Log empty

Sonder-Ausstellung in der Erinnerungsstätte Luftbrücke Faßberg

Care-Pakete und wie es mit Care weiterging

27.08.2017 - 09:25 Uhr     zaulick    0
Fotos: Susanne Zaulick

FASSBERG. Ein Pfund Rindfleisch in Kraftbrühe, zwei Pfund Margarine, ein Pfund Rosinen und ein halbes Pfund Eipulver – das waren zur Zeit der Berliner Luftbrücke Bestandteile eines Care-Paketes. Die Hilfsorganisation Care wurde im November 1945 in den USA durch zahlreiche Wohltätigkeitsorganisationen gemeinsam ins Leben gerufen und sieht es seitdem als ihre Aufgabe an, Menschen in Armut und in Katastrophengebieten zu unterstützen. Dieser Tätigkeit, die nicht nur die Zeit der Luftbrücke prägte, sondern die sich bis in die Gegenwart fortsetzt, widmet sich eine Sonderausstellung in der Erinnerungsstätte Luftbrücke. Sie wurde heute eröffnet und ist bis 22. September zu sehen.

„Hilfe für die Welt – Hilfe aus Niedersachsen“ lautet der Ausstellungstitel. „Für Faßberg ist das nicht nur ein Slogan, das wird hier Tag für Tag gelebt“, sagte Paul Hicks, Vorsitzender des Förderkreises für die Erinnerungsstätte Berliner Luftbrücke in seiner Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung, auch im Hinblick auf die Aktivitäten der Bundeswehr vor Ort. Als deren Vertreter sprach Oberst Georg von Harling, Standortältester und Kommandeur des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe Faßberg. „Die Luftbrücke war eine humanitäre Hilfsaktion, aber sie war auch ein genialer politischer Schachzug um Stalins Blockade auszuhebeln.“ Von Harling rief dazu auf, solche kreativen Lösungen auch heute zu suchen. Das könne man aber nur, wenn man bereit sei, aus der Geschichte zu lernen und dazu biete die Erinnerungsstätte Luftbrücke eine Möglichkeit.
Stefan Ewers, Vorstandsmitglied von Care Deutschland nahm die Gegenwart der Organisation ins Visier, die sich auch mit Fluchtursachen befasst: „Kein Mensch macht sich ohne Not auf den Weg in ein anderes Land“, sagte er. Damals sei die Hilfe von ehemaligen Kriegsgegnern gekommen, das habe die unterstützten Menschen beeindruckt. „Jetzt haben WIR die Möglichkeit, in der Welt zu helfen“, so sein Appell.
Die Künstlerin Gala von Reichenfels präsentierte aus Anlass der Ausstellungseröffnung ein von ihr zugunsten der Erinnerungsstätte geschaffenes Werk mit Bezug zu Faßberg. Die Einnahmen aus dem Verkauf sollen der Erinnerungsstätte zugute kommen.

Zuvor hatten rund 50 Menschen am Platz der Luftbrücke des 68. Jahrestages der Beendigung der Berliner Luftbrücke gedacht, darunter auch mehrere Zeitzeugen. Faßbergs Bürgermeister Frank Bröhl skizzierte, welche Bedeutung die Luftbrücke für Faßberg gehabt habe, von wo aus viele der „Rosinenbomber“ starteten. Die Atmosphäre verglich er mit alten „Goldgräberzeiten“ – Menschen kamen von überall her nach Faßberg, um an der groß angelegten Aktion mitzuwirken. „Auf Feinden wurden Verbündete, und später Freunde. Ich bin fest überzeugt, dass diese großartige Leistung dazu beigetragen hat, Faßberg von der Ideologie des Nationalsozialismus zu befreien und dass sie den Menschen einen neuen Geist eingehaucht hat.“ Die Stimmung von Gemeinsinn sei auch vergleichbar mit den Hilfsaktionen im Rahmen der Flüchtlingswelle. Und auch die Bundeswehr stehe heute für die während der Luftbrücke manifestierten Werte.
Am Luftbrückendenkmal gedachten die Vertreter von Gemeinde, Fliegerhorst, Erinnerungsstätte und Politik der 87 Todesopfer, die während der Luftbrücke ums Leben gekommen waren.

Sie müssen sich registrieren oder anmelden, um diesen Beitrag zu kommentieren.