CELLE. „Seit langer Zeit beobachten wir in Deutschland einen immer polarisierender geführten Islamdiskurs, verbunden mit massiven, gegenseitigen Abwertungen. Was wir im Großen beobachten, erleben wir alltäglich in der Begegnung von Jugendlichen – ob in Celle oder anderswo – es besteht dringender Handlungsbedarf, und es gibt einen großen Bedarf an fundierten Präventionskonzepten“, so die CD-Kaserne Celle. Im November 2017 schrieb das Landesdemokratiezentrum Projektförderungen zum Thema Islamismus und Islamfeindlichkeit aus, und die CD-Kaserne bewarb sich um einen Zuschuss für die Entwicklung eines Präventionskonzeptes.

Das fertige Konzept habe nun die Vertreter von Land und Bund so überzeugt, dass die Realisierung der Ausstellung durch den Landespräventionsrat im Niedersächsischen Justizministerium mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ in Höhe von knapp 150.000 Euro gefördert wird.

2018-2019 wird nun die Wanderausstellung „Was‘ los Deutschland?“ für Jugendliche und Interessierte realisiert. Sie vereint die Themenfelder Islamismus und Islamfeindlichkeit. Im Rahmen einer interaktiven, modernen und verschiedene pädagogische und didaktische Ansätze vereinenden Ausstellung werde ein Präventionsbeitrag geleistet gegen eine „sich immer mehr spaltende und sich in Populismen verfangende Gesellschaft“.

Die Grundidee der geplanten Ausstellung wird als „stehendes Theaterstück“ beschrieben Im Rahmen dieser Szenerie werden laut CD-Kaserne die Komplexität und die verschiedenen Inhalte des öffentlichen Diskurses zu den Themen Islamismus und antimuslimischer Rassismus so aufbereitet, dass sie auch für Jugendliche ab ca. 14 Jahren erfahrbar und reflektierbar sind. „Wir arbeiten hier stark mit den Erkenntnissen aus der systemischen Strukturaufstellung, die immer dann sinnvoll ist, um subjektives Problemerleben zu dissoziieren, d.h. man findet Abstand dazu und sieht die Welt in ihrer Komplexität klarer“, heißt es vom Team des Celler Kulturzentrums.

Für das komplexe Vorhaben wurde innerhalb des Jahres ein größeres Experten-Netzwerk aufgebaut, das in alle Entwicklungsschritte eingebunden ist: Die Ausstellung selbst wird von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelt. Neben Kai Thomsen als Projektleiter und Stefanie Fritzsche aus der CD-Kaserne arbeiten hier der Islamwissenschaftler Jannik Veenhuis und die Kulturanthropologin Viola Schmidt. Das Vorhaben wird durch die muslimische Community in Deutschland unterstützt. So arbeiten an der Ausstellung Mitglieder des satirischen YouTube-Kanal „Datteltäter“, die Comiczeichnerin „tufffix“ und das Theaterkollektiv Markus&Markus mit. Eine weitere beratende Kooperation gibt es mit Ufuq e.V. Der anerkannte Träger der freien Jugendhilfe ist in Deutschland federführend aktiv in der politischen Bildung und Prävention zum Themenfeld Islam.

Begleitet wird der gesamte Prozess durch ein Steuerungsteam bestehenden aus Vertretern des Niedersächsischen Justizministeriums, des Niedersächsischen Kultusministeriums, des Landespräventionsrats, des Landesdemokratiezentrums und der Landeszentrale für politische Bildung. Besonders froh sind die Ausstellungsmacher darüber, dass der Bau der Ausstellung in Niedersachsen erfolgt: Praetorius Musikpreisträger Jens Eckhoff zeichnet für das Multimedia-Konzept verantwortlich, und mit „Werkhaus“ konnte ein kompetenter und glaubwürdiger Partner für den Bau der Ausstellung gewonnen werden. Neben der Ausstellung, die nach der Premiere in Berlin 2019 auch nach Celle kommt, gibt es im Präventionsansatz noch weitere Bausteine und der Islamdiskurs wird auf verschiedenen Ebenen reflektiert: Es gibt Multiplikatoren-Workshops. Vortragsreihen und Workshops in Schulen.



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