CELLE. Willi Nobbes Leidenschaft war die Fotografie, so viel steht fest. Ob nun für seine Arbeit bei Mobil Oil oder privat im Urlaub – die Kamera musste mit. Seine Leidenschaft hat der gebürtige Hamburger an seine Enkelin Nicole vererbt. Sein liebstes Motiv war Celle, von welchem er ganze Reihen an Fotografien der Fachwerkhäuser und Stadtteile schoss. Diese sind bis heute erhalten geblieben und verstaubten lange auf dem Dachboden seines einstmaligen Hauses. In diesem wohnt heute noch sein Sohn Thomas. Das änderte sich, als seine Enkelin die Originale entdeckte: „Es ist viel zu schade, dass die Fotos hier auf dem Dachboden verstauben“. Kurzer Hand beschloss die Enkelin, ihrem Vater eine Freude zu machen. 2009 suchte sie die Standorte der alten Celler Motive ihres Großvaters heraus und lichtete diese neu ab. Das Ergebnis war eine Überraschung für ihren Vater – ein Fotoalbum, das Celle heute und gestern zeigt – eine optimale Grundlage für unsere neue Serie „CELLEHEUTE/CELLEGESTERN“ in unserer Facebook-Gruppe „CELLEGESTERN„.

Der gebürtige Hamburger arbeitete als Technischer Zeichner, Maler und Grafiker für die damalige Mobil Oil. Zu seinen Aufgaben zählten auch diverse Fotoaufträge zur Dokumentationen von Projekten und Ereignissen in der Firma. Als interner Fotograf schoss er Fotos für die Presse und Öffentlichkeit. Die Fotografie entwickelte sich zu seinem großen Hobby. Von Hamburg zog Willi während des zweiten Weltkriegs nach Celle, weil die Firma aufgrund der Bombadierung Hamburgs beschloss, den Standort zu verlagern. Hier baute er sich sein eigenes Haus und eines durfte natürlich nicht fehlen. Es entstand ein eigenes Fotolabor, die heutige Küche, in dem der Fotobegeisterte die meisten seiner Fotografien selbst entwickelte.

Celles Geschichte lag ihm am Herzen, sodass er jedes neue Bauprojekt besuchte und fotografierte. Sein Sohn Thomas kann davon viele Geschichten erzählen: „Wenn wir los sind, war es meine Aufgabe, die Straße zu blockieren, damit mein Vater in Ruhe seine Bilder schießen konnte. Er legte viel Wert auf das Motiv – stand eine Wolke falsch am Himmel oder der Sonnenstand war ungünstig, musste gewartet werden“. Man brauchte zwar viel Geduld, aber von Willi lernte die Familie den Blick für das perfekte Motiv.

Die Kamera musste überall mit hin. Um genau zu sein, waren es drei Kameras: zwei Leikas und die Plaubel Makina. Natürlich war damals noch gar nicht an Digitalkameras zu denken. Deshalb kamen zusätzlich noch diverse Filmrollen mit in den Urlaub. Auch die Gipfel der Gebirge wurden durch den Hobby-Bergsteiger eingefangen – zur Freude der Familie, da die Kameras einiges auf die Waage brachten. Doch nicht nur mit den Höhen hatte Willi zu kämpfen. Wenn die Enkelin zu Besuch war, war kein Foto sicher. Für Nicole war es ein großer Spaß, ihrem Opa Streiche zu spielen. Es war einfach zu verlockend, das Licht der Dunkelkammer anzumachen, in dem ihr Opa gerade die Fotos entwickelte. Doch Willi war nie lange sauer, denn damit musste man halt rechnen.

Seit dem 20. Jahrhundert hat sich natürlich viel verändert. Heute fotografiert Nicole in Farbe auf einer Nikon D50 und kann die entstanden Fotos direkt an Ort und Stelle betrachten. Ein Luxus, den Willi nicht hatte. Damit sich die Aufnahmen der beiden mehr ähneln, wandelte Nicole ihre farbigen Nachstellungen zu schwarz-weiß um. Für die Familie ist es spannend, zu sehen, wie sich Celle doch verändert hat. Für unsere LeserInnen auch, ab sofort auf www.facebook.com/groups/cellegestern. Übrigens: Auch unsere DVD-Collection „CELLEGESTERN“ mit Filmaufnahmen aus über 250 privaten Einsendungen ist weiterhin im gut sortierten Handel und online erhältlich.

„CelleGestern“ – DVD-Box Nr. 1 als Geburtstagsgeschenk an die Stadt

Fotos: Peter Müller

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