CELLE. Wie kann man Hilfsangebote gegen häusliche Gewalt bekannter machen und Hilfesuchende gezielt auf die – überwiegend – vor Ort vorhanden Unterstützungsmöglichkeiten hinweisen? Darüber hat sich die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Bianka Lawin, Gedanken gemacht und heute eine neue Kampagne vorgestellt. Sie wird unterstützt durch den Landkreis Celle und das Busunternehmen CeBus, das kostenlos auf einem seiner Gelenkbusse die Hilfsmöglichkeiten präsentiert. Kooperationspartner der Aktion sind die Polizei, das Allgemeine Krankenhaus Celle (ProBeweis), die Frauenhäuser und die Beratungsstelle BISS. Der Bus wird bis auf Weiteres unterschiedliche Routen fahren, so dass die Informationen den gesamten Landkreis erreichen. Auch in weiteren Städten und Landkreisen soll es ähnliche Busprojekte geben.

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“Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung. Häusliche Gewalt ist keine Familienstreitigkeit oder ein Beziehungskonflikt, sondern eine kriminelle Handlung, für die der Gewalttäter zur Verantwortung gezogen werden kann. Häusliche Gewalt ist ein klarer Verstoß gegen das Recht des Menschen auf körperliche und seelische Unversehrtheit”, stellt Bianka Lawin klar. Allein in Celle wurden in der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) in den vergangenen drei Jahren 733 Fälle zu häuslicher Gewalt bearbeitet.

Die Ausübung von Gewalt diene dazu, Kontrolle und Macht über eine andere Person auszuüben. Häusliche Gewalt zeige sich dabei nicht nur durch körperliche Gewalt, sondern auch als psychische Gewalt, wie Entwertung, Demütigung und Zerstörung des Selbstwertgefühls. Sexualisierte Gewalt beinhalte jede Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung. Ökonomische Gewalt äußere sich darin, das Einkommen allein zu kontrollieren, Schulden anzuhäufen oder auf den anderen abzuwälzen. Oft würden auch die Kinder instrumentalisiert, z.B. mit der Drohung, sie wegzunehmen, ihnen Gewalt anzutun oder sie zu manipulieren.

“Viele gewalttätige Personen üben die Gewalt nur in der Beziehung oder in der Familie aus, der soziale Raum, der eigentlich Vertrautheit und Sicherheit vermitteln soll”, so Lawin. Das Zuhause sei aber kein rechtfreier Raum. “In keinem anderen Sektor der Gesellschaft ist die Sicherheit von Frauen und Kindern so schlecht gewährleistet, wie im familiären Kontext. 90 Prozent aller statistisch erfassten Gewalttaten finden im Familien- und Bekanntenkreis statt”, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Gewalttätige Menschen seien nicht immer erkennbar, sondern wirkten nach außen oft freundlich. Das führe dazu, dass Betroffene verunsichert seien und Angst davor hätten, dass ihnen niemand glaubt, was zu Hause passiert. Gründe der Gewalt suche die Tatperson nicht bei sich, sondern bei der Partnerin/dem Partner oder den äußeren Umständen (Probleme bei der Arbeit, Alkohol, durch die Beziehungsperson provoziert…). Häufig zögenn sich Betroffene zurück, was die Macht der Tatperson noch vergrößere. Isolation von Freunden und Familie, die Geheimhaltung bis zu Arbeits- und Kontaktverboten seien meistens Bestandteil häuslicher Gewalt. “Familie, Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen können unterstützen, indem sie zuhören, an Beratungsstellen verweisen, Hilfe organisieren und gegenüber der Tatperson vermitteln, dass sie Gewalt nicht akzeptieren”, macht Bianka Lawin deutlich.

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Schwerwiegende persönliche Entscheidungen, wie ein Umzug, die Beendigung einer Beziehung oder der Wechsel einer Arbeitsstelle fallen vielen Menschen sehr schwer. In dieser Situation seien auch von Gewalt Betroffene. Sie hätten die Hoffnung, dass die Gewalt aufhöre. Viele Frauen fühlten sich auch verantwortlich für das Gelingen der Beziehung und des Familienlebens. Sie wollten oft den Kindern nicht den Vater nehmen, wüssten nicht, wie die Trennung funktionieren könne, wenn sie ökonomisch abhängig seien, machten sich Sorgen um die Zukunft als Alleinerziehende, hätten Angst vor einem sozialen Abstieg. Häufig gelinge deshalb die Trennung, bzw. die Beendigung aus der Gewaltbeziehung erst nach mehrmaligen Versuchen. Durchschnittlich versuchten betroffene Frauen mehr als drei Mal Hilfe von außen zu erhalten. Das Beenden einer Gewaltbeziehung koste Kraft und erfordere Mut. Die Gefahr in der Trennungszeit sei dabei am größten. Häufig steige dann die Gewaltbereitschaft.

Viele Institutionen unterstützen Betroffene, machen die Akteue der aktuellen Initiative gegen häusliche Gewalt Mut: Anlaufstellen sind zum Beispiel die Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt (BISS). Sie informieren und beraten Betroffene zu ihren rechtlichen Möglichkeiten und Schutz. Daneben gibt es die Frauenschutzhäuser, die Frauen mit ihren Kindern Schutz, Unterkunft und Unterstützung gewähren.
– Polizei
– Täterberatungsstelle CIP,  die Beratung anbieten, um Verantwortung für das gewalttätige Verhalten zu erarbeiten,
– ProBeweis,
– AKH, um bei gerichtlichen Verfahren ärztliche Atteste vorlegen zu können, auch wenn die Polizei nicht einbezogen ist.

Hilfen in Stadt und Landkreis Celle – 24h erreichbar:

Unfallchirurgie – Allgemeines Krankenhaus Celle
ProBeweis  Tel. 05141 / 72-2950 oder 72-0 (Zentrale)

Beratungs- und Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt
BISS Tel. 05141 / 21 44 44

Frauen- und Kinderschutzhaus
Haus der Familie Tel. 05141 / 66 33

Anonymes Frauenhaus Celle e.V.
Frauenhaus Tel. 05141 / 257 88

In  Notfällen: Polizei 110
Bundesweites kostenloses Hilfetelefon: 0800 116 016 www.hilfetelefon.de.

 

Fotos: Peter Müller

 

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