitätssiegel in Deutschland bis dahin kein Beispiel gab.

Im September 2014 war es schließlich soweit. Das Hospiz-Haus Celle erhielt nach der Prüfung durch den Qualitätsprüfungsausschuss unter der Leitung der Sozialcert-Gesellschaft München das erste Gütesiegel für stationäre Hospize. Inzwischen wird dieses Gütesiegel bundesweit beachtet, sodass sich auch stationäre Hospize aus anderen Bundesländern darum bemühen.

Seine Rede beendete Wiswe mit den Worten: “Als Landrat des Landkreises Celle spreche ich Ihnen für Ihr langjähriges Wirken zum Wohl der Allgemeinheit, oftmals unter Zurückstellung Ihrer eigenen und privaten Belange, meinen besonderen Dank aus. Bis heute sind Ihr Einsatzwille und Ihr Engagement ungebrochen! Ich bin stolz, dass unser Landkreis Bürgerinnen und Bürger wie Sie hat. Ich freue mich, dass ich nun die Ehre habe, Ihnen im Namen unseres Bundespräsidenten die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Verleihungsurkunde aushändigen zu dürfen.”

 

Fotos: Peter Müller

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