„Wir müssen kontrovers diskutieren“ - CDU Celle mit neuem Vorsitzenden und neuen Vorsätzen

Politik Von Susanne Zaulick | am So., 14.11.2021 - 12:01

NIENHAGEN. „Wir haben zu viele falsche Kompromisse schließen müssen in der Großen Koalition.“ „Wir hatten zwar ein solides Programm, aber keine Botschaft an die Menschen.“ „Wir haben die Mitglieder nicht mitgenommen.“ „Wir waren zu arrogant.“ An selbstkritischen Sätzen im Hinblick auf die Bundestagswahl fehlte es nicht beim Kreisparteitag der CDU Celle gestern im Hagensaal. Der stellvertretende Ministerpräsident und Niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann widmete sich der Aufarbeitung des „dramatischen Ergebnisses“ ausführlich. Und forderte einen geschlossenen Neustart auf Bundesebene.

„Wenn wir es in den nächsten Wochen nicht hinbekommen, uns schnell und ohne Verletzungen neu aufzustellen, dann werden harte Zeiten anbrechen“, warnte er. Der Kreisverband Celle machte dann in der zweiten Hälfte der rund fünfstündigen Veranstaltung vor, wie so etwas auf Kreisebene vollzogen werden kann. Mit 106 Ja, 8 Neinstimmen und einer Enthaltung wählte man Jörn Schepelmann aus Eicklingen zum neuen Vorsitzenden des Kreisverbandes und damit zum Nachfolger von Henning Otte, der nicht mehr angetreten war. Der 35-jährige Schepelmann ist seit 2017 Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Bergen. Seine Stellvertreter sind Christian Ceyp, Kathrin Fündeling und Burkhard Hoppenstedt. Zum neuen Schatzmeister wurde Ernst-Ingolf Angermann gewählt.

Für Bernd Althusmann ist klar: Es lag nicht nur am Kandidaten Armin Laschet, sondern auch an Angriffen „aus den eigenen Reihen“ und „Durchstechereien aus Sitzungen, die der Partei schadeten. „Streit nach innen ist super, aber Streit nach außen geht gar nicht“, bilanzierte der CDU-Mann, der - wenn die CDU im Oktober 2022 die Landtagswahl gewinnt - Ministerpräsident werden könnte. Nicht ohne Neid blickt er auf die Konkurrenz: „Der SPD ist es gelungen, die unterschiedlichen Pole einfach mal wegzulassen. Alle haben sich hinter einer Person versammelt. Von Kevin Kühnert oder Saskia Esken hat man plötzlich nichts mehr gehört“. An diesem Beispiel könne sich die CDU im Hinblick auf die Landtagswahl orientieren.

Aber nicht nur für die Partei, sondern auch für die Politik hat der Niedersachse Verbesserungsvorschläge. Bundesweite Bildungspolitik aus einem Guss statt 16 verschiedene Kerncurricula. Den Landwirten nur so viel Veränderung abverlangen, wie sie auch bewältigen könnten ohne ihre Betriebe aufgeben zu müssen. Elektromobilität nur soweit einführen, wie Arbeitsplätze nicht gefährdet sind. In der Pflege neue Wege beschreiten, die auch Mischformen von ambulant und stationär beinhalten. Und jungen Menschen den Weg zur eigenen Immobilie erleichtern, zum Beispiel durch Erlass der Grunderwerbssteuer für zehn Jahre.

Am Ende seiner Rede versprüht Althusmann wieder Optimismus. „Ich will uns Mut machen. Diese Union wird gebraucht“, sagt er bevor die Anwesenden stehend Beifall spenden.

Thomas Adasch als Landtagsabgeordneter und Axel Flader als Landrat geben kurze Einblicke in ihre aktuellen Aufgaben. Bei beiden steht Corona ziemlich weit oben auf der Tagesordnung. Und beide sehen 2G bzw. 2G+ als gebotene Maßnahme, um der Lage Herr zu werden. Adasch macht deutlich, dass seine Geduld am Ende sei. „Eine Minderheit, die Meinungsfreiheit für sich in Anspruch nimmt, gefährdet andere Menschen. Das ist unsolidarisch.“ Im Hinblick auf die Intensivversorgung im Landkreis Celle vermittelt Axel Flader Zuversicht. Das AKH werde „ein Auge darauf haben, dass die Kapazitäten da sind“.

Die letzte längere Rede des Tages darf der zur Wahl zum Kreisvorsitzenden vorgeschlagene Schepelmann halten. „Vorstellen“, fordert jemand aus den Reihen der Mitglieder, auch wenn der Eicklinger als Landtagskandidat und Abgeordneter schon in jeder Ecke des Landkreises eine „Vorstellungsrunden“ absolviert haben dürfte. „Warum bin ich in der CDU?“, lautet die von ihm gestellte Eingangsfrage, die er in den folgenden zehn Minuten beantwortet: „Ich bin in der CDU weil wir an die Menschen glauben. Wir sind die Partei, die das tut, was getan werden muss, ohne Ideologie“, lautet zusammengefasst seine Antwort, die mit anerkennendem Applaus belohnt wird. Zum Schluss hat Schepelmann noch einen Appell an „seinen“ Kreisverband: „So gerne wie ich höre, was ich gut gemacht habe, möchte ich auch hören, was nicht gut ist. Wir müssen kontrovers diskutieren.“

Der neue Vorstand im Überblick:
Vorsitzender Jörn Schepelman
Stellvertreter: Christian Ceyp, Kathrin Fündeling, Burkhard Hoppenstedt
Schatzmeister: Ernst-Ingolf Angermann
Mitgliederbeauftragter: Jens Meyer
Beisitzer: Heike Behrens, Dirk Drögemüller, Jan Hägerling, Hauke Hauschildt, Jan-Hendrik Hohls, Annika Liedke, Helena Neuhold, Lukas Nott und Angela Siems

Aus dem Vorstand verabschiedet wurden:
Henning Otte, der zehn Jahre lang Vorsitzender und seit 1999 im Vorstand tätig war
Wolfgang Klußmann, Ulrike Kramer, Peter Pudschun, Hans-Werner Schmidtmann (in Abwesenheit) und Silke Kollster.